Meine Mutter liebt Reis, der Hauself ißt dankenswerterweise meistens das, was auf den Tisch kommt und ich finde, daß die meisten Dinge, die mit Reis gut schmecken, ohne Reis womöglich sogar noch besser wären. Da aber Frau Raether aus der "Zeit" diese Woche Risotto vorschlägt und der Hauself fleißig die hauseigenen Walnüsse aufsammelt*, ehe sie in die gierigen Schlünde unserer Waschbären wandern, dachte ich mir, das sei eine Art Gottesurteil und es würde schon nicht so schlimm werden.
Risotto mit Radicchio, Gorgonzola und Walnüssen
1 mittelgroße Zwiebel
1 große Knoblauchzehe
Olivenöl
Salz
170 g Risottoreis
1 Kopf Radicchio (ca. 150 g)
150 ml Weißwein
Pfeffer
400 ml Wasser (oder Brühe)
80 g Gorgonzola, gewürfelt
30 g Butter
30 g Parmesan, gerieben
30 g Walnüsse, trocken in einer Pfanne angeröstet
Zwiebel fein hacken, Knoblauch dito, beides mit Olivenöl in einem viel größeren Topf anschwitzen als Sie für nötig halten. Reis dazuschütten, ebenfalls anschwitzen. Radicchio-Kopf vierteln, Strunk herausschneiden, in feine Streifen schneiden. In den Topf geben (sehen Sie jetzt, wie wichtig der große Topf war?) und rühren, bis er ein bißchen welk wird. Mit Weißwein ablöschen, mit Brühe (oder Wasser) aufgießen. Aufpassen wie ein Schießhund, damit es nicht anbrennt. Salzen. Pfeffern. Butter und Käse unterrühren, Walnüsse darüberstreuen. Nicht von der seltsam dunkel-rotbraunen Farbe abschrecken lassen. Servieren.
Ich hatte die Mengenangaben allesamt großzügig nach oben abgerundet. Dann reicht die Menge für drei Leute, die wirklich von Herzen gern Risotto essen.
Übrigens hatte ich befürchtet, der Radicchio würde sich - da er ja von Anfang an mitgekocht wird - in eine Art Schleim verwandeln. Dem war durchaus nicht so. Gelegentlich ist sogar noch ein knurpsliges Stückchen im Risotto.
Irgendwo las ich mal den wirklich uneleganten Ausdruck "schlotzig". Es schmerzt mich sagen zu müssen, daß ich das für das einzig passende Wort für diese seltsame Pampe halte: würzig, einen Hauch bitter, cremig... schlotzig eben.
*Außerdem knackt er sie auch gleich. Im Akkord. Es klingt, als hätte man ein Eichhörnchen auf Speed im Haus.
Sonntag, 16. Oktober 2016
Dienstag, 4. Oktober 2016
Kla - was? Clafoutis?! Na klar!
Es ist eine so betrübliche wie universell wahre Tatsache, daß der Garten einen grundsätzlich mit solchen Gaben überschwemmt, die man lieber nicht gehabt hätte. Mit doofen Augustäpfeln beispielsweise, lästigen Johannisbeeren und Giersch. Der Sauerkirschbaum hingegen ist alljährlich höchst sparsam behängt. Das macht aber nichts, denn ein Glas Schattenmorellen kostet im Supermarkt schier weniger als ich an Strom verbraucht hätte, wenn ich es selber hätte einmachen wollen.
Und gleich in zweierlei Hinsicht ist glücklicherweise Quatsch, was wikipedia behauptet - daß nämlich entsteinte Kirschen den Teig zu flüssig machen. So kann man diesen wunderbaren... Flatschen* erstens das ganze Jahr über herstellen und zweitens ohne dabei unablässig Kirschkerne zu spucken wie ein inkontinentes Lama.
Clafoutis
1 Glas Sauerkirschen, abgetropft
Für den Teig:
3 Eier
60 Gramm Zucker
1 Vanillezucker
1 Prise Salz
100 Gramm Mehl
60 Gramm flüssige, aber abgekühlte Butter
300 ml Milch
Aus den Zutaten einen Teig rühren. Nicht über die extrem flüssige Pampe wundern. Das muß so. Falls man sich für die Optik interessiert: Schneebesen benutzen. Der Elektroquirl erzeugt nämlich schaumige Blasen, die am Ende die Oberfläche verunzieren. Doch, das stimmt, denn selbstverständlich habe ich es mir leicht gemacht. Aber ich wollte das Ergebnis ja auch essen und nicht primär in seinem Anblick schwelgen.
Springform entweder buttern und mit Mehl, bzw. Semmelbröseln bestäuben oder einfach mit Backpapier auslegen. Abgetropfte Kirschen in der Form verteilen. Teig darübergießen. Eine gute halbe Stunde im mittelheißen Ofen backen, bzw. 40 Minuten bei 180° Umluft (laut Rezept aus der Zeit).
Ich nahm ein Stück zu Freunden mit und erntete den Kommentar "Obst und Pudding - what's not to like?" Dem schließe ich mich an.
*Wenn das Ding ein Kuchen ist, dann bin ich Herta Müller.
Und gleich in zweierlei Hinsicht ist glücklicherweise Quatsch, was wikipedia behauptet - daß nämlich entsteinte Kirschen den Teig zu flüssig machen. So kann man diesen wunderbaren... Flatschen* erstens das ganze Jahr über herstellen und zweitens ohne dabei unablässig Kirschkerne zu spucken wie ein inkontinentes Lama.
Clafoutis
1 Glas Sauerkirschen, abgetropft
Für den Teig:
3 Eier
60 Gramm Zucker
1 Vanillezucker
1 Prise Salz
100 Gramm Mehl
60 Gramm flüssige, aber abgekühlte Butter
300 ml Milch
Aus den Zutaten einen Teig rühren. Nicht über die extrem flüssige Pampe wundern. Das muß so. Falls man sich für die Optik interessiert: Schneebesen benutzen. Der Elektroquirl erzeugt nämlich schaumige Blasen, die am Ende die Oberfläche verunzieren. Doch, das stimmt, denn selbstverständlich habe ich es mir leicht gemacht. Aber ich wollte das Ergebnis ja auch essen und nicht primär in seinem Anblick schwelgen.
Springform entweder buttern und mit Mehl, bzw. Semmelbröseln bestäuben oder einfach mit Backpapier auslegen. Abgetropfte Kirschen in der Form verteilen. Teig darübergießen. Eine gute halbe Stunde im mittelheißen Ofen backen, bzw. 40 Minuten bei 180° Umluft (laut Rezept aus der Zeit).
Ich nahm ein Stück zu Freunden mit und erntete den Kommentar "Obst und Pudding - what's not to like?" Dem schließe ich mich an.
*Wenn das Ding ein Kuchen ist, dann bin ich Herta Müller.
Freitag, 24. Juni 2016
Wer A sagt muß auch Caponata sagen
Nein, selbst ich bin nicht derart vergeßlich, daß ich mich nach der Blumenkohlkatastrophe mit unbefangener Freude auf Felicity Cloakes nächstes Rezept gestürzt hätte.
Es ist aber in der brandenburgischen Wüste gar nicht so einfach, Auberginen mit Staudensellerie und Zucchini in einen Topf zu werfen. Um das zu tun, muß ich sie in unserem Supermärktlein bestellen. Da ich dies bereits vor dem Aloo Gobi-Desaster getan hatte, war ich zur Caponata verdammt.
1 große Aubergine, etwa 500 g, in 2 cm große Würfel geschnitten
1 große Zucchini, in 2 cm große Würfel geschnitten
Salz
Speiseöl zum Frittieren
3 Eßl Olivenöl
1 große rote Zwiebel, geschnitten
2 Selleriestangen, in Scheibchen geschnitten
1½ Teel Chiliflocken (optional)150g reife Tomaten, gewürfelt
40g Kapern
40g grüne Oliven, entsteint und geviertelt
40g Rosinen oder Sultaninen
1 Eßl Zucker
150ml Tomatenpüree100ml Rotweinessig
1 Eßl geriebene dunkle Schokolade
40g geröstete Mandeln oder Pinienkerne
1 kl. Bund frische Minze, nur die Blätter
Auberginen- und Zucchiniwürfel leicht salzen, in ein Sieb geben und mindestens 30 min lang abtropfen lassen, dann trockentupfen.
In einem Topf mit Öl oder einer Fritteuse Auberginen- und Zucchiniwürfel bei 190° frittieren, bis sie goldbraun sind. Nicht zuviel Gemüse auf einmal ins Öl werfen, damit das Fett nicht zu sehr abkühlt. Zwischendurch immer wieder auf 190° bringen. Auf Küchenpapier abtropfen lassen.
Olivenöl in einem weiten Topf (für den es einen passenden Decke gibt) erhitzen. Zwiebel und Selleriescheibchen mit einer Prise Salz darin andünsten, bis sie weich sind und Farbe anzunehmen beginnen, dann Tomatenwürfel hinzufügen und noch ein paar Minuten sautieren.
Kapern, Oliven, Rosinen, Zucker, Tomatenpüree, Essig und Schokolade einrühren und zum Kochen bringen, dann die frittierten Gemüsewürfel hinzufügen. Abschmecken, Herde auf kleinste Stufe schalten, zudecken und eine Stunde lang sanft köcheln lassen. Gegen Ende der Kochzeit nachsehen und vom Herd nehmen, falls nicht mehr genug Flüssigkeit im Topf ist.
Auf Raumtemperatur abkühlen lassen, dann nochmals abschmecken. Inzwischen Mandeln in einer trockenen Pfanne rösten und unmittelbar vor dem Servieren zusammen mit der Minze darüberstreuen.
Um es ausnahmsweise einigermaßen kurz zu machen: das Zeug schmeckt nicht schlecht, egal ob zu Pasta oder auf Brot. In der Tat ist es nach dem Abkühlen noch deutlich besser. Wenn auch keineswegs derart köstlich, wie die lyrischen Beschreibungen vermuten lassen.
Meines Erachtens schwafelt die Autorin nur deshalb von göttlicher Komposition, weil bei Tisch nicht mehr auszumachen ist, daß man gerade eine einigermaßen wunderliche Kombination aus Knoblauch, Essig, Rosinen und Schokolade verzehrt.
Dennoch könnte es das umständliche, stundenlange Gemache wert sein, wenn das fertige Gericht nicht dank der frittierten Auberginen und Zucchini derart ölhaltig wäre, daß ein Verdauungsschnaps als lebenserhaltende Maßnahme gewertet werden muß.
Im übrigen darf man der Anweisung, das Ragout abschließend noch eine Stunde lang simmern zu lassen, unter keinen Umständen Folge leisten wollen - es sei denn im Wasserbad. Ich jedenfalls kratzte bereits nach 10 Minuten leisen Köchelns schwarze Batzen vom Topfboden. Merke: Schokolade setzt an! Eine weitere kochtechnische Tatsache, die mir vorübergehend entfallen war.
Es ist aber in der brandenburgischen Wüste gar nicht so einfach, Auberginen mit Staudensellerie und Zucchini in einen Topf zu werfen. Um das zu tun, muß ich sie in unserem Supermärktlein bestellen. Da ich dies bereits vor dem Aloo Gobi-Desaster getan hatte, war ich zur Caponata verdammt.
Felicity Cloake’s perfect caponata
(für 6 - 8 Personen)1 große Aubergine, etwa 500 g, in 2 cm große Würfel geschnitten
1 große Zucchini, in 2 cm große Würfel geschnitten
Salz
Speiseöl zum Frittieren
3 Eßl Olivenöl
1 große rote Zwiebel, geschnitten
2 Selleriestangen, in Scheibchen geschnitten
1½ Teel Chiliflocken (optional)150g reife Tomaten, gewürfelt
40g Kapern
40g grüne Oliven, entsteint und geviertelt
40g Rosinen oder Sultaninen
1 Eßl Zucker
150ml Tomatenpüree100ml Rotweinessig
1 Eßl geriebene dunkle Schokolade
40g geröstete Mandeln oder Pinienkerne
1 kl. Bund frische Minze, nur die Blätter
Auberginen- und Zucchiniwürfel leicht salzen, in ein Sieb geben und mindestens 30 min lang abtropfen lassen, dann trockentupfen.
In einem Topf mit Öl oder einer Fritteuse Auberginen- und Zucchiniwürfel bei 190° frittieren, bis sie goldbraun sind. Nicht zuviel Gemüse auf einmal ins Öl werfen, damit das Fett nicht zu sehr abkühlt. Zwischendurch immer wieder auf 190° bringen. Auf Küchenpapier abtropfen lassen.
Olivenöl in einem weiten Topf (für den es einen passenden Decke gibt) erhitzen. Zwiebel und Selleriescheibchen mit einer Prise Salz darin andünsten, bis sie weich sind und Farbe anzunehmen beginnen, dann Tomatenwürfel hinzufügen und noch ein paar Minuten sautieren.
Kapern, Oliven, Rosinen, Zucker, Tomatenpüree, Essig und Schokolade einrühren und zum Kochen bringen, dann die frittierten Gemüsewürfel hinzufügen. Abschmecken, Herde auf kleinste Stufe schalten, zudecken und eine Stunde lang sanft köcheln lassen. Gegen Ende der Kochzeit nachsehen und vom Herd nehmen, falls nicht mehr genug Flüssigkeit im Topf ist.
Auf Raumtemperatur abkühlen lassen, dann nochmals abschmecken. Inzwischen Mandeln in einer trockenen Pfanne rösten und unmittelbar vor dem Servieren zusammen mit der Minze darüberstreuen.
Um es ausnahmsweise einigermaßen kurz zu machen: das Zeug schmeckt nicht schlecht, egal ob zu Pasta oder auf Brot. In der Tat ist es nach dem Abkühlen noch deutlich besser. Wenn auch keineswegs derart köstlich, wie die lyrischen Beschreibungen vermuten lassen.
Meines Erachtens schwafelt die Autorin nur deshalb von göttlicher Komposition, weil bei Tisch nicht mehr auszumachen ist, daß man gerade eine einigermaßen wunderliche Kombination aus Knoblauch, Essig, Rosinen und Schokolade verzehrt.
Dennoch könnte es das umständliche, stundenlange Gemache wert sein, wenn das fertige Gericht nicht dank der frittierten Auberginen und Zucchini derart ölhaltig wäre, daß ein Verdauungsschnaps als lebenserhaltende Maßnahme gewertet werden muß.
Im übrigen darf man der Anweisung, das Ragout abschließend noch eine Stunde lang simmern zu lassen, unter keinen Umständen Folge leisten wollen - es sei denn im Wasserbad. Ich jedenfalls kratzte bereits nach 10 Minuten leisen Köchelns schwarze Batzen vom Topfboden. Merke: Schokolade setzt an! Eine weitere kochtechnische Tatsache, die mir vorübergehend entfallen war.
Aloo Gobi Oder Was Tomaten mit der Relativitätstheorie zu tun haben
Per Zufall entdeckte ich eine Rezeptserie im britischen Guardian, übertitelt mit "How to make the perfect..."
Was mir daran so besonders gefällt ist die Tatsache, daß Felicity Cloake zunächst ausführlich über diversen Varianten mehr oder weniger berühmter Köche brütet, ehe sie daraus ein eigenes, ihrer Meinung nach perfektes Rezept destilliert. Das erspart einem einiges Grübeln darüber, welche Zutaten unumgänglich sind und welche optional, durch was man die eine ersetzen kann und weshalb die andere nicht - kurzum: in welcher Weise die Köchin variieren kann, ohne das Endergebnis unter ständigem Rühren zum Komposthaufen tragen zu müssen.
Ich war entzückt.
Unglücklichweise hat großer Enthusiasmus bei mir völlige Gehirnerweichung zur Folge. Eine Tatsache, die ich mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder vergesse. Und zwar überraschend schnell.
Bei Rezepten bedeutet das, daß mich während des Lesens flüchtig der Gedanke streift 'Hmmm, das wird schwierig' oder 'Meiner Erfahrung nach funktioniert das so nicht'. Unmittelbar darauf erstickt eine rosig-goldene Begeisterungswolke jegliche Synapsentätigkeit und ich gehe nachsehen, welche Zutaten ich für das betreffende Gericht benötigen werde.
Zunächst geschah das beim angeblich perfekten
Aloo Gobi
(für 4 Personen)
4 Eßl Speiseöl
1 Teel Kreuzkümmel, ganz
½ Teel Nigellasamen
350g festkochende Kartoffeln, grob in 2.5cm Würfel geschnitten
1 mittelgroßer Blumenkohl, geschnitten. Die Röschen und Strunkstücke sollten etwas größer sein als die Kartoffelstücke.
1 weiße Zwiebel, fein geschnitten
4 Knoblauchzehen, zerdrückt
1 Eßl geriebener Ingwer
1 Dose Datteltomaten, grob gehackt, oder 5 gehackte frische Tomaten
1 Eßl Tomatenpüree
2 Teel Koriandersamen, in einer trockenen Pfanne angeröstet und zermörsert
½-1 Teel mittelscharfes Chilipulver
½ Teel Gelbwurz/Kumin
2-4 kleine grüne Chilischoten, aufgeschlitzt
1 Teel Salz
1 Eßl Methi (getrocknete Bockshornkleeblätter) - WTF?
1 Teel Garam Masala
Saft ½ Limette
1 kleiner Bund frischer Koriander, gehackt
Erhitzen Sie das Öl in einem weiten Topf. Wenn es heiß ist, werfen Sie den Kreuzkümmel und die Nigella-Samen hinein und erhitzen Sie sie ein paar Sekunden lang, bis sie springen. Fügen Sie die Kartoffeln hinzu und sautieren Sie sie, bis sie golden sind. Mithilfe eines Schaumlöffels herausnehmen und die Prozedur mit dem Blumenkohl wiederholen. Diesen in eine weitere Schüssel schöpfen.
Hitze reduzieren, falls nötig noch etwas Öl in den Topf gießen und die Zwiebel anschwitzen, bis sie weich und golden ist, aber nicht gebräunt. Dann den Knoblauch und Ingwer hinzufügen und ein paar Minuten lang mit anschwitzen. Die Tomaten, den zermörserten Koriander, Chili und Gelbwurz hinzufügen und unter ständigem Rühren erhitzen, bis das Öl an den Seiten des Topfes aufzusteigen beginnt.
Frische Chilischoten, Salz und Kartoffeln in den Topf geben, zum Köcheln bringen, Hitze herunterschalten, zudecken unf fünf Minuten lang kochen lassen. Blumenkohl und einen guten Schuß Wasser hinzufügen, zudecken und kochen lassen, bis beides gar ist. Dabei gelegentlich umrühren, damit es nicht ansetzt und falls nötig noch mehr Wasser hinzufügen.
Vom Herd nehmen, Methi und Garam Masala unterrühren, 10 Min stehen lassen. Dann den Limettensaft und den frischen Koriander hinzufügen.
Usmani empfiehlt dazu "gekochten Basmati-Reis, Naan, Paratha oder Brioche, außerdem Pickles oder Chutney".
Immerhin war ich noch soweit bei Verstand, daß mich die Idee, 350 Gramm Kartoffeln würden auch nur für 3 Personen reichen - wofern eine davon der Hauself ist - in lautes Gelächter ausbrechen ließ. Wir verdoppeln also das Rezept, richtig?
Als nächstes brachte mich die Anweisung, den Blumenkohl - genauer gesagt: die zwei kleineren Blumenkohlköpfe - in "etwas größere Röschen zu teilen als die Kartoffelstücke" ins Grübeln. Vielleicht ist englischer Cauliflower anders strukturiert? Ich stehe nämlich immer vor dem Problem, daß sich unten, kurz über den Blättern, kinderfaustgroße Rosen befinden, die nach oben hin immer kleiner werden, bis zum Schluß ein einziges großes Mittelstück übrigbleibt, das entweder als Ganzes in den Topf muß, oder sich beim Auseinanderpflücken in Bonsairöschen und somit beim Kochen in Matsch verwandelt. Alternativ kann man kann das Gemüse natürlich auch brutal mit dem Messer zerteilen, ja.
Ansonsten alles paletti. Oder?
Vorausschauend nahm ich meinen allergrößten Topf zum Sautieren der Kartoffeln, die dank der Nigellasamen wundervoll dufteten und mit der Zeit artig goldbraun wurden. Womit ich Frittenwürfel hatte. Gare Frittenwürfel. Was ein Glück war, wie sich später herausstellte.
Immerhin kann ich an dieser Stelle bindend versichern, daß meine Nigellasamen ganz und gar unsportlich sind und keineswegs "poppen", hüpfen oder springen. Jedenfalls nicht bis das Öl zu rauchen begann und ich das Warten aufgab.
Die Blumenkohlstückchen hingegen saugten blitzartig das restliche Öl in ihre kleinen Zwischenräume. Und dann das Öl, das ich nachgoß. Und noch mehr Öl. Sie machten keinerlei Anstalten auch nur ein bißchen weich zu werden. Dafür begannen die winzigen Gemüsekrümel, die sich auf dem Topfboden sammelten, beunruhigend zu bräunen.
Ich entfernte also den rohen, fettgetränkten Kohl, goß neues Öl - "falls nötig", ha! - hinzu und briet Zwiebeln, Ingwer und Knoblauch an. "Wird am Ende mithilfe der Tomatenflüssigkeit schon alles gar werden", dachte ich mir.
Das stellte sich als weiterer Fall von geistiger Umnachtung heraus. Seit ich vor vielen Jahren versucht habe, einen tomatenlastigen Eintopf herzustellen, weiß ich nämlich (jedenfalls im Prinzip), daß die in Tomaten enthaltene Säure den interessanten Effekt hat, das Raum-Zeit-Kontinuum insofern außer Kraft zu setzen als man Gemüsestückchen buchstäblich stundenlang in roter Sauce kochen kann, ohne daß sie ihre Konsistenz auch nur im mindesten verändern. Suspended in time, gewissermaßen.
Für Blumenkohl gilt - Surprise! - dasselbe.
Dank der Tatsache, daß das Mittagessen erst am späten Nachmittag auf dem Tisch stand und weiterhin erstaunlich bißfesten Blumenkohl enthielt, reichte das Curry übrigens für mehrere Mahlzeiten. Auch ohne weitere Beilage. Denn Kartoffeln mögen ja in Indien (und Großbritannien) als Gemüse gelten, bei uns nicht. Daher weise ich darauf hin, daß es am nächsten und übernächsten Tag deutlich besser, weil würziger schmeckt. Auch ohne Chutney.
Und nein, ich habe nicht die leiseste Ahnung, was für eine Wirkung getrocknete Bockshornkleeblätter - Methi - entfalten, weil ich rein zufällig keine im Haus hatte.
Was mir daran so besonders gefällt ist die Tatsache, daß Felicity Cloake zunächst ausführlich über diversen Varianten mehr oder weniger berühmter Köche brütet, ehe sie daraus ein eigenes, ihrer Meinung nach perfektes Rezept destilliert. Das erspart einem einiges Grübeln darüber, welche Zutaten unumgänglich sind und welche optional, durch was man die eine ersetzen kann und weshalb die andere nicht - kurzum: in welcher Weise die Köchin variieren kann, ohne das Endergebnis unter ständigem Rühren zum Komposthaufen tragen zu müssen.
Ich war entzückt.
Unglücklichweise hat großer Enthusiasmus bei mir völlige Gehirnerweichung zur Folge. Eine Tatsache, die ich mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder vergesse. Und zwar überraschend schnell.
Bei Rezepten bedeutet das, daß mich während des Lesens flüchtig der Gedanke streift 'Hmmm, das wird schwierig' oder 'Meiner Erfahrung nach funktioniert das so nicht'. Unmittelbar darauf erstickt eine rosig-goldene Begeisterungswolke jegliche Synapsentätigkeit und ich gehe nachsehen, welche Zutaten ich für das betreffende Gericht benötigen werde.
Zunächst geschah das beim angeblich perfekten
Aloo Gobi
(für 4 Personen)
4 Eßl Speiseöl
1 Teel Kreuzkümmel, ganz
½ Teel Nigellasamen
350g festkochende Kartoffeln, grob in 2.5cm Würfel geschnitten
1 mittelgroßer Blumenkohl, geschnitten. Die Röschen und Strunkstücke sollten etwas größer sein als die Kartoffelstücke.
1 weiße Zwiebel, fein geschnitten
4 Knoblauchzehen, zerdrückt
1 Eßl geriebener Ingwer
1 Dose Datteltomaten, grob gehackt, oder 5 gehackte frische Tomaten
1 Eßl Tomatenpüree
2 Teel Koriandersamen, in einer trockenen Pfanne angeröstet und zermörsert
½-1 Teel mittelscharfes Chilipulver
½ Teel Gelbwurz/Kumin
2-4 kleine grüne Chilischoten, aufgeschlitzt
1 Teel Salz
1 Eßl Methi (getrocknete Bockshornkleeblätter) - WTF?
1 Teel Garam Masala
Saft ½ Limette
1 kleiner Bund frischer Koriander, gehackt
Erhitzen Sie das Öl in einem weiten Topf. Wenn es heiß ist, werfen Sie den Kreuzkümmel und die Nigella-Samen hinein und erhitzen Sie sie ein paar Sekunden lang, bis sie springen. Fügen Sie die Kartoffeln hinzu und sautieren Sie sie, bis sie golden sind. Mithilfe eines Schaumlöffels herausnehmen und die Prozedur mit dem Blumenkohl wiederholen. Diesen in eine weitere Schüssel schöpfen.
Hitze reduzieren, falls nötig noch etwas Öl in den Topf gießen und die Zwiebel anschwitzen, bis sie weich und golden ist, aber nicht gebräunt. Dann den Knoblauch und Ingwer hinzufügen und ein paar Minuten lang mit anschwitzen. Die Tomaten, den zermörserten Koriander, Chili und Gelbwurz hinzufügen und unter ständigem Rühren erhitzen, bis das Öl an den Seiten des Topfes aufzusteigen beginnt.
Frische Chilischoten, Salz und Kartoffeln in den Topf geben, zum Köcheln bringen, Hitze herunterschalten, zudecken unf fünf Minuten lang kochen lassen. Blumenkohl und einen guten Schuß Wasser hinzufügen, zudecken und kochen lassen, bis beides gar ist. Dabei gelegentlich umrühren, damit es nicht ansetzt und falls nötig noch mehr Wasser hinzufügen.
Vom Herd nehmen, Methi und Garam Masala unterrühren, 10 Min stehen lassen. Dann den Limettensaft und den frischen Koriander hinzufügen.
Usmani empfiehlt dazu "gekochten Basmati-Reis, Naan, Paratha oder Brioche, außerdem Pickles oder Chutney".
Immerhin war ich noch soweit bei Verstand, daß mich die Idee, 350 Gramm Kartoffeln würden auch nur für 3 Personen reichen - wofern eine davon der Hauself ist - in lautes Gelächter ausbrechen ließ. Wir verdoppeln also das Rezept, richtig?
Als nächstes brachte mich die Anweisung, den Blumenkohl - genauer gesagt: die zwei kleineren Blumenkohlköpfe - in "etwas größere Röschen zu teilen als die Kartoffelstücke" ins Grübeln. Vielleicht ist englischer Cauliflower anders strukturiert? Ich stehe nämlich immer vor dem Problem, daß sich unten, kurz über den Blättern, kinderfaustgroße Rosen befinden, die nach oben hin immer kleiner werden, bis zum Schluß ein einziges großes Mittelstück übrigbleibt, das entweder als Ganzes in den Topf muß, oder sich beim Auseinanderpflücken in Bonsairöschen und somit beim Kochen in Matsch verwandelt. Alternativ kann man kann das Gemüse natürlich auch brutal mit dem Messer zerteilen, ja.
Ansonsten alles paletti. Oder?
Vorausschauend nahm ich meinen allergrößten Topf zum Sautieren der Kartoffeln, die dank der Nigellasamen wundervoll dufteten und mit der Zeit artig goldbraun wurden. Womit ich Frittenwürfel hatte. Gare Frittenwürfel. Was ein Glück war, wie sich später herausstellte.
Immerhin kann ich an dieser Stelle bindend versichern, daß meine Nigellasamen ganz und gar unsportlich sind und keineswegs "poppen", hüpfen oder springen. Jedenfalls nicht bis das Öl zu rauchen begann und ich das Warten aufgab.
Die Blumenkohlstückchen hingegen saugten blitzartig das restliche Öl in ihre kleinen Zwischenräume. Und dann das Öl, das ich nachgoß. Und noch mehr Öl. Sie machten keinerlei Anstalten auch nur ein bißchen weich zu werden. Dafür begannen die winzigen Gemüsekrümel, die sich auf dem Topfboden sammelten, beunruhigend zu bräunen.
Ich entfernte also den rohen, fettgetränkten Kohl, goß neues Öl - "falls nötig", ha! - hinzu und briet Zwiebeln, Ingwer und Knoblauch an. "Wird am Ende mithilfe der Tomatenflüssigkeit schon alles gar werden", dachte ich mir.
Das stellte sich als weiterer Fall von geistiger Umnachtung heraus. Seit ich vor vielen Jahren versucht habe, einen tomatenlastigen Eintopf herzustellen, weiß ich nämlich (jedenfalls im Prinzip), daß die in Tomaten enthaltene Säure den interessanten Effekt hat, das Raum-Zeit-Kontinuum insofern außer Kraft zu setzen als man Gemüsestückchen buchstäblich stundenlang in roter Sauce kochen kann, ohne daß sie ihre Konsistenz auch nur im mindesten verändern. Suspended in time, gewissermaßen.
Für Blumenkohl gilt - Surprise! - dasselbe.
Dank der Tatsache, daß das Mittagessen erst am späten Nachmittag auf dem Tisch stand und weiterhin erstaunlich bißfesten Blumenkohl enthielt, reichte das Curry übrigens für mehrere Mahlzeiten. Auch ohne weitere Beilage. Denn Kartoffeln mögen ja in Indien (und Großbritannien) als Gemüse gelten, bei uns nicht. Daher weise ich darauf hin, daß es am nächsten und übernächsten Tag deutlich besser, weil würziger schmeckt. Auch ohne Chutney.
Und nein, ich habe nicht die leiseste Ahnung, was für eine Wirkung getrocknete Bockshornkleeblätter - Methi - entfalten, weil ich rein zufällig keine im Haus hatte.
Freitag, 3. Juni 2016
Bazar
In irgendeinem Küchenblog stieß ich auf die Adresse von Madavanilla. Der Autor rühmte insbesondere die Qualität und Frische der von dort bezogenen Vanilleschoten. Und da mir sowieso gerade Pfeffer, Muskat und Macis ausgegangen waren, stattete ich der Site einen Besuch ab.
Tatsächlich sind die meisten Dinge dort deutlich preiswerter als im Supermarkt, wo die winzige Portion Muskatblüte beim Öffnen der Packung oft schon völlig eingetrocknet ist und in dem ich überdies weder Safran noch Szechuanpfeffer bekomme. Daher leistete ich mir eine Mini-Shopping-Spree.
Vorhin traf das Päckchen ein. Obwohl alles sorgfältig in kleinen Ziploc-Tütchen verstaut war, schlug mir beim Öffnen eine solche Duftwolke entgegen, daß ich auf der Stelle fliegende Teppiche, Spezereikarawanen und Sherazade halluzinierte.
Ja, und das Mittelalter fiel mir ein. Denn Größe und Gewicht der Sendung standen - trotz moderater Preise - in verblüffendem Unverhältnis zur innenliegenden Rechnung.
Manche Dinge ändern sich nämlich nie. Beispielsweise die Tatsache, daß gute Gewürze (fast) mit Gold aufgewogen werden.
Montag, 16. Mai 2016
Chicken & Co.
Im Bioladen gab es mal wieder Hühner, was nur dann passiert, wenn der 12. auf einen Donnerstag fällt. Oder so ähnlich. Jedenfalls ist die Methodik undurchschaubar. Und es darf einem mitnichten einfallen, seine Bestellung etwa erst 3 Tage vorher aufzugeben, obwohl die Hühner angeblich gaaaanz frisch geschlachtet werden. Also bat ich wider besseren Wissens um zwei halbe Hühner. Denn erstens könnte man für denselben Preis ungefähr eine (konventionelle) Schweinehälfte erwerben. Und wie der Ökobetrieb es schafft, die Tiere angeblich ohne Quälerei derart groß und fett zu kriegen, darüber will ich lieber nicht nachdenken. Denn die Viecher sind so enorm, daß eine Hälfte meistens problemlos für drei Tage, also 3 x 3 Portionen reicht. Da ich aber dank exzentrischer Verkaufstaktik nicht weiß, ob mir dieses Jahr nochmal eines zuteil werden wird, stellte ich mich seelisch & küchentechnisch auf eine Geflügelorgie ein.
Hälfte Nr. 1 warf ich nach diesem Rezept in einen Topf. Das mit den angekokelten Zwiebelhälften funktioniert übrigens tatsächlich: die Brühe wies, im Gegensatz zu meiner üblichen, bleichsüchtigen hausgemachten Bouillon, eine geradezu bilderbuchmäßig goldene Farbe auf.
Auch mit dem Risi-Pisi hat der gute Tim offensichtlich recht. Denn ich streute die Tiefkühlerbsen einfach zu dem anderen Kram ins Frikassee, was ihnen überhaupt nicht bekam. Sie waren am Ende grau-verkocht, statt knackig-grün. Und das mit dem Weißwein und dem Estragon war schlichtweg genial - noch nie ist mir ein besseres Hühnerfrikassee gelungen.
Das aßen wir also am Freitag und Samstag. Den Rest fror ich ein.
Heute, am Sonntag sollte es Chicken Tikka geben. Ebenfalls à la Tim. Ja, ich weiß. Da steht "Tandoori". Ich hatte aber keins. Stattdessen langweilt sich seit einer Ewigkeit ein angebrochenes Glas Tikka-Paste im Kühlschrank.
Um es vorwegzunehmen: es ist tatsächlich völlig schnurz, wie das Zeugs heißt, denn es hat hervorragend geschmeckt.
Allerdings streute ich drei gehackte Knoblauchzehen und dieselbe Menge zerkleinerten Ingwer ins Joghurt, dessen Menge ich verdreifachte, denn niemand außer einem Fernsehkoch hat stets & immerdar eine Schüssel parat, in die das zu Marinierende millimetergenau reinpaßt.
Außerdem muß es in diesem Hause Sauce geben, sonst sind meine Mitesser not amused. Und darüber schweigt sich Herr Mälzer aus.
Also bettete ich das Huhn heute Mittag aus seiner rosa Suppe in eine feuerfeste Form um, die ich für ein knappes Stündchen in den heißen Ofen stellte.
Derweil hackte ich eine Zwiebel, schwitzte sie an, rührte ein paar Eßlöffel Tomatenmark drunter, den Großteil der vom Hähnchen abgetropften Marinade (ja, ich weiß - das geht nur bei frischem Fleisch. Bei Tiefkühlware wäre dieselbe Prozedur ekelerregend), ungefähr eine Kaffeetasse Kokosmilch, etwas Zitronensaft und noch einen Löffel Honig.
Et voilà, eine Sauce wie vom zumindest mittelmäßig guten Inder.
Bloß mit der Beilage hatte ich ein Problem. Denn zu Hühnerfrikassee paßt nun mal nichts als Reis. Und für den schwärmen Alex und ich nicht so, daß wir ihn gern noch ein drittes Mal hätten essen wollen.
Also befragte ich das Internet-Orakel. Das spie dieses Rezept für Naan aus.
Weshalb ich ausgerechnet das Rezept den schätzungsweise siebenundvierzigtausend anderen vorgezogen habe? Wahrscheinlich, weil darin Schwarzkümmelsamen erwähnt werden, für die ich nicht nur eine Vorliebe habe, sondern von denen sich seit mindestens einem, wenn nicht mehr Jahren eine unangebrochene Packung in meiner Speisekammer rumtreibt.
Das Ergebnis war eßbar, wenn auch sehr zu meiner Enttäuschung völlig blasenfrei. Der Herstellungsprozeß allerdings war eine Strafe und das Ganze insgesamt eine exzellente Methode, um die Küche großflächig einzusauen.
Denn der Teig ist ein derart zähklebriger Schleim, daß sämtliche Schritte zwischen Gehenlassen und In-die-Pfanne-schmeißen im Grunde entfallen und durch "auf Teufel komm raus versuchen, einen kleineren Teil Teig abzutrennen, ihn irgendwie flachkriegen, ohne dabei Brüsseler Spitze herzustellen und das Gebilde halbwegs unfallfrei zum Herd bugsieren" ersetzt werden mußten.
Erschwerend kommt hinzu, daß die Fladen heiß serviert werden sollten. Das bedeutet, daß man im Prinzip einen küchenkompetenten Helfer bräuchte. Andernfalls sitzt einem beim Kampf mit der Hefe-Hydra auch noch ein rapide abkühlendes Hauptgericht im Nacken.
Fazit: in meinem nächsten Leben wohne ich an einem Ort, wo Bio-Hühnerfleisch nicht so rar ist, daß ich mich aufführen muß als sei es der Heilige Gral höchstpersönlich. Dann - und nur dann - backe ich vielleicht auch nochmal Naan.
Zum Nachtisch gab es Panna Cotta und Rhabarberkompott. Wenn ich früher gewußt hätte, wie außerordentlich einfach der
Sahneglibber herzustellen ist, hätte ich ihn schon öfter gemacht:
400 ml Sahne mit 50 Gramm Zucker und dem Mark einer Vanilleschote aufkochen. Ein Päckchen Gelatine drunterrühren. Fertig.
Nun muß ich bloß noch rausfinden, wie man verhindert, daß sich diese doofe Puddinghaut oben drauf bildet. Und das nächste Mal dran denken, das Kompott pünktlich vom Herd zu nehmen. Merke: Rhabarber schmeckt zwar nicht schlechter, wenn er verkocht ist, aber bräunlich-graue Suppe mit Fädchen drin sieht wenig anheimelnd aus.
Montag, 9. Mai 2016
Traumata
Eines meiner Geburtstagsbücher war "Wann wird es endlich so, wie es nie war" von Joachim Meyerhoff.
Es ist nicht schlecht geschrieben, finde ich, aber insgesamt doch eher ein Armutszeugnis für die zeitgenössische deutsche Literatur und/oder die Lektürevorlieben der deutschen Leserschaft, daß dies ein Spiegel-Bestseller geworden sein soll. Ich zumindest klappte es nach der letzten Seite wieder zu und dachte mir 'Nix als Dönekens. Umfassend pointless. Und insofern: welche Zeitverschwendung.'
Für einen weiteren schwerwiegenden Einwand, den ich gegen dieses Buch habe, kann der Autor allerdings gar nichts. Er schildert nur in viel zu vielen Anekdoten, wie es war, als jüngster Sohn des Direktors einer psychiatrischen Anstalt auf deren Gelände aufzuwachsen. Und wenngleich ich meine eigene Kindheit damit nicht im geringsten vergleichen will, beschwor das Buch bei mir doch haufenweise Erinnerungen herauf.
Daran, wie mein Bruder seinen Freunden demonstrierte, daß ich - obzwar noch nicht in der Lage, einen vollständigen Satz zu bilden - bereits fehlerfrei "Butazolidinspritze" sagen konnte.
Daran, daß ich, statt Häuser, Sonnen und Strichmännchen zu malen, meinen Puppen Krankenscheine ausstellte.
Daran, wie ich - in relativ zartem Alter eines Abends für ein Stündchen alleingelassen - auf energisches Klingeln hin die Haustür einem Unbekannten öffnete, der sich eine Waschschüssel unter's Kinn hielt, in die er ausgiebig hineinblutete. (Übrigens bat ich den Patienten in aller Seelenruhe ins Wartezimmer, ehe ich zum Telefon schritt um meinen Vater zu alarmieren.)
Heute traf ein weiteres Geburtstagspäckchen ein. Ich will mich keineswegs über die paar Tage Verspätung beschweren, denn Geschenke kann ich einfach nie genug kriegen, daher ist mir wirklich ganz egal, wann sie eintreffen.
Also packte ich aus und freute mich. Dann hielt ich das Präsent meiner Mutter unter die Nase.
"Sieh mal! Gleich zwei von der Sorte hab' ich gekriegt - das andere ist hellgrün. Ist das nicht praktisch?"
Begeistert quetschte ich zu Demonstrationszwecken den Behälter zusammen.
"Aha", stellte meine Mutter interessiert fest, "Du hast also ein... Klistier bekommen. Von wem ist das denn?"
Mitnichten. Die Fläschchen sind die moderne Version der Spritztüte. Um beispielsweise Weihnachtsplätzchen zu dekorieren. Aber nun wird mein Blick darauf nie wieder derselbe sein.
Es ist nicht schlecht geschrieben, finde ich, aber insgesamt doch eher ein Armutszeugnis für die zeitgenössische deutsche Literatur und/oder die Lektürevorlieben der deutschen Leserschaft, daß dies ein Spiegel-Bestseller geworden sein soll. Ich zumindest klappte es nach der letzten Seite wieder zu und dachte mir 'Nix als Dönekens. Umfassend pointless. Und insofern: welche Zeitverschwendung.'
Für einen weiteren schwerwiegenden Einwand, den ich gegen dieses Buch habe, kann der Autor allerdings gar nichts. Er schildert nur in viel zu vielen Anekdoten, wie es war, als jüngster Sohn des Direktors einer psychiatrischen Anstalt auf deren Gelände aufzuwachsen. Und wenngleich ich meine eigene Kindheit damit nicht im geringsten vergleichen will, beschwor das Buch bei mir doch haufenweise Erinnerungen herauf.
Daran, wie mein Bruder seinen Freunden demonstrierte, daß ich - obzwar noch nicht in der Lage, einen vollständigen Satz zu bilden - bereits fehlerfrei "Butazolidinspritze" sagen konnte.
Daran, daß ich, statt Häuser, Sonnen und Strichmännchen zu malen, meinen Puppen Krankenscheine ausstellte.
Daran, wie ich - in relativ zartem Alter eines Abends für ein Stündchen alleingelassen - auf energisches Klingeln hin die Haustür einem Unbekannten öffnete, der sich eine Waschschüssel unter's Kinn hielt, in die er ausgiebig hineinblutete. (Übrigens bat ich den Patienten in aller Seelenruhe ins Wartezimmer, ehe ich zum Telefon schritt um meinen Vater zu alarmieren.)
Heute traf ein weiteres Geburtstagspäckchen ein. Ich will mich keineswegs über die paar Tage Verspätung beschweren, denn Geschenke kann ich einfach nie genug kriegen, daher ist mir wirklich ganz egal, wann sie eintreffen.
Also packte ich aus und freute mich. Dann hielt ich das Präsent meiner Mutter unter die Nase.
"Sieh mal! Gleich zwei von der Sorte hab' ich gekriegt - das andere ist hellgrün. Ist das nicht praktisch?"
Begeistert quetschte ich zu Demonstrationszwecken den Behälter zusammen.
"Aha", stellte meine Mutter interessiert fest, "Du hast also ein... Klistier bekommen. Von wem ist das denn?"
Mitnichten. Die Fläschchen sind die moderne Version der Spritztüte. Um beispielsweise Weihnachtsplätzchen zu dekorieren. Aber nun wird mein Blick darauf nie wieder derselbe sein.
Donnerstag, 21. April 2016
Bärlauch
Ja, schon gut, der Bärlauch ist jetzt alle, weil er zu blühen beginnt. Aber vorher brachte Alex mir eine große Schüssel voll.
Also klickte ich mich durch chefkoch.de und wunderte mich. Darüber, daß der Bärlauch überall mitgekocht wird. Aber na schön. Meinen Unglauben hebe ich mir für den Pfarrer auf.
Ich rührte also eine Sahnesuppe, mit etwas gehackter, gedünsteter Zwiebel, bestreußelt mit einem Löffelchen Mehl, abgelöscht mit Weißwein. Dann Brühe dazu, etwas Sahne - für später noch einen Schuß mit einem Eigelb verrührt - dann eine großzügig grobgeschnittene Handvoll Bärlauch dazu. Pürieren. Und es schmeckte nach gar nichts. Also noch eine weitere Handvoll Bärlauch. Daraufhin wurde die Suppe - ich kann es nicht anders sagen - ein bißchen schleimig. Das war genauso unappetitlich wie es klingt. Überdies war sie immer noch völlig langweilig. Erst als ich sie verzweiflungsvoll mit Eigelb abgezogen und dekorationshalber ein paar feingehackte Bärlauchstreifchen drübergestreut hatte, schmeckte sie wie sie sollte.
Was lernen wir daraus? Daß ich die Suppe lieber mit drei Spinatblättern hätte vorschriftsmäßig hellgrün färben sollen. Weil das Aroma ausschließlich von den rohen Schnipseln herrührt. Warum sagt einem das keiner? Weil man dieses Grünzeug wenn, dann nur in großen Büscheln zu kaufen kriegt, die ja irgendwie verarbeitet werden müssen?
Den beträchtlichen Rest Bärlauch habe ich übrigens mit grobem Meersalz und etwas Olivenöl püriert und in ein Gläschen gefüllt. In der Hoffnung, ihn auf diese Weise haltbar zu machen und wieder mal eine Bärlauchsuppe herstellen zu können. In die ich die Paste unmittelbar vor dem Auftragen rühren werde.
Donnerstag, 24. März 2016
À pro pos Superlative - Ostertaube
Mein ältester Freund ist ganz groß darin, mir suchterzeugend köstliche Dinge zu senden, die es nachher in der kulinarischen Kalahari nicht für Geld und gute Worte nachzukaufen gibt. Er ist derjenige, der mithilfe eines zartschmelzenden Meraner Torrone zuckerbedingte Kleisterorgien auslöste, die bis dato zwei Weihnachten und diverse Gebisse nachhaltig überschatteten.
Hennings bisher bösestes Danaergeschenk war eine original italienische Colomba di Pasqua. Die ist ganz ohne jede Übertreibung die Sixtinische Kapelle unter den Hefeteigen. In jeder Hinsicht. Schätzen Sie sich glücklich, falls Sie noch nie eine gegessen haben. Versuchen Sie keinesfalls, selbst eine zu backen. Kinderkriegen geht schneller, und einen laktoseintoleranten Säugling zu betüddeln ist einfacher. Glauben Sie mir. Gründen Sie lieber ein Start-Up, das so ein Ding per Crowdfunding importiert.
Nicht nur, weil das Ergebnis niemals auch nur annähernd dem Original gleichkommen wird. Hauptsächlich deshalb, weil jeder, der die Taube probiert, trotz Ihrer ganz & gar mangelhaften hausgebackenen Kopie hartnäckig "wieder so'n schönen Kuchen wie letzte Ostern" von Ihnen verlangen wird.
Kennen Sie zufällig Ensaimadas? Diese mallorquinischen Hefeblätterteigschnecken, die strenggenommen unter's Betäubungsmittelgesetz fallen müßten? Die sich zu Rosinenstuten so verhalten wie Kaiserin Sisi zu einer adipösen slowenischen Reinigungskraft? Ja? Nun, die italienische Ostertaube ist die Cousine dieser spanischen Teilchen. Nur mit mehr butterflauschigem Innenleben, da größer.
Ich mache meine dank google translate nach einer Mischung aus zwei Rezepten, diesem und jenem. Das erste ist bebildert und enthält genaue Mengenangaben - nix mit mir verhaßten Gummiformulierungen à la "so viel Mehl/Milch/Butter, bis der Teig sich bei leichtem Fingerdruck zu Hasenöhrchen formt". Unglücklicherweise ist das Ergebnis viel zu klein.
Das zweite Rezept ist rosinenfrei, übersichtlicher und enthält deutlich mehr Eigelb, dafür aber verflixt vage.
Was in beiden fehlt ist die großzügige Dosis Valium, die als allererstes in die übergeschnappte Köchin gehört, ehe sie sich an dem Mistvieh versucht.
Die Zubereitungszeit beträgt je nach Rezept zwischen 12 und 26 Stunden. Ganz recht. Sie dürfen aber zwischendurch schlafen. Falls Sie also am Karfreitag oder Ostersamstag enorme Langeweile, zuviele Eier und sonst niemanden im Haus haben, der Ihre ziemlich ungeteilte Aufmerksamkeit beansprucht, dann steht der Taube nichts mehr im Wege.
Colomba di Pasqua
Insgesamt für eine Taube von 750 Gramm - verdoppeln Sie es am besten von Anfang an:
5 g Trockenhefe
450 g Mehl
140 g Zucker
100 g Butter
15 g Salz
112 g Eier (2 Stück Größe M - meistens) oder 2-3 Eigelb und 1 Ei
1 Vanilleschote (Mark)
ggf. 100 g Rosinen, falls Sie welche mögen. Wenn ja, dann müssen Sie sie unbedingt mindestens ein bis zwei Stündchen vor dem Einarbeiten in den Teig in heißem Wasser einweichen und anschließend gut abtropfen lassen! Sonst haben Sie am Ende diese schwarzverbrannten, penetrant bitter-süßen Knubbel drin, für die deutsche Hausfrauen berüchtigt sind.
ggf. 50 g gehacktes Orangeat, falls Sie es mögen
1. Impasto
In einer Schüssel 140 g Mehl mit 5 g Trockenhefe, 40 g Milch (Raumtemperatur) und 100 g Wasser (Raumtemperatur) verrühren. Schüssel mit Klarsichtfolie oder einem Tuch abgedeckt 2 Stunden bei einer Temperatur von 27° bis 30° gehen lassen. Beispielsweise in einem Backofen, in dem Sie nur das Licht eingeschaltet haben. Bei meinem funktioniert das nicht. Also bei Sonnenschein auf das Südseiten-Fensterbrett stellen. Notfalls Schüssel auf den Schoß nehmen und sanft hinter den Ohren kraulen. Katze drumwickeln. Whatever. Danach sollte der Vorteig sein Volumen verdoppelt haben.
2. Impasto
Nach und nach 20 g Zucker, dann langsam 100 g Mehl unter den Vorteig rühren. Erst wenn der Teig das Mehl vollständig aufgenommen hat können Sie, ebenfalls nach und nach, 20 g Butter einarbeiten. Teig auf einer Arbeitsplatte ein paar Mal durchkneten. Zur Kugel formen (ha!) und zurück in die Schüssel geben. Abdecken. Anderthalb bis zwei Stunden bei 27° - 30° gehen lassen, bzw. bis der Teig sein Volumen wieder verdoppelt hat.
3. Impasto
Auf die Uhr schauen, Zeit notieren. Nach und nach die restlichen Zutaten unter den Teig arbeiten. Langsam! Reihenfolge: Zucker. Mehl. Eier. Salz. Vanillemark. Butter. Ggf. Rosinen und Orangeat. Nachsehen, wieviel Zeit inzwischen vergangen ist. Teig aus der Schüssel nehmen und mit den Händen weiterbearbeiten, indem man ihn erst flachdrückt, dann die Seiten jeweils zur Mitte schlägt, wieder und wieder. Am Ende müssen 20 Minuten vergangen sein.
Teig zur Kugel formen, in eine große Schüssel legen, zudecken und für 16 Stunden in den Kühlschrank stellen. Herausholen und nochmals 2 Stunden bei Raumtemperatur gehen lassen.
Nun kommt es darauf an.
Falls Sie selbstgetöpferte Serviettenringe für den Gipfel ästhetischen Genusses halten, dann soll Sie nichts daran hindern, dem Teig eine vage vogelähnliche Gestalt verleihen zu wollen. Dabei Vorsicht walten lassen. Der Teig sollte nicht brutal geknetet werden.
Ich transferiere ihn schlicht in eine mit Backpapier ausgelegte Springform.
Nochmals 3,5 Stunden bei 27° bis 30° gehen lassen.
Oberfläche nach Belieben mit einer Mischung aus leicht aufgeschlagenem Eiweiß und Puderzucker bestreichen, dann mit Hagelzucker und ganzen, ungeschälten Mandeln dekorieren.
1 knappe Stunde bei 160° backen - ohne Umluft. Stäbchentest machen.
Drei Kreuze machen. Lob entgegennehmen. Sich erschießen.
Hennings bisher bösestes Danaergeschenk war eine original italienische Colomba di Pasqua. Die ist ganz ohne jede Übertreibung die Sixtinische Kapelle unter den Hefeteigen. In jeder Hinsicht. Schätzen Sie sich glücklich, falls Sie noch nie eine gegessen haben. Versuchen Sie keinesfalls, selbst eine zu backen. Kinderkriegen geht schneller, und einen laktoseintoleranten Säugling zu betüddeln ist einfacher. Glauben Sie mir. Gründen Sie lieber ein Start-Up, das so ein Ding per Crowdfunding importiert.
Nicht nur, weil das Ergebnis niemals auch nur annähernd dem Original gleichkommen wird. Hauptsächlich deshalb, weil jeder, der die Taube probiert, trotz Ihrer ganz & gar mangelhaften hausgebackenen Kopie hartnäckig "wieder so'n schönen Kuchen wie letzte Ostern" von Ihnen verlangen wird.
Kennen Sie zufällig Ensaimadas? Diese mallorquinischen Hefeblätterteigschnecken, die strenggenommen unter's Betäubungsmittelgesetz fallen müßten? Die sich zu Rosinenstuten so verhalten wie Kaiserin Sisi zu einer adipösen slowenischen Reinigungskraft? Ja? Nun, die italienische Ostertaube ist die Cousine dieser spanischen Teilchen. Nur mit mehr butterflauschigem Innenleben, da größer.
Ich mache meine dank google translate nach einer Mischung aus zwei Rezepten, diesem und jenem. Das erste ist bebildert und enthält genaue Mengenangaben - nix mit mir verhaßten Gummiformulierungen à la "so viel Mehl/Milch/Butter, bis der Teig sich bei leichtem Fingerdruck zu Hasenöhrchen formt". Unglücklicherweise ist das Ergebnis viel zu klein.
Das zweite Rezept ist rosinenfrei, übersichtlicher und enthält deutlich mehr Eigelb, dafür aber verflixt vage.
Was in beiden fehlt ist die großzügige Dosis Valium, die als allererstes in die übergeschnappte Köchin gehört, ehe sie sich an dem Mistvieh versucht.
Die Zubereitungszeit beträgt je nach Rezept zwischen 12 und 26 Stunden. Ganz recht. Sie dürfen aber zwischendurch schlafen. Falls Sie also am Karfreitag oder Ostersamstag enorme Langeweile, zuviele Eier und sonst niemanden im Haus haben, der Ihre ziemlich ungeteilte Aufmerksamkeit beansprucht, dann steht der Taube nichts mehr im Wege.
Colomba di Pasqua
Insgesamt für eine Taube von 750 Gramm - verdoppeln Sie es am besten von Anfang an:
5 g Trockenhefe
450 g Mehl
140 g Zucker
100 g Butter
15 g Salz
112 g Eier (2 Stück Größe M - meistens) oder 2-3 Eigelb und 1 Ei
1 Vanilleschote (Mark)
ggf. 100 g Rosinen, falls Sie welche mögen. Wenn ja, dann müssen Sie sie unbedingt mindestens ein bis zwei Stündchen vor dem Einarbeiten in den Teig in heißem Wasser einweichen und anschließend gut abtropfen lassen! Sonst haben Sie am Ende diese schwarzverbrannten, penetrant bitter-süßen Knubbel drin, für die deutsche Hausfrauen berüchtigt sind.
ggf. 50 g gehacktes Orangeat, falls Sie es mögen
1. Impasto
In einer Schüssel 140 g Mehl mit 5 g Trockenhefe, 40 g Milch (Raumtemperatur) und 100 g Wasser (Raumtemperatur) verrühren. Schüssel mit Klarsichtfolie oder einem Tuch abgedeckt 2 Stunden bei einer Temperatur von 27° bis 30° gehen lassen. Beispielsweise in einem Backofen, in dem Sie nur das Licht eingeschaltet haben. Bei meinem funktioniert das nicht. Also bei Sonnenschein auf das Südseiten-Fensterbrett stellen. Notfalls Schüssel auf den Schoß nehmen und sanft hinter den Ohren kraulen. Katze drumwickeln. Whatever. Danach sollte der Vorteig sein Volumen verdoppelt haben.
2. Impasto
Nach und nach 20 g Zucker, dann langsam 100 g Mehl unter den Vorteig rühren. Erst wenn der Teig das Mehl vollständig aufgenommen hat können Sie, ebenfalls nach und nach, 20 g Butter einarbeiten. Teig auf einer Arbeitsplatte ein paar Mal durchkneten. Zur Kugel formen (ha!) und zurück in die Schüssel geben. Abdecken. Anderthalb bis zwei Stunden bei 27° - 30° gehen lassen, bzw. bis der Teig sein Volumen wieder verdoppelt hat.
3. Impasto
Auf die Uhr schauen, Zeit notieren. Nach und nach die restlichen Zutaten unter den Teig arbeiten. Langsam! Reihenfolge: Zucker. Mehl. Eier. Salz. Vanillemark. Butter. Ggf. Rosinen und Orangeat. Nachsehen, wieviel Zeit inzwischen vergangen ist. Teig aus der Schüssel nehmen und mit den Händen weiterbearbeiten, indem man ihn erst flachdrückt, dann die Seiten jeweils zur Mitte schlägt, wieder und wieder. Am Ende müssen 20 Minuten vergangen sein.
Teig zur Kugel formen, in eine große Schüssel legen, zudecken und für 16 Stunden in den Kühlschrank stellen. Herausholen und nochmals 2 Stunden bei Raumtemperatur gehen lassen.
Nun kommt es darauf an.
Falls Sie selbstgetöpferte Serviettenringe für den Gipfel ästhetischen Genusses halten, dann soll Sie nichts daran hindern, dem Teig eine vage vogelähnliche Gestalt verleihen zu wollen. Dabei Vorsicht walten lassen. Der Teig sollte nicht brutal geknetet werden.
Ich transferiere ihn schlicht in eine mit Backpapier ausgelegte Springform.
Nochmals 3,5 Stunden bei 27° bis 30° gehen lassen.
Oberfläche nach Belieben mit einer Mischung aus leicht aufgeschlagenem Eiweiß und Puderzucker bestreichen, dann mit Hagelzucker und ganzen, ungeschälten Mandeln dekorieren.
1 knappe Stunde bei 160° backen - ohne Umluft. Stäbchentest machen.
Drei Kreuze machen. Lob entgegennehmen. Sich erschießen.
Dienstag, 22. März 2016

Reisen bildet bekanntlich. Manchmal reicht es sogar schon, ein paar Kilometer weit bis Beeskow zu fahren.
Der winzige Bioladen des Nachbarstädtchens, Direktverkaufs-Dépendence des örtlichen Öko-Landwirts, ist häufig für eine Überraschung gut. Dort gibt es nämlich einen Verkäufer, der zumindest gelegentlich seiner gelinden Abenteuerlust frönen darf. Wie er die große Gemüsekiste mit frischem Kurkuma vor seinem Arbeitgeber rechtfertigt geht mich glücklicherweise nichts an. Ich war es zufrieden, mal probieren zu dürfen. Daher weiß ich inzwischen, daß dieses Gewürz im Rohzustand nicht nur eigenartig aussieht (exakt wie dicke, fette Maden), sondern auch verflixt gewöhnungsbedürftig schmeckt: zuerst ein ganz feiner Hauch wie von Parfüm. Und dann bitter. Sehr bitter. Sehr, sehr nachhaltig sehr, sehr bitter. Die Gelbwurz ist fast so bitter wie sie gelb färbt. Und meine Finger waren vom Schälen des einen kleinen Würzelchens nach einer Woche immer noch leuchtend safranfarben.
Heute entdeckte ich zwischen Chicorée und Pastinaken unbekannte Blattbündel, die aussehen als hätte man Mangold mit Wirsing gekreuzt. "Toskanischer Schwarzkohl" stand an den länglichen, spitz zulaufenden, leicht gerüschten Blättern. Sagen Sie selbst: wie hätte ich dem widerstehen können?
Und? Wissen Sie's schon? Auf Italienisch heißt das Gemüse Cavolo nero. Und es ist nichts anderes als der in der anglophonen Welt schon seit mehreren Jahren ubiquitäre Kale. Den kannte ich zwar bereits vom Hörensagen, aber nur als eine andere Bezeichnung für Grünkohl. Weshalb ich mich schon längst gefragt hatte, welche Form der Massenhysterie dazu führen kann, daß die Leute es über sich bringen Grünkohlchips, Grünkohlsmoothies oder gar Grünkohlsalat zu sich zu nehmen.
Das Internet, genauer gesagt der britische Independent spuckt dazu Folgendes aus:
"Es gibt einen riesigen Hype um Kale, und sein Nährwert-Profil ist geradezu absurd. 100 g roher Kale enthalten nur 33 Kalorien, aber 200% des täglichen Bedarfs an Vitamin A, 134% an Vitamin C und unglaubliche 700% an Vitamin K. Vitamin K ist gut für die Knochen und die Blutgerinnung (allerdings kann es die Wirkung gewisser blutgerinnungsfördernder Medikamente beeinträchtigen) und wenn man es mit ein bißchen Fett, beispielsweise Olivenöl, Avocados, Nüssen oder Sämereien verzehrt, wird Ihr Körper eine größere Menge von Vitamin K aufnehmen."
Das ist einen Hauch unpraktisch. Denn sowohl meine Mutter als auch der Hauself sollten ihre Blutgerinnung keinesfalls verbessern.
Ich bin zumindest prinzipiell eine große Freundin von rohem Gemüse, egal ob Möhren, Blumenkohl oder Petersilienwurzel. Daher zupfte ich mir beim Nachhausekommen selbstverständlich sofort ein Stückchen ab und verzehrte es. Tja. Was soll ich sagen? Es ist ziemlich zäh, schmeckt vage... grün. Und leicht bitter. Was mache ich jetzt also mit dem Büschel? Denn für mich allein koche ich mir garantiert nicht dieses Gericht. Obwohl es entschieden appetitlicher anmutet als ein Smoothie.
Retro-Kuchen
Hier finden Sie den bislang amüsantesten Teil meiner heutigen Ernte aus dem Stöbern in
Kochblogs.
Traun fürwahr! Gleich nachher gehe ich giraffenartig die sich entfaltende Vegetation abgrasen. Wer weiß, vielleicht schmeckt ja irgendwas davon tatsächlich gut?
Wie die Bloggerin schreibt, mag sie speziell süße "upside-down Kuchen, weil man in ihnen so schön viel Gemüse verstecken kann, und kein Mensch merkt's".
Die Frage ist: warum in allen drei Henkersnamen sollte das einer wollen? Es ist ja nicht so, als ob hierzulande je jemand darüber nachgrübeln muß, was er bloß mit der diesjährigen Rekord-Süßkartoffelernte anfangen soll.
Übrigens eine Viktualie, die ich nachgerade für ähnliche Platzverschwendung im Universum halte wie Quark.
À
pro pos Scheußlichkeiten: in einem weiterem Blog stieß ich auf
Chlorella-Presslinge (= Pillen), die man ins Essen/Smoothies tun soll. Diese Alge kannte ich schon, aus dem Roman "Wild Swans". In China aß man sie verzweiflungshalber zur Zeit der ganz großen Mao-Hungersnot. Was übrigens
keine gute Idee war. Das Zeugs (der grüne Algenschleim, der sich im Handumdrehen in jedem Wasser entwickelt, das nicht bei Drei
verdunstet ist, beispielsweise in Aquarien) enthält nämlich zwar erstaunlich viele Nährstoffe,
aber der menschliche Körper ist nicht imstande, die Zellwände
aufzubrechen.
Allmählich sehe ich ein, daß ich bei dem Versuch, den nächsten Food-Fad vorauszusagen (eine meiner unschuldigeren Freizeitbeschäftigungen) zwangsläufig scheitern werde, weil Essen an sich zum Fad mutiert ist.
Weshalb ich soeben beschlossen habe, den Ernährungs-Retro-Trend
einzuleiten. Mandeln statt Chili in die Schokolade! Vanille in den Pudding
statt auf den Fisch! Ooh yeah!
Eine meiner Tanten ging ziemlich bald nach dem zweiten Weltkrieg als Au-pair nach England. Erst heute frage ich mich, wie sie das wohl gemacht hat und wie es ihr dort ergangen sein mag. Nicht zuletzt finde ich es verwunderlich, daß sie von dort das Rezept für etwas mitbrachte, was in unserer Familie "Englischer Kuchen" heißt. Schließlich waren Nahrungsmittel in England bis 1954 rationiert, und für diesen Kuchen wäre die gesamte Fettration einer Woche draufgegangen.
Englischer Kuchen
280 g Butter, zimmerwarm
280 g Zucker
4 ganze Eier
3 Eßl Arrak
150 g Sultaninen, 1 bis 5 Stunden lang in heißem Wasser eingeweicht, dann gut abgetropft, bzw. trockengetupft
abgeriebene Schale einer Zitrone
evtl. 2 Eßlöffel feingehacktes Zitronat
280 g Mehl
Die Zutaten in der angegebenen Reihenfolge miteinander verrühren. Eine Kastenform mit Backpapier auslegen, die Masse einfüllen und eine gute Stunde im mittelheißen Ofen backen. Stäbchentest machen.
Nach Belieben dekorieren oder es bleiben lassen. Zur Aufbewahrung am besten nach dem Auskühlen in Alufolie einschlagen.
Bitte tun Sie sich einen Gefallen und murksen Sie nicht am Butter-Mehl-Verhältnis rum. Das ist bereits ideal. Bei all den anderen im Net kursierenden Rezepten für Teekuchen, Englischen Kuchen etc., die doppelt so viel Mehl wie Butter enthalten, wird am Ende etwas rauskommen womit Sie bestenfalls Schweißfüße trockenlegen können.
Aus den Backrezepten meiner Mutter und Großmutter schließe ich, daß Arrak das Kürbiskernöl der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewesen sein muß. Ich habe noch nie irgendwo welchen gesehen, bekam allerdings mal ein winziges Fläschchen als Urlaubsmitbringsel. Seitdem weiß ich, daß er ein ziemlich durchdringendes Anisaroma hat und ersetze ihn durch Pernod oder Ouzo, falls ich wissen möchte wie etwas schmeckt, das nach dem Originalrezept gebacken wurde. Sie können ihn natürlich entweder ganz weglassen oder nach Belieben anderen Schnaps nehmen.
Als Kind habe ich ihn gehaßt, weil er so viele Rosinen enthält. Seit ich entdeckt habe, daß die scheußlichen schwarzen Klümpchen sich durch längeres Ziehen in heißem Wasser in Eßbares zurückverwandeln, finde ich diesen äußerst altmodischen Teekuchen aber sehr empfehlenswert.
Er hat nämlich diverse Vorzüge. Erstens ist er kein bißchen fiddelig herzustellen. Zweitens kann man ihn nicht nur gut im Voraus backen, man sollte es sogar. Er wird nämlich erst richtig saftig, wenn er zwei, drei Tage Zeit zum Durchziehen hatte. Überdies ist er einigermaßen stabil, daher transportfähig und als Mitbringsel geeignet.
Last not least könnten Sie rein theoretisch auf jede nur denkbare Weise mit ihm rumspielen. Nur zu, tun Sie sich keinen Zwang an und kandierte Krokodilleber, karamellisierte Eichensprossen oder Chiasamen in den Teig, und würzen Sie ihn mit Vadouvan oder tasmanischem Pfeffer. Oder mit Chlorella-Tabletten.
Montag, 21. März 2016
Die etwas andere Linsensuppe
Ich gestehe, es kostet mich gewisse Überwindung, länger Kochblogs zu durchforsten. Dieser Superlativ-Tsunami von weltallerbesten Rezepten - notfalls sogar für hartgekochte Eier - erzeugt bei mir in ähnlicher Geschwindigkeit an Ekel grenzenden Überdruß wie der Anblick des Kätzchens, das aus der Hölle kam. Vielleicht wäre es nicht schlecht, wenn google einen Farbcode einführte?
Kränkliches Schweinchenrosa: Bloggerin hält es für sinnvoll, die Mikrowelle mit handgestencillten Fröschen zu dekorieren und leidet an einer speziellen Form von Sehnenscheidenentzündung, die sie zwingt die Ausrufezeichentaste gedrückt zu halten.
Rettungswagenrot: Orthographiealarm! Es ist bekannt, daß manglende Rechtschreibkenntnisse sich ähnlich beunruhigend vermehren wie Kleiderläuse. Beides möchte niemand unentwegt bildhaft vor Augen geführt kriegen.
Vogue-Schwarz: Blog aspiriert auf einen Design-Award. Berauscht von hinreißend komponierten Photographien und makellosem Layout klickt man sich zwanghaft durch Rezepte für "Low-carb Vanillesülze mit Ras-El-Hanout an Chia-Samen unter Lavendelöl-Schoko-Vinaigrette", die vielleicht nicht der Kalorien, wohl aber jeden praktischen Nährwertes entbehren.
Mitten im schönsten Schreiben wurde ich von Selbstzweifeln überfallen. Sollte ich anstandshalber erwähnen, aus welchen Blogs ich die Rezepte für die oben sträflich unprofessionell abgebildeten Suppen habe? So von wegen Urheberschaft? Obwohl ich zumindest das eine in puncto Mengen und Zutaten deutlich verändert habe? Eine kurze Google-Suche befreite mich von jeglichem Schuldgefühl. In Foodblogs wird allerorten schamlos abgekupfert und zwar notorisch ohne irgendeinen Quellenvermerk.
Daher präsentiere ich Ihnen kurzerhand ganz schamlos als Eigenkreation zwei Suppen, die - überflüssig, dies hinzuzufügen - selbstverständlich zu den allerbesten dieser Erde gehören, super-yummy, mega-lecker, hyper-köstlich, könnte-ich-mich-von-ernähren, möchte-ich-am-liebsten-jeden-Tag-essen, bla-bla-bla, et cetera, ad nauseam.
Vegan, oder zumindest vegetarisch sind sie außerdem. Aber das ist nun wirklich reiner Zufall. Ehrenwort.
Maissuppe (Foto rechts)
600 g Mais, TK oder aus der Dose. Oder frisch. Wenn Sie Arbeit brauchen.
1 großzügige Handvoll Zwiebeln
1 gelbe oder rote Paprika, auch beides (s.u.)
3 Knoblauchzehen (mindestens)
800 ml Gemüsebrühe
Sahne, Milch, oder - ganz vegan! - Kokosmilch nach Belieben
1 daumennagelgroßes Stück Ingwer, fein zerkleinert
1 Teelöffel Kurkuma (für die Farbe, kann man auch weglassen)
1 Hauch Chili
Olivenöl zum Anschwitzen
Salz
Pfeffer
evtl. eine kleingewürfelte rote Paprikaschote als Einlage nach dem Pürieren, daher separat in etwas Öl angebraten. Für's Foto im Blog. Oder für Gäste, die behaupten, das Auge äße mit.
Gehackte Zwiebeln und Knoblauch gründlich (!) anschwitzen, Paprika und Ingwer hinzufügen. Weiter schmurgeln. Kurkuma und Chili drüberstreuen. Mais dazukippen. Umrühren. Mit Brühe aufgießen, 5 bis 15 Minuten kochen lassen, pürieren, abschmecken. Fertig.
Die Suppe schmeckt erstaunlich gut - und zwar nicht nur angesichts des niederschmetternd banalen Rezepts. Allerdings habe ich mir die angeblich dazugehörenden Käsescones (brr!) geschenkt. Die würden natürlich an Arbeit das wieder wettmachen, was man bei der Suppe eingespart hat.
Und mich haben die pürierstabresistenten Maishäutchen so gestört, daß ich es für nötig halte, die Suppe durch die Flotte Lotte zu gießen. Oder mir doch mal ein potenteres Gerät zuzulegen.
Das Ausgangsrezept gibt außerdem Zitronensaft vor, was im Verein mit der Sahne wieder mal zu vorhersehbaren Ergebnissen führen wird. Ich fand ihn aber auch nicht nötig.
Und ein Schuß Sahne reichte mir ausnahmsweise völlig.
Die Zutatenliste für die Suppe aus roten Linsen mit Tomaten und Kokosmilch ist etwas länger. Zufällig hatte ich fast alles im Haus - bis auf die Möhren, die ich daher fröhlich wegließ. Was aber nur gut war. Denn die getreulich nach Rezept hergestellte Pampe war sowieso viel zu linsenbreiig. 800 ml Gemüsebrühe für 300 g Linsen und dieses ganze Gemüse? Ha! Erst am nächsten Tag und nach gehöriger Orangensaftdosis fand ich das Ergebnis wirklich genießbar. Hier das modifizierte Rezept:
Linsen-Kokos-Suppe
1 gehackte Zwiebel
2 bis 3 gehackte Knoblauchzehen
1 Fenchelknolle, gehobelt oder fein geschnitten
1 daumengroßes Stück Ingwer, feingehackt
evtl. ein paar Möhren, gehackt. Falls Sie welche dahaben. Und sie mögen.
2 - 3 Teel Kurkuma
2 Teel Currypulver
200 g rote Linsen*
ca. 500 bis 800 ml Gemüsebrühe
2 Dosen Datteltomaten (Edeka) oder 1 große Dose geschälte Tomaten
1 Dose Kokosmilch
Saft von 2 oder mehr Orangen
evtl. etwas Chili, kommt auf Ihr Currypulver an
Salz
Pfeffer
Zwiebel und Knoblauch in reichlich Olivenöl anschwitzen. Fenchel dazu, Ingwer dito. Ggf. Möhren. Ebenfalls anschmoren. Kurkuma und Currypulver darüberstreuen und umrühren.
Linsen dazuschütten, mit Gemüsebrühe aufgießen, zehn Minuten köcheln lassen. Tomaten hinzufügen, weitere 10 Minuten köcheln lassen. Schlußendlich mit dem Pürierstab durchmixen und die Kokosmilch unterrühren. Orangensaft dito. Abschmecken mit Salz, Pfeffer und etwas Zitronensaft.
Statt der vorgeschriebenen Dose Kokosmilch hatte ich übrigens nur noch einen dieser Tetrapacks im Haus, deren Inhalt so fetthaltig ist, daß selbst ich mich davor graule. Der ist am Ende trotzdem bis zum letzten Tropfen und Krümel in der Suppe gelandet.
Gnade Ihnen also der Küchengott, wenn Sie Kalorien sparen und daher keine ordentliche Kokosmilch verwenden möchten. Dann wird sie nämlich nur mehlig schmecken.
Es hat ja seinen guten Grund, daß normalerweise reichlich Speck in eine Linsensuppe gehört.
*Rote Linsen geben erstens eine hübschere Farbe und sind zweitens ruck-zuck gar. Aber wenn Ihnen Optik und Kochzeit egal sind, können Sie natürlich auch andersfarbige verwenden.
Nach einhelliger Meinung der Testesser schmeckt die Suppe nicht schlecht, würde aber durch eine Einlage noch gewinnen. Mangowürfel beispielsweise. Kroß gebratene Speckscheibchen. Irgendwas nicht-stärkehaltiges, un-gemüsiges.
PS: 24 Stunden und eine großzügige Dosis Orangensaft später lautete das Verdikt trotz immer noch fehlender Einlage deutlich begeisterter.
Samstag, 19. März 2016
Does exactly what it says on the tin
Gestern Abend habe ich diesen Kuchen gebacken. Und ja, es kommt genau das dabei raus, was drinsteht: er wird extrem saftig. Ganz außerordentlich sogar.
Genaugenommen ist es mir mithilfe dieses Rezeptes gelungen etwas herzustellen, was ich nicht für möglich gehalten hätte: einen Schoko-Schwamm.
Jetzt
muß ich bloß noch rausfinden wie sich das Zeug in Gelb, Rosa &
Blausa herstellen läßt, dann kann ich mir das essbare Spülschwämmchen
patentieren lassen.
Der Teig wird trotz der mikroskopischen Mehlmenge vergleichsweise erstaunlich zäh. Was mir vielleicht nur deshalb auffiel, weil ich erwartet hatte, daß er mir dank des Schokoladenkaffees davonschwimmen würde.
Außerdem ist anzumerken, daß der Hauself auf dem Weg durch die Küche sagte "Also, wenn der Kuchen so gut schmeckt wie er riecht, dann muß ich mir wohl nachher ein Stück abschneiden und wegschließen, sonst kriege ich morgen nichts mehr davon ab."
Und er ist tatsächlich ziemlich gut. Auch wenn es mich ein bißchen schmerzt, das sagen zu müssen. Weil Frau Denise exakt so aussieht wie die von ihr bis ins Zuckerkoma durchgestylten Teller. Daher nehme ich ihr keinesfalls ab, daß sie sich je auch nur bis in Riechweite einem derart gehaltvollen Kuchen nähert.
Sponge-Bob au Chocolat
115 g Zartbitter-Schokolade
125 ml heißer Kaffee
170 g Butter
200 g Zucker
3 Eier
1 TL Vanilleextrakt*
160 g Mehl
60 g Kakaopulver
1 Prise Zimt
1/2 TL Salz
1 1/2 TL Backpulver
200 g Crème Fraîche
1. Den Ofen auf 180 °C (Ober- und Unterhitze) vorheizen. Eine Kastenform fetten und mit Backpapier auslegen.
Anmerkung: Das habe ich nun schon öfter gelesen. Wozu um alles in der Welt soll das gut sein? Damit das Backpapier schön knusprig wird? Ich jedenfalls verwende das Papier genau deshalb, damit ich meine Formen nicht fetten muß.
2. 125 ml heißen, starken Kaffee kochen. Die Schokolade darin schmelzen. Beiseite stellen.
3. Die Butter mit dem Zucker cremig schlagen. Die Eier einzeln dazugeben und die Vanillepaste* unterrühren.
4. Das Mehl mit dem Kakao, Salz, Backpulver und Zimt mischen.
5. Die Creme Fraiche zum Kaffee geben und mischen. Nun abwechselnd Kaffee-Creme Fraiche und Mehl zur Butter-Ei-Masse geben und unterheben, bis alles aufgebraucht ist. In die Kastenform füllen und für ca. eine Stunde backen. Stäbchentest machen!
*In einem Augenblick mittlerer geistiger Umnachtung, den ich nunmehr bitter bereue, träufelte ich versehentlich penetrant vorschmeckendes Finesse in den Teig, statt das Zeug wie vorgesehen für Seife zu verwenden. Sorry, Dr.Oetker! Sorry, Kuchen!
Donnerstag, 17. März 2016
Kohlrouladen mit Kick
"Was kocht die Frau an den Tagen, über die sie nicht bloggt?", höre ich meine nichtvorhandene Leserschaft fragen.
"Und wieso gibt es so selten Fleisch bei ihr? Obwohl sie doch ganz offensichtlich keine Vegetarierin ist?"
Tja. Nun. Meine Mutter verabscheut Wild, Lamm, Geflügel, sämtliche Innereien aller Tiere und Braten jeglicher Art. Allerdings mag sie fast sämtliche Gemüsesorten, liebt Seefisch, Reis, Königsberger Klopse (die süddeutsche Variante, nämlich ohne Sardellen), Rouladen, Tafelspitz mit Meerettichsauce, Frikadellen/Fleischpflanzerln und Pasta mit Sahne-, Käse- oder Tomatensauce. Kartoffeln müssen manchmal - Reibekuchen! -, dürfen aber nicht zu oft auf den Tisch kommen, genau wie Gulasch oder Osso Buco.
All das kann ich inzwischen praktisch im Schlaf. Falls Sie für eines oder mehrere dieser Gerichte gern mein Rezept hätten, sagen Sie einfach Bescheid, ja?
Der Hauself hingegen ist als echter Preuße auf Kartoffeln geeicht. Dafür schleudert er Bannflüche gegen alles, was von Konservierungsmitteln begleitet die Küche betritt. Und er hätte am liebsten Fleisch von ihm möglichst persönlich bekannten Tieren im Topf. Da bin ich ganz seiner Ansicht. Vorausgesetzt, es handelt sich nicht gerade um den alten Schafbock unserer Mini-Herde.
Es gibt aber in der Umgebung unseres Wohnorts keinen Anbieter von Bio-Fleisch.
Also schummle ich mich so durch. Mit etwas konventionellem Hackfleisch hie und da - das im örtlichen Edeka zumindest frisch durch die Maschine gelassen wird. Man lernt hier rasch, auch für Kleinigkeiten dankbar zu sein -, mit Speck aus dem Bio-Laden (falls sie welchen dahaben), Eiern und Gemüse. Und weil mir nach vier Jahren der Wirsing zu den Ohren rauswächst, der neben Reibekuchen zu den wenigen Gerichten gehört, von denen meine beiden Mitbewohner gleichermaßen begeistert sind, versuche ich das küchentechnische Alltagseinerlei zumindest durch neue Rezepte - wenn auch mit meist altbekannten Zutaten - aufzulockern.
Meinen persönlichen Zu- und Abneigungen gebe ich dabei wenig Raum. Ich mache sogar Möhrengemüse, obwohl mir schon allein von seinem Geruch übel wird. Aber wie ich bereits sagte: Kochen ist etwas, was ich für andere Leute tue.
Trotzdem war ich recht dankbar, als ich in der Zeit endlich ein akzeptabel klingendes Rezept für Kohlrouladen fand. Gegen die habe ich nämlich was: sie machen Arbeit, und das bei einem in meinen Augen völlig unbefriedigenden Endergebnis. Denn diesen gedämpften Hackklops im Inneren der Kohlblätter gäbe ich am liebsten dem Hund. Wenn wir einen hätten. (Haustiere gehören, im Verein mit auch nur minimal exotischen Haartrachten und jeder Form von Körperschmuck, ebenfalls zu den zahlreichen Dingen, die meine Mutter restlos überflüssig findet.)
Außerdem stellt die Sauce erfahrungsgemäß ein unlösbares Problem dar. Entweder ist es zuviel, weil sie nach nichts schmeckt. Oder sie ist gut, dann ist viel zu wenig von ihr da.
Nahöstliche Kohlrouladen
8 Blätter vom Spitzkohl (nächstes Mal nehme ich mehr und wickle sie doppelt)
Öl
2 kleine Zwiebeln
1 Knoblauchzehe
1 Teel gemahlener Kreuzkümmel
1 kleine rote Chilischote (ohne Kerne, gehackt) - bei mir ersetzt durch einen Hauch Chilipulver
Salz
400 g Lammhack - ha! Als ob man sowas hier bekommen könnte! Bei mir daher ersetzt durch gemischtes Hackfleisch
Schale und Saft von 1 unbehandelten Zitrone
150 ml Wasser - bei mir ersetzt durch mindestens 300 ml Blutorangensaft
Holzzahnstocher
Die Herstellung funktioniert zunächst genauso wie bei gewöhnlichen Kohlrouladen. Also Kohl blanchieren, Blätter abpellen, dicke Strünke rausschneiden, ausbreiten. Das Besondere ist, daß das Hack in Öl mit Zwiebeln, Knoblauch, Gewürzen und Zitronenschale gründlich angebraten und mit dem Saft einer halben Zitrone abgelöscht wird - einkochen lassen! -, ehe man es einwickelt und zusammensteckt.
Anmerkung: Nie und nimmer werde ich verstehen, wie professionelle Köche angeblich zuerst Zwiebeln und Knoblauch anschwitzen, ehe sie das Hackfleisch dazugeben und anbraten. Bei mir geht das prinzipiell umgekehrt. Denn Hackfleisch braucht bei mir a) hohe Temperatur und b) ewig, bis es auch nur ein bißchen braun wird. Natürlich ist es möglich, daß diese Brater an Orten leben, an denen sie Fleisch bekommen, das nicht beim ersten Topfkontakt mehr Wasser absondert als ein Sumoringer in der Sauna.
Die Päckchen in einen Topf setzen, noch ein wenig anschmoren (das steht nicht im Rezept, aber stellenweise gebräunter Kohl schmeckt einfach besser, finden wir), mit der Flüssigkeit aufgießen und im geschlossenen Topf bei mittlerer Hitze 30 Minuten lang garschmurgeln.
Das mit dem Saft war eine geniale Augenblicksinspiration (sagte sie und klopfte sich selber wohlgefällig auf die Schulter).
Angesichts dessen, daß man sich das Hackfleischgemansche in der Schüssel spart, ist es zumindest auch nicht mühsamer als konventionelle Krautwickel.
Und ich fand jedenfalls das Ergebnis ziemlich delikat. Obwohl ich zugebe, daß diesmal die Menge nur für 4 Personen berechnet war und ich auch nicht mehr genommen habe. Vielleicht lag es also nur daran, daß nichts übriggeblieben ist.
"Und wieso gibt es so selten Fleisch bei ihr? Obwohl sie doch ganz offensichtlich keine Vegetarierin ist?"
Tja. Nun. Meine Mutter verabscheut Wild, Lamm, Geflügel, sämtliche Innereien aller Tiere und Braten jeglicher Art. Allerdings mag sie fast sämtliche Gemüsesorten, liebt Seefisch, Reis, Königsberger Klopse (die süddeutsche Variante, nämlich ohne Sardellen), Rouladen, Tafelspitz mit Meerettichsauce, Frikadellen/Fleischpflanzerln und Pasta mit Sahne-, Käse- oder Tomatensauce. Kartoffeln müssen manchmal - Reibekuchen! -, dürfen aber nicht zu oft auf den Tisch kommen, genau wie Gulasch oder Osso Buco.
All das kann ich inzwischen praktisch im Schlaf. Falls Sie für eines oder mehrere dieser Gerichte gern mein Rezept hätten, sagen Sie einfach Bescheid, ja?
Der Hauself hingegen ist als echter Preuße auf Kartoffeln geeicht. Dafür schleudert er Bannflüche gegen alles, was von Konservierungsmitteln begleitet die Küche betritt. Und er hätte am liebsten Fleisch von ihm möglichst persönlich bekannten Tieren im Topf. Da bin ich ganz seiner Ansicht. Vorausgesetzt, es handelt sich nicht gerade um den alten Schafbock unserer Mini-Herde.
Es gibt aber in der Umgebung unseres Wohnorts keinen Anbieter von Bio-Fleisch.
Also schummle ich mich so durch. Mit etwas konventionellem Hackfleisch hie und da - das im örtlichen Edeka zumindest frisch durch die Maschine gelassen wird. Man lernt hier rasch, auch für Kleinigkeiten dankbar zu sein -, mit Speck aus dem Bio-Laden (falls sie welchen dahaben), Eiern und Gemüse. Und weil mir nach vier Jahren der Wirsing zu den Ohren rauswächst, der neben Reibekuchen zu den wenigen Gerichten gehört, von denen meine beiden Mitbewohner gleichermaßen begeistert sind, versuche ich das küchentechnische Alltagseinerlei zumindest durch neue Rezepte - wenn auch mit meist altbekannten Zutaten - aufzulockern.
Meinen persönlichen Zu- und Abneigungen gebe ich dabei wenig Raum. Ich mache sogar Möhrengemüse, obwohl mir schon allein von seinem Geruch übel wird. Aber wie ich bereits sagte: Kochen ist etwas, was ich für andere Leute tue.
Trotzdem war ich recht dankbar, als ich in der Zeit endlich ein akzeptabel klingendes Rezept für Kohlrouladen fand. Gegen die habe ich nämlich was: sie machen Arbeit, und das bei einem in meinen Augen völlig unbefriedigenden Endergebnis. Denn diesen gedämpften Hackklops im Inneren der Kohlblätter gäbe ich am liebsten dem Hund. Wenn wir einen hätten. (Haustiere gehören, im Verein mit auch nur minimal exotischen Haartrachten und jeder Form von Körperschmuck, ebenfalls zu den zahlreichen Dingen, die meine Mutter restlos überflüssig findet.)
Außerdem stellt die Sauce erfahrungsgemäß ein unlösbares Problem dar. Entweder ist es zuviel, weil sie nach nichts schmeckt. Oder sie ist gut, dann ist viel zu wenig von ihr da.
Nahöstliche Kohlrouladen
8 Blätter vom Spitzkohl (nächstes Mal nehme ich mehr und wickle sie doppelt)
Öl
2 kleine Zwiebeln
1 Knoblauchzehe
1 Teel gemahlener Kreuzkümmel
1 kleine rote Chilischote (ohne Kerne, gehackt) - bei mir ersetzt durch einen Hauch Chilipulver
Salz
400 g Lammhack - ha! Als ob man sowas hier bekommen könnte! Bei mir daher ersetzt durch gemischtes Hackfleisch
Schale und Saft von 1 unbehandelten Zitrone
150 ml Wasser - bei mir ersetzt durch mindestens 300 ml Blutorangensaft
Holzzahnstocher
Die Herstellung funktioniert zunächst genauso wie bei gewöhnlichen Kohlrouladen. Also Kohl blanchieren, Blätter abpellen, dicke Strünke rausschneiden, ausbreiten. Das Besondere ist, daß das Hack in Öl mit Zwiebeln, Knoblauch, Gewürzen und Zitronenschale gründlich angebraten und mit dem Saft einer halben Zitrone abgelöscht wird - einkochen lassen! -, ehe man es einwickelt und zusammensteckt.
Anmerkung: Nie und nimmer werde ich verstehen, wie professionelle Köche angeblich zuerst Zwiebeln und Knoblauch anschwitzen, ehe sie das Hackfleisch dazugeben und anbraten. Bei mir geht das prinzipiell umgekehrt. Denn Hackfleisch braucht bei mir a) hohe Temperatur und b) ewig, bis es auch nur ein bißchen braun wird. Natürlich ist es möglich, daß diese Brater an Orten leben, an denen sie Fleisch bekommen, das nicht beim ersten Topfkontakt mehr Wasser absondert als ein Sumoringer in der Sauna.
Die Päckchen in einen Topf setzen, noch ein wenig anschmoren (das steht nicht im Rezept, aber stellenweise gebräunter Kohl schmeckt einfach besser, finden wir), mit der Flüssigkeit aufgießen und im geschlossenen Topf bei mittlerer Hitze 30 Minuten lang garschmurgeln.
Das mit dem Saft war eine geniale Augenblicksinspiration (sagte sie und klopfte sich selber wohlgefällig auf die Schulter).
Angesichts dessen, daß man sich das Hackfleischgemansche in der Schüssel spart, ist es zumindest auch nicht mühsamer als konventionelle Krautwickel.
Und ich fand jedenfalls das Ergebnis ziemlich delikat. Obwohl ich zugebe, daß diesmal die Menge nur für 4 Personen berechnet war und ich auch nicht mehr genommen habe. Vielleicht lag es also nur daran, daß nichts übriggeblieben ist.
Sonntag, 13. März 2016
Beware of Tarte Tatin
Vor ein paar Wochen stieß ich zufällig auf den Blog von Frau Neudecker . Den fand ich so amüsant, daß ich stracks hinging und mir das Buch kaufte. Das will wirklich was heißen, denn gemeinhin hege ich den Verdacht, daß im Buch nicht mehr stehen wird als bereits im Blog zu lesen war. Was sich auch in diesem Falle als völlig richtig herausstellte. Aber egal. Die Frau schreibt so, wie ich gern schreiben können wollen würde. Jede einzelne Seite vermittelt mir das exquisite Gefühl, Nadeln unter die Fingernägel gerammt zu kriegen und ist daher sogar Geld wert. Kunststück - sie ist Journalistin. Seufz.
Das ist aber im Moment nicht so wichtig wie die Tatsache, daß in Blog und Buch ein Rezept für Tarte Tatin auftaucht. Falls Sie nicht wissen, was das ist: es handelt sich um einen Kuchen, der verkehrt herum gebacken wird. Erst kommen mit Butter und Zucker karamellisierte Äpfel in die Form, die anschließend unter einer Teigscheibe versteckt werden. Nach dem Backen auf eine Kuchenplatte stürzen. Dabei vor Angst die Luft so lange anhalten, bis man veilchenblau anläuft.
Für diesen Kuchen hege ich seit Jahren eine seltsame Obsession. Mag es am verführerisch klingenden französischen Namen liegen, mag es an der Tatsache liegen, daß ich schrumpelig gebackene Apfelspalten auf Teigboden für Platzverschwendung halte - ich wollte schon immer mal eine ordentliche Tarte Tatin backen.
Meine bisherigen Versuche, arbeitssparend mit Tiefkühlblätterteig zu arbeiten, blieben höchst unbefriedigend. Mal thronten die karamellisierten Äpfel auf einem Hochsitz aus viel zuviel trockenem Blätterteig, mal durchweichten schon beim Backen gallenkolikerzeugende Buttermengen den Deckel/Boden.
Hier also fand ich das Rezept, das ich vorgestern wider besseren Wissens haarklein befolgte. Glauben Sie Frau Neudecker bitte kein Wort. Ich tue es jetzt auch nicht mehr.
Es fängt schon mit den mysteriösen Anweisungen für die Teigherstellung an. Korrigieren Sie mich, wenn ich mich irre, aber im Prinzip sollte es sich um Mürbteig handeln. Und ich wüßte nicht, daß es je jemandem gelungen wäre, den durch Cremigrühren von Butter zu erzeugen. Daher entschied ich mich für die Knet-Variante. Die ließ sich auch gut an. Genau so lange, bis ich die vorgeschriebene Wassermenge hinzufügte. Daraufhin verwandelte er sich vorhersehbar in Schnellzement, den ich nach der Kühlzeit erst aus der Schüssel meißeln mußte, ehe ich ihn ausrollen konnte. Sehr zur Erheiterung meiner Freundin R., die mir begeistert bei der Zubereitung assistierte.
Die Sache mit dem Zucker, der Butter und den Äpfeln in der Pfanne war kein allzu großes Problem. Wenn man mal davon absieht, daß sich dank der gewaltigen Zuckermenge große, unauflösbare Karamellbatzen bildeten, die auch im fertigen Kuchen noch als perfekte Plombenzieher erhalten waren. Und davon, daß meine Äpfel - ja, ich hatte extra Elstar besorgt - beunruhigende Tendenzen zeigten, sich lieber in der Masse aufzulösen statt vorschriftsmäßig zu bräunen.
Die Teigmenge ist das nächste Rätsel. Inzwischen habe ich extra nochmal mein Lieblingsrezept für Apple-Pie aus einem alten Dr. Oetker-Kochbuch nachgeschlagen, und es stimmt. Für diesen Pie, der ja eines Bodens UND eines Deckels bedarf, sind nur unwesentlich mehr Butter und Mehl nötig als Frau Neudecker für ihre Tarte vorsieht. Nun versuchen Sie mal, gute zehn Zentimeter Teigüberhang wie ein Bettlaken in, bzw. unter die in der Form befindlichen Äpfel zu stopfen. Genau. Sie kriegen einen Wulst am Rand, der nachher nicht ordentlich durchgebacken ist. Alternativ können Sie knapp die Hälfte wegschmeißen. Oder einen Deckel walzen, der als Türblatt taugen würde.
Übrigens versagte angesichts der Klebrigkeit des Teigs um ein Haar sogar das praktisch unfehlbare Mittel, den Klumpen zwischen Frischhaltefolie auszurollen, um ihn unversehrt über die Form klappen zu können.
Ich bin aber unheilbar optimistisch, wenn mir eine Autorin nur sympathisch genug ist. Also schob ich das Ganze in den Ofen. Nach gründlichem Einstechen der Teigplatte. Versteht sich.
Dann ließ ich mich mit einem wohlverdienten Zigarillo auf der Küchenbank nieder. Bis meine Freundin, strategisch mit Blick auf den Herd sitzend, mich mit der nachdenklichen Bemerkung alarmierte, sie sei der Ansicht, daß sich in der Röhre eine bisher unbekannte Zivilisationsform entwickelt habe.
In der Tat.
Und das war das Ergebnis:
Die Optik trügt. Der Teig war mehr oder weniger eßbar. Da, wo er nicht halbroh war. Aber ein guter Mürbteig schmeckt anders. Und der Belag war ungefähr so süß wie diese honigtriefenden orientalischen Süßigkeiten, die bereits nach dem ersten Bissen Widerwillen wecken. Insofern hatte die Tarte immerhin den kaloriensparenden Vorzug, daß keiner von uns das Bedürfnis hatte, dem Probestückchen ein weiteres folgen zu lassen. Das ist leider das einzig Positive, was mir dazu einfällt. Na ja - wenn man mal davon absieht, daß ich sonst keine Gelegenheit zu diesem Post gekriegt hätte.
Das ist aber im Moment nicht so wichtig wie die Tatsache, daß in Blog und Buch ein Rezept für Tarte Tatin auftaucht. Falls Sie nicht wissen, was das ist: es handelt sich um einen Kuchen, der verkehrt herum gebacken wird. Erst kommen mit Butter und Zucker karamellisierte Äpfel in die Form, die anschließend unter einer Teigscheibe versteckt werden. Nach dem Backen auf eine Kuchenplatte stürzen. Dabei vor Angst die Luft so lange anhalten, bis man veilchenblau anläuft.
Für diesen Kuchen hege ich seit Jahren eine seltsame Obsession. Mag es am verführerisch klingenden französischen Namen liegen, mag es an der Tatsache liegen, daß ich schrumpelig gebackene Apfelspalten auf Teigboden für Platzverschwendung halte - ich wollte schon immer mal eine ordentliche Tarte Tatin backen.
Meine bisherigen Versuche, arbeitssparend mit Tiefkühlblätterteig zu arbeiten, blieben höchst unbefriedigend. Mal thronten die karamellisierten Äpfel auf einem Hochsitz aus viel zuviel trockenem Blätterteig, mal durchweichten schon beim Backen gallenkolikerzeugende Buttermengen den Deckel/Boden.
Hier also fand ich das Rezept, das ich vorgestern wider besseren Wissens haarklein befolgte. Glauben Sie Frau Neudecker bitte kein Wort. Ich tue es jetzt auch nicht mehr.
Es fängt schon mit den mysteriösen Anweisungen für die Teigherstellung an. Korrigieren Sie mich, wenn ich mich irre, aber im Prinzip sollte es sich um Mürbteig handeln. Und ich wüßte nicht, daß es je jemandem gelungen wäre, den durch Cremigrühren von Butter zu erzeugen. Daher entschied ich mich für die Knet-Variante. Die ließ sich auch gut an. Genau so lange, bis ich die vorgeschriebene Wassermenge hinzufügte. Daraufhin verwandelte er sich vorhersehbar in Schnellzement, den ich nach der Kühlzeit erst aus der Schüssel meißeln mußte, ehe ich ihn ausrollen konnte. Sehr zur Erheiterung meiner Freundin R., die mir begeistert bei der Zubereitung assistierte.
Die Sache mit dem Zucker, der Butter und den Äpfeln in der Pfanne war kein allzu großes Problem. Wenn man mal davon absieht, daß sich dank der gewaltigen Zuckermenge große, unauflösbare Karamellbatzen bildeten, die auch im fertigen Kuchen noch als perfekte Plombenzieher erhalten waren. Und davon, daß meine Äpfel - ja, ich hatte extra Elstar besorgt - beunruhigende Tendenzen zeigten, sich lieber in der Masse aufzulösen statt vorschriftsmäßig zu bräunen.
Die Teigmenge ist das nächste Rätsel. Inzwischen habe ich extra nochmal mein Lieblingsrezept für Apple-Pie aus einem alten Dr. Oetker-Kochbuch nachgeschlagen, und es stimmt. Für diesen Pie, der ja eines Bodens UND eines Deckels bedarf, sind nur unwesentlich mehr Butter und Mehl nötig als Frau Neudecker für ihre Tarte vorsieht. Nun versuchen Sie mal, gute zehn Zentimeter Teigüberhang wie ein Bettlaken in, bzw. unter die in der Form befindlichen Äpfel zu stopfen. Genau. Sie kriegen einen Wulst am Rand, der nachher nicht ordentlich durchgebacken ist. Alternativ können Sie knapp die Hälfte wegschmeißen. Oder einen Deckel walzen, der als Türblatt taugen würde.
Übrigens versagte angesichts der Klebrigkeit des Teigs um ein Haar sogar das praktisch unfehlbare Mittel, den Klumpen zwischen Frischhaltefolie auszurollen, um ihn unversehrt über die Form klappen zu können.
Ich bin aber unheilbar optimistisch, wenn mir eine Autorin nur sympathisch genug ist. Also schob ich das Ganze in den Ofen. Nach gründlichem Einstechen der Teigplatte. Versteht sich.
Dann ließ ich mich mit einem wohlverdienten Zigarillo auf der Küchenbank nieder. Bis meine Freundin, strategisch mit Blick auf den Herd sitzend, mich mit der nachdenklichen Bemerkung alarmierte, sie sei der Ansicht, daß sich in der Röhre eine bisher unbekannte Zivilisationsform entwickelt habe.
In der Tat.
Und das war das Ergebnis:
Die Optik trügt. Der Teig war mehr oder weniger eßbar. Da, wo er nicht halbroh war. Aber ein guter Mürbteig schmeckt anders. Und der Belag war ungefähr so süß wie diese honigtriefenden orientalischen Süßigkeiten, die bereits nach dem ersten Bissen Widerwillen wecken. Insofern hatte die Tarte immerhin den kaloriensparenden Vorzug, daß keiner von uns das Bedürfnis hatte, dem Probestückchen ein weiteres folgen zu lassen. Das ist leider das einzig Positive, was mir dazu einfällt. Na ja - wenn man mal davon absieht, daß ich sonst keine Gelegenheit zu diesem Post gekriegt hätte.
Samstag, 12. März 2016
Obstkuchen ohne Kuchen
Falls Sie - wie ich und überhaupt die Mehrzahl aller normalen Menschen - insofern felsenfest an Magie glauben, als Sie jahrelang die Mitgliedschaft in einem Fitnessclub bezahlen, weil Sie sicher sind, dadurch mühelos schlank und durchtrainiert zu werden, obwohl Sie das tatsächliche Betreten der Folterkammer stets auf nächste Woche verschieben, dann ist Crumble genau das Richtige für Sie.
Weil Sie dann nämlich auch immer tütenweise Obst vom Markt nach Hause tragen. Wegen dieser gesunden Lebensweise, mit der Sie nun endlich anfangen wollen. Die Viktualien entwickeln bei mir nach vorübergehender Dekorationswirkung in der Obstschale unvermittelt Eigenleben. Oder doch zumindest dringenden Bedarf an einer guten Anti-Faltencreme.
Ganz zu schweigen vom Pflaumenregen und Apfelsegen, mit dem mich der Garten gnadenlos beglückt - ganz in der Manier einer liebenden Tante, die die Familie alljährlich mit riesigen, staubtrockenen Stollen versorgt. Was mit denen anzufangen ist, weiß ich immer noch nicht.
Aber für zu saures, leise vor sich hinrottendes oder anderweitig überflüssiges Obst gibt es die geniale Lösung, die das quengelnde protestantische Ethos besänftigt: Crumble. Nur Obst und Streusel, ohne blöden Kuchenboden. What's not to like?
Ein weiterer Vorzug des Crumble besteht darin, daß es keine Rolle spielt, ob die Gäste im Stau steckenbleiben, oder ob es rücksichtslos zu früh kommende Eltern sind. Er schmeckt nämlich heiß so gut wie lauwarm oder kalt. Je nachdem können Sie zur Abkühlung Vanilleeis, kalte Vanillesauce (s.u.) oder Schlagsahne dazu servieren. Oder zur Herzerwärmung heiße Vanillesauce.
Das folgende Rezept reicht allerdings nur dann für die angegebenen 4 Personen, wenn Sie viel zu wenig Zucker genommen oder magersüchtige Mitesser haben.
Crumble
mehr oder weniger 1 kg Obst
Für die Streusel:
100 g Mehl
75 g Butter
100 g Zucker
1 Prise Salz
1 großzügige Prise Zimt (wenn Sie den überhaupt nicht mögen, nehmen Sie Vanillezucker oder Bittermandelaroma oder Muskatnuss. Oder lassen Sie das Gewürz einfach ganz weg)
optional: 50 g Haferflocken
Falls die Butter aus dem Kühlschrank kommt, dann müssen Sie sie in Flöckchen ins Mehl schnippeln. Sonst nicht.
Wiegen Sie die Haferflocken vorher ab und stellen Sie sie daneben, damit Sie nachher nicht mit teigverklebten Händen an Packung und Waage rumfummeln müssen.
Spülen Sie mindestens eine Hand unter kaltem Wasser ab (hilft gegen Kleben, jedenfalls manchmal) und versuchen Sie die Zutaten in einer großen Schüssel zu verkneten. Sobald sich mehr oder weniger große Teigbatzen in Ihrer Schüssel befinden und möglichst kein Mehl mehr lose auf dem Schüsselboden herumfliegt, fügen Sie gegebenenfalls die Haferflocken hinzu und kneten nochmal. Stellen Sie die Schüssel kühl, wenn Sie grade Platz im Kühlschrank haben.
Als nächstes buttern Sie eine Auflaufform mit möglichst hohem Rand großzügig aus. Wenn Sie eine dieser eleganten Pie- oder Quicheformen nehmen, müssen Sie hinterher mühsam zähen Obstsaft-Zuckerkleb vom Boden des Backofens scharren, wohin er während des Backvorgangs über den Rand der Form getropft ist. Das ist die gerechte Strafe für ästhetische Ansprüche.
Probieren Sie das Obst, das Sie loswerden wollen. Falls es sauer ist, streuen Sie eine Handvoll Zucker auf den Boden der Auflaufform, und zuckern Sie gelegentlich weiter, während Sie das geputzte Obst in die Form schnippeln. Wenn nicht, dann nicht. Ob Sie die Äpfel schälen ist Geschmackssache, Sauerkirschen, Pflaumen oder Zwetschgen müssen Sie allerdings schon entsteinen. Es geht sogar mit Rharbarber, allerdings nur mithilfe einer diabeteserzeugenden Menge Zucker.
Verkünsteln Sie sich nicht beim Einschichten in die Form. Das sieht man hinterher sowieso nicht mehr.
Ofen auf 200°C vorheizen.
Teig einigermaßen gleichmäßig über das Obst bröseln. Form in den Ofen schieben. Ungefähr eine halbe Stunde backen - so lange, bis die Streusel goldgelb geworden sind. Fertig.
PS: Das Rezept von Frau Raether aus dem Zeit-Magazin, das mir als Grundlage für meine Crumbles dient, schreibt vor die Apfelspalten zu kochen. Wenn Sie irgendeine Ahnung haben, wozu das gut sein soll, dann sagen Sie mir bitte unbedingt Bescheid, ja?
Vanillesauce
Milch
Zucker + Vanilleschote
oder
Vanillezucker
Speisestärke
1 Eigelb
Verrühren Sie ein bis zwei Teelöffel Stärke mit einem halben Eßlöffel kalter Milch, je nach dem, wie flüssig oder cremig Sie die Sauce haben wollen. Keine Sorge: falls die Sauce zu flüssig bleibt, können Sie die Prozedur mit der Stärke wiederholen.
Trennen Sie ein Ei, stellen Sie das Eigelb in einer Tasse neben den Herd. Eiweiß wegwerfen oder einfrieren.
Erhitzen Sie einen halben Liter Milch (oder mehr), zuckern Sie mit Vanillezucker, oder schmeißen Sie eine Vanilleschote rein und süßen Sie mit normalem Zucker. Aufkochen.
Rühren Sie hektisch mit dem Schneebeesen, während Sie die Stärkelösung hineinträufeln. Ggf. Stärkeprozedur wiederholen. Aber Achtung: das Eigelb läßt die Sauce nachher noch zusätzlich etwas andicken.
Topf vom Herd ziehen. Ggf. Vanilleschote herausfischen. 2 bis 3 Esslöffel Sauce nacheinander (!) in die Tasse zu dem Eigelb träufeln. Dabei hektisch mit einem Löffelchen drin rumrühren. Nun den Inhalt der Tasse in die noch heiße Sauce quirlen. Fertig.
Weil Sie dann nämlich auch immer tütenweise Obst vom Markt nach Hause tragen. Wegen dieser gesunden Lebensweise, mit der Sie nun endlich anfangen wollen. Die Viktualien entwickeln bei mir nach vorübergehender Dekorationswirkung in der Obstschale unvermittelt Eigenleben. Oder doch zumindest dringenden Bedarf an einer guten Anti-Faltencreme.
Ganz zu schweigen vom Pflaumenregen und Apfelsegen, mit dem mich der Garten gnadenlos beglückt - ganz in der Manier einer liebenden Tante, die die Familie alljährlich mit riesigen, staubtrockenen Stollen versorgt. Was mit denen anzufangen ist, weiß ich immer noch nicht.
Aber für zu saures, leise vor sich hinrottendes oder anderweitig überflüssiges Obst gibt es die geniale Lösung, die das quengelnde protestantische Ethos besänftigt: Crumble. Nur Obst und Streusel, ohne blöden Kuchenboden. What's not to like?
Ein weiterer Vorzug des Crumble besteht darin, daß es keine Rolle spielt, ob die Gäste im Stau steckenbleiben, oder ob es rücksichtslos zu früh kommende Eltern sind. Er schmeckt nämlich heiß so gut wie lauwarm oder kalt. Je nachdem können Sie zur Abkühlung Vanilleeis, kalte Vanillesauce (s.u.) oder Schlagsahne dazu servieren. Oder zur Herzerwärmung heiße Vanillesauce.
Das folgende Rezept reicht allerdings nur dann für die angegebenen 4 Personen, wenn Sie viel zu wenig Zucker genommen oder magersüchtige Mitesser haben.
Crumble
mehr oder weniger 1 kg Obst
Für die Streusel:
100 g Mehl
75 g Butter
100 g Zucker
1 Prise Salz
1 großzügige Prise Zimt (wenn Sie den überhaupt nicht mögen, nehmen Sie Vanillezucker oder Bittermandelaroma oder Muskatnuss. Oder lassen Sie das Gewürz einfach ganz weg)
optional: 50 g Haferflocken
Falls die Butter aus dem Kühlschrank kommt, dann müssen Sie sie in Flöckchen ins Mehl schnippeln. Sonst nicht.
Wiegen Sie die Haferflocken vorher ab und stellen Sie sie daneben, damit Sie nachher nicht mit teigverklebten Händen an Packung und Waage rumfummeln müssen.
Spülen Sie mindestens eine Hand unter kaltem Wasser ab (hilft gegen Kleben, jedenfalls manchmal) und versuchen Sie die Zutaten in einer großen Schüssel zu verkneten. Sobald sich mehr oder weniger große Teigbatzen in Ihrer Schüssel befinden und möglichst kein Mehl mehr lose auf dem Schüsselboden herumfliegt, fügen Sie gegebenenfalls die Haferflocken hinzu und kneten nochmal. Stellen Sie die Schüssel kühl, wenn Sie grade Platz im Kühlschrank haben.
Als nächstes buttern Sie eine Auflaufform mit möglichst hohem Rand großzügig aus. Wenn Sie eine dieser eleganten Pie- oder Quicheformen nehmen, müssen Sie hinterher mühsam zähen Obstsaft-Zuckerkleb vom Boden des Backofens scharren, wohin er während des Backvorgangs über den Rand der Form getropft ist. Das ist die gerechte Strafe für ästhetische Ansprüche.
Probieren Sie das Obst, das Sie loswerden wollen. Falls es sauer ist, streuen Sie eine Handvoll Zucker auf den Boden der Auflaufform, und zuckern Sie gelegentlich weiter, während Sie das geputzte Obst in die Form schnippeln. Wenn nicht, dann nicht. Ob Sie die Äpfel schälen ist Geschmackssache, Sauerkirschen, Pflaumen oder Zwetschgen müssen Sie allerdings schon entsteinen. Es geht sogar mit Rharbarber, allerdings nur mithilfe einer diabeteserzeugenden Menge Zucker.
Verkünsteln Sie sich nicht beim Einschichten in die Form. Das sieht man hinterher sowieso nicht mehr.
Ofen auf 200°C vorheizen.
Teig einigermaßen gleichmäßig über das Obst bröseln. Form in den Ofen schieben. Ungefähr eine halbe Stunde backen - so lange, bis die Streusel goldgelb geworden sind. Fertig.
PS: Das Rezept von Frau Raether aus dem Zeit-Magazin, das mir als Grundlage für meine Crumbles dient, schreibt vor die Apfelspalten zu kochen. Wenn Sie irgendeine Ahnung haben, wozu das gut sein soll, dann sagen Sie mir bitte unbedingt Bescheid, ja?
Vanillesauce
Milch
Zucker + Vanilleschote
oder
Vanillezucker
Speisestärke
1 Eigelb
Verrühren Sie ein bis zwei Teelöffel Stärke mit einem halben Eßlöffel kalter Milch, je nach dem, wie flüssig oder cremig Sie die Sauce haben wollen. Keine Sorge: falls die Sauce zu flüssig bleibt, können Sie die Prozedur mit der Stärke wiederholen.
Trennen Sie ein Ei, stellen Sie das Eigelb in einer Tasse neben den Herd. Eiweiß wegwerfen oder einfrieren.
Erhitzen Sie einen halben Liter Milch (oder mehr), zuckern Sie mit Vanillezucker, oder schmeißen Sie eine Vanilleschote rein und süßen Sie mit normalem Zucker. Aufkochen.
Rühren Sie hektisch mit dem Schneebeesen, während Sie die Stärkelösung hineinträufeln. Ggf. Stärkeprozedur wiederholen. Aber Achtung: das Eigelb läßt die Sauce nachher noch zusätzlich etwas andicken.
Topf vom Herd ziehen. Ggf. Vanilleschote herausfischen. 2 bis 3 Esslöffel Sauce nacheinander (!) in die Tasse zu dem Eigelb träufeln. Dabei hektisch mit einem Löffelchen drin rumrühren. Nun den Inhalt der Tasse in die noch heiße Sauce quirlen. Fertig.
Mittwoch, 9. März 2016
Einfach - ja
Woher ich so genau weiß, was für eine vermaledeite Fusselarbeit das Enthülsen gekochter Bohnen ist? Weil ich neulich erst ein aus dem Internet runtergeladenes Fernsehrezept zuzubereiten versucht habe. Nämlich dieses:
Bohnen und Zwiebeln
300 g dicke grühne Bohnen
Bohnenkraut
60 g Bauchspeck
150 ml Sahne
150 ml Milch
2 Eßl Mehl
200 g Perlzwiebeln
3 Zweige Thymian
Anmerkung: Bohnen aus der Dose kann/muß man sofort enthülsen, selbstgekochte Bohnen nach dem Kochen, bzw. Abkühlen. Zum Abflusen der Bohnen spannende Fernsehsendung suchen. Eine, die lang genug ist, damit man auch noch beim Schälen der Zwiebelchen unterhalten ist.
Die Hülsen dranzulassen ist nur für solche Esser eine Option, die Kerngehäuse im Apfelmus mögen. Oder über mehrere Mägen verfügen.
Zwiebeln in einer Pfanne mit etwas Butter schön braun schmoren. Thymian dazukrümeln.
Bauchspeck würfeln, auslassen, Mehl unterrühren und mit Milch und Sahne eine weiße Sauce kochen. Bohnenkraut hineinbröseln, Bohnen unterrühren und erhitzen. Fertig.
Zwiebelchen auf Bohnen anrichten.
Die Sendung heißt übrigens "Einfach köstlich" und kommt im WDR. Einfach sind die Gerichte allemal. Zumindest, wenn es einem egal ist, daß die vorbereitenden Arbeiten einen halben Vormittag in Anspruch nehmen. Über die Köstlichkeit läßt sich streiten.
Vermutlich schmeckt es ganz okay, wenn man a) weniger Mehl nimmt. 2 Eßlöffel sind das maximale Quantum, das ich allenfalls für einen großen Topf Suppe verwende. Mit den Bohnen ergeben sie... Pampe.
b) sollte man die Pfanne mit den Zwiebeln nicht zu weit wegstellen, während man mit den übrigen Gerichten auf dem Herd herumjongliert. Sonst vergißt man sie schlicht. So wie ich. Und die Bohnen allein sind nicht der Rede wert.
Bohnen und Zwiebeln
300 g dicke grühne Bohnen
Bohnenkraut
60 g Bauchspeck
150 ml Sahne
150 ml Milch
2 Eßl Mehl
200 g Perlzwiebeln
3 Zweige Thymian
Anmerkung: Bohnen aus der Dose kann/muß man sofort enthülsen, selbstgekochte Bohnen nach dem Kochen, bzw. Abkühlen. Zum Abflusen der Bohnen spannende Fernsehsendung suchen. Eine, die lang genug ist, damit man auch noch beim Schälen der Zwiebelchen unterhalten ist.
Die Hülsen dranzulassen ist nur für solche Esser eine Option, die Kerngehäuse im Apfelmus mögen. Oder über mehrere Mägen verfügen.
Zwiebeln in einer Pfanne mit etwas Butter schön braun schmoren. Thymian dazukrümeln.
Bauchspeck würfeln, auslassen, Mehl unterrühren und mit Milch und Sahne eine weiße Sauce kochen. Bohnenkraut hineinbröseln, Bohnen unterrühren und erhitzen. Fertig.
Zwiebelchen auf Bohnen anrichten.
Die Sendung heißt übrigens "Einfach köstlich" und kommt im WDR. Einfach sind die Gerichte allemal. Zumindest, wenn es einem egal ist, daß die vorbereitenden Arbeiten einen halben Vormittag in Anspruch nehmen. Über die Köstlichkeit läßt sich streiten.
Vermutlich schmeckt es ganz okay, wenn man a) weniger Mehl nimmt. 2 Eßlöffel sind das maximale Quantum, das ich allenfalls für einen großen Topf Suppe verwende. Mit den Bohnen ergeben sie... Pampe.
b) sollte man die Pfanne mit den Zwiebeln nicht zu weit wegstellen, während man mit den übrigen Gerichten auf dem Herd herumjongliert. Sonst vergißt man sie schlicht. So wie ich. Und die Bohnen allein sind nicht der Rede wert.
Montag, 7. März 2016
Das Küchenwunder - Haselnußkuchen
In mancher Hinsicht finde ich Spanien deutlich zivilisierter als Deutschland.
Erstens bekommt man dort problemlos ordentlichen Kabeljau. Zweitens sind intelligente Gemüsehändler verbreitet, die sich höflich erkundigen, wann man ihre Avocados oder Mangos zu essen gedenkt und einem die Früchte daraufhin tatsächlich im entsprechenden Reifezustand verkaufen.
Drittens wird zum Dessert häufig Kuchen serviert. Das erspart einem nicht nur eine zusätzliche Mahlzeit, weil Kaffee & Kuchen in Spanien schlicht unbekannt ist, man gerät auch nicht in Gefahr, auf einem Haufen fiddelig herzustellender Bayerischer Creme sitzenzubleiben, die überdies nicht lange hält.
Entsprechend bevorzuge ich Rezepte, die am Ende keinen sättigenden Blechkuchen ergeben. (Wir wollen hier bitte nicht davon sprechen, daß mein Hefeteig waffenscheinpflichtig ist. Mit dem letzten hätte man Löcher in Panzerglasscheiben werfen können.)
Der Name meines absoluten Lieblingskuchens rührt daher, daß meine Großmutter über ein fortschrittliches Elektrogerät verfügte, das aussah wie ein überdimensionierter Eierkocher ohne Einsatz, dafür mit Glasscheibe im Deckel. Es hieß "Küchenwunder" und in ihm konnte Kuchen gebacken werden, ohne daß der gemauerte Herd angeheizt werden mußte, was in der warmen Jahreszeit von entscheidendem Vorteil war.
Haselnußkuchen (Küchenwunder, Werder)
100 g Butter (zimmerwarm)
1/2 Pfund Zucker
6 Eier
Zitrone und Vanille nach Geschmack
50 g Mehl
1/2 Backpulver (auch weniger)
1/2 Pfund Haselnußkerne, gemahlen
Ich reibe die Schale einer Zitrone in den Teig und nehme viel selbstgemachten Vanillezucker, der weniger intensiv schmeckt als die Tütchen. Ein halber Teelöffel Backpulver reicht auch, wie ich festgestellt habe. Wahrscheinlich kann man es sogar ganz weglassen, weil die Eier als Treibmittel genügen.
Die Zutaten in der angegebenen Reihenfolge miteinander verrühren, in eine lange Kastenform füllen und ungefähr eine knappe Dreiviertelstunde im mittelheißen Ofen backen - eben genau so lange, bis nur noch Krümel am berühmten Holzstäbchen kleben.
Anschließend wird der Kuchen gestürzt und mit Zuckerglasur überzogen, in die ich noch etwas Zitronensaft rühre.
Der Kuchen ist sehr saftig und delikat, ohne klitschig zu sein. Eben mehr Konfekt als Kuchen. Machen Sie sich darauf gefaßt, daß Sie nach dem Rezept gefragt werden, wenn Sie ihn jemandem anbieten.
Wie lange er haltbar ist weiß ich nicht, weil er in meinem Haushalt immer blitzartig verdunstet.
Erstens bekommt man dort problemlos ordentlichen Kabeljau. Zweitens sind intelligente Gemüsehändler verbreitet, die sich höflich erkundigen, wann man ihre Avocados oder Mangos zu essen gedenkt und einem die Früchte daraufhin tatsächlich im entsprechenden Reifezustand verkaufen.
Drittens wird zum Dessert häufig Kuchen serviert. Das erspart einem nicht nur eine zusätzliche Mahlzeit, weil Kaffee & Kuchen in Spanien schlicht unbekannt ist, man gerät auch nicht in Gefahr, auf einem Haufen fiddelig herzustellender Bayerischer Creme sitzenzubleiben, die überdies nicht lange hält.
Entsprechend bevorzuge ich Rezepte, die am Ende keinen sättigenden Blechkuchen ergeben. (Wir wollen hier bitte nicht davon sprechen, daß mein Hefeteig waffenscheinpflichtig ist. Mit dem letzten hätte man Löcher in Panzerglasscheiben werfen können.)
Der Name meines absoluten Lieblingskuchens rührt daher, daß meine Großmutter über ein fortschrittliches Elektrogerät verfügte, das aussah wie ein überdimensionierter Eierkocher ohne Einsatz, dafür mit Glasscheibe im Deckel. Es hieß "Küchenwunder" und in ihm konnte Kuchen gebacken werden, ohne daß der gemauerte Herd angeheizt werden mußte, was in der warmen Jahreszeit von entscheidendem Vorteil war.
Haselnußkuchen (Küchenwunder, Werder)
100 g Butter (zimmerwarm)
1/2 Pfund Zucker
6 Eier
Zitrone und Vanille nach Geschmack
50 g Mehl
1/2 Backpulver (auch weniger)
1/2 Pfund Haselnußkerne, gemahlen
Ich reibe die Schale einer Zitrone in den Teig und nehme viel selbstgemachten Vanillezucker, der weniger intensiv schmeckt als die Tütchen. Ein halber Teelöffel Backpulver reicht auch, wie ich festgestellt habe. Wahrscheinlich kann man es sogar ganz weglassen, weil die Eier als Treibmittel genügen.
Die Zutaten in der angegebenen Reihenfolge miteinander verrühren, in eine lange Kastenform füllen und ungefähr eine knappe Dreiviertelstunde im mittelheißen Ofen backen - eben genau so lange, bis nur noch Krümel am berühmten Holzstäbchen kleben.
Anschließend wird der Kuchen gestürzt und mit Zuckerglasur überzogen, in die ich noch etwas Zitronensaft rühre.
Der Kuchen ist sehr saftig und delikat, ohne klitschig zu sein. Eben mehr Konfekt als Kuchen. Machen Sie sich darauf gefaßt, daß Sie nach dem Rezept gefragt werden, wenn Sie ihn jemandem anbieten.
Wie lange er haltbar ist weiß ich nicht, weil er in meinem Haushalt immer blitzartig verdunstet.
Sonntag, 6. März 2016
Über Kochbücher im allgemeinen und Kichererbsencurry im besonderen
Auf der Suche nach Anti-Langeweile-Rezepten stelle ich mich ganz altmodisch vor das Regal mit meinen Kochbüchern. Siebeck! Der kochte doch gut?
Aha - Cassoulet. Bohneneintopf. Ich lese und spüre schon bei der Aufzählung der Zutaten erste Symptome einer Gallenkolik.
Für 6 Personen nehme man auf 500 g getrocknete weiße Bohnen:
1500 g Gänsefleisch
300 g Lammschulter ohne Knochen
300 g Schweinekoteletts ohne Knochen
300 g Knoblauch-Kochwurst
250 g geräucherten, durchwachsenen Bauchspeck
Ein paar Tomaten kommen auch noch rein, aber egal - ich überschlage und komme auf ein knappes Pfund Fleisch. Pro Person.
Bei aller Liebe zu Kalorien - das ist zuviel des Guten. Mal ganz davon zu schweigen, daß an der Fleischtheke des hiesigen Edeka bereits der Wunsch nach schlichtem Kalbfleisch als exotisch gilt und daher leider unerfüllbar ist.
Nudelteig wollte ich schon längst mal wieder machen. Mal Ravioli spielen, das wäre doch sicher unterhaltsam? Sieh an, ich besitze sogar ein ganzes Buch mit dem Titel "Gefüllte Nudeln". Schwarzwurzel-Tomaten-Lasagne? Och, nee. Avocado-Ravioli mit Mohnsauce? Wie bitte? Tatsächlich. Die Ravioli werden mit Avocadopüree gefüllt. Und mit Quark! Schaudernd blättere ich weiter durch die kulinarische Geisterbahn. Tortellini mit frischen Tomaten? Das klingt doch annehmbar. Und was befindet sich in den Tortellini? Nun, denaturiertes Eiweiß, wenn es nach dem Kochbuchschreiber geht. Denn die Hauptzutat sind "400 g Tortellini (Fertigprodukt)".
Na bitte! Ein bißchen Platz im Regal. Denn dieses Buch gehört entschieden in den Müll. Nur habe ich immer noch kein Rezept für morgen.
Mein Blick fällt auf ein Buch über Thailändische Küche, das dicker ist als hoch und mit dem mich eine entschiedene Haßliebe verbindet. Erstens sind die Rezepte derart kleingedruckt, daß dafür selbst ein Maulwurf eine Lupe bräuchte. Zweitens spielt es nicht die geringste Rolle, wie lang die Einkaufszettel sind, die ich dem Hauself für seine Fahrten nach Berlin mitgebe. Kaffirlimettenblätter, Worcestersauce, Fischsauce, Reisessig, sogar Hoisinsauce und Tamarinde habe ich inzwischen erfolgreich importiert. Trotzdem stellt sich bei nochmaligem Durchlesen des Rezepts jedes Mal raus, daß doch irgendeine, sehr wahrscheinlich entscheidende Zutat fehlt. Getrocknete Krabben, beispielsweise. Ein Bund Koriander (Mist, schon wieder die Einsaat vergessen). Frische Mungobohnensprossen.
Allmählich bin ich sicher, daß das Buch klammheimlich die Ingredienzien immer gerade um das erweitert, was ich nicht habe. Wahrscheinlich hat es sich mit meiner vom Teufel besessenen Speisekammer verbündet, die den Puderzucker in Granit verwandelt, mysteriöserweise das Mehl verschlingt und Ñoras in die Dose füllt, in der eigentlich Linsen sein sollten.
"Das Grosse Buch der Vegetarischen Küche" ließ mich endlich fündig werden. Dachte ich. Ich rate aber dringend davon ab, das nachstehende Rezept unverändert zu verwenden.
Kichererbsencurry
2 Zwiebeln
4 Knoblauchzehen
1 Eßl geklärte Butter oder Öl
1 Teel Chilipulver
1 Teel Salz
1 Teel Kurkuma
1 Teel Paprikapulver
1 Eßl gemahlener Kreuzkümmel
1 Eßl gemahlener Koriander
880 g Kichererbsen aus der Dose, abgetropft
440 g gehackte Tomaten aus der Dose, mit Saft
1 Teel Garam Masala
Zwiebeln in Ringe schneiden, Knoblauch hacken, beides anschwitzen, dann Gewürze dazu (außer dem Curry), dann Kichererbsen und Tomaten zufügen, ein Weilchen schmurgeln lassen, zum Schluß das Garam Masala unterrühren.
Wieder mal frage ich mich, ob die Kochbuchschreiber jemals dieses Rezept nachgekocht haben. Ich nahm 250 g getrocknete Kichererbsen, weichte sie ein, kochte sie und hatte am Ende garantiert keine 880 Gramm. Trotzdem reichte nicht mal das Doppelte der Tomatenmenge. Überdies habe ich zwei etwas überalterte, aber noch saftige Orangen hineinfiletiert und mußte zwischendurch immer mal hektisch rühren, weil ständig Anbrennalarm herrschte.
Ein Eßlöffel Kreuzkümmel ist entschieden zuviel, der Teelöffel Curry viel zu wenig - anderthalb Eßlöffel träfe es eher. Dazu noch ein Eßlöffel brauner Zucker (der mag durch die Orangen erforderlich geworden sein) und jede Menge Öl zusätzlich.
Das Ergebnis war eßbar. In Maßen.
Meine Mutter aß genau eine Gabel voll und rührte anschließend verzweifelt im Teller, weshalb ich ihr stattdessen Weetabix servierte. Die Überdosis Kreuzkümmel hatte offensichtlich selbst ihre ziemlich alterstauben Geschmacksnerven unangenehm getroffen.
Der Hauself bezeichnete das Essen als "langweilig". Eine wahrhaft bemerkenswerte Feststellung aus dem Munde eines Mannes, der imstande ist, von Pellkartoffeln mit Quark zu leben. Auf Nachfrage stellte sich raus, daß er lieber noch eine weitere Zutat - Fleisch oder Gemüse - im Topf gesehen hätte.
Ich selber fand auch, daß dem Gericht das gewisse Etwas fehlte. Der Kick. Trotz Schärfe und Curry.
Vielleicht sollte ich mich einfach in Bausch & Bogen von meinen Kochbüchern verabschieden?
Aha - Cassoulet. Bohneneintopf. Ich lese und spüre schon bei der Aufzählung der Zutaten erste Symptome einer Gallenkolik.
Für 6 Personen nehme man auf 500 g getrocknete weiße Bohnen:
1500 g Gänsefleisch
300 g Lammschulter ohne Knochen
300 g Schweinekoteletts ohne Knochen
300 g Knoblauch-Kochwurst
250 g geräucherten, durchwachsenen Bauchspeck
Ein paar Tomaten kommen auch noch rein, aber egal - ich überschlage und komme auf ein knappes Pfund Fleisch. Pro Person.
Bei aller Liebe zu Kalorien - das ist zuviel des Guten. Mal ganz davon zu schweigen, daß an der Fleischtheke des hiesigen Edeka bereits der Wunsch nach schlichtem Kalbfleisch als exotisch gilt und daher leider unerfüllbar ist.
Nudelteig wollte ich schon längst mal wieder machen. Mal Ravioli spielen, das wäre doch sicher unterhaltsam? Sieh an, ich besitze sogar ein ganzes Buch mit dem Titel "Gefüllte Nudeln". Schwarzwurzel-Tomaten-Lasagne? Och, nee. Avocado-Ravioli mit Mohnsauce? Wie bitte? Tatsächlich. Die Ravioli werden mit Avocadopüree gefüllt. Und mit Quark! Schaudernd blättere ich weiter durch die kulinarische Geisterbahn. Tortellini mit frischen Tomaten? Das klingt doch annehmbar. Und was befindet sich in den Tortellini? Nun, denaturiertes Eiweiß, wenn es nach dem Kochbuchschreiber geht. Denn die Hauptzutat sind "400 g Tortellini (Fertigprodukt)".
Na bitte! Ein bißchen Platz im Regal. Denn dieses Buch gehört entschieden in den Müll. Nur habe ich immer noch kein Rezept für morgen.
Mein Blick fällt auf ein Buch über Thailändische Küche, das dicker ist als hoch und mit dem mich eine entschiedene Haßliebe verbindet. Erstens sind die Rezepte derart kleingedruckt, daß dafür selbst ein Maulwurf eine Lupe bräuchte. Zweitens spielt es nicht die geringste Rolle, wie lang die Einkaufszettel sind, die ich dem Hauself für seine Fahrten nach Berlin mitgebe. Kaffirlimettenblätter, Worcestersauce, Fischsauce, Reisessig, sogar Hoisinsauce und Tamarinde habe ich inzwischen erfolgreich importiert. Trotzdem stellt sich bei nochmaligem Durchlesen des Rezepts jedes Mal raus, daß doch irgendeine, sehr wahrscheinlich entscheidende Zutat fehlt. Getrocknete Krabben, beispielsweise. Ein Bund Koriander (Mist, schon wieder die Einsaat vergessen). Frische Mungobohnensprossen.
Allmählich bin ich sicher, daß das Buch klammheimlich die Ingredienzien immer gerade um das erweitert, was ich nicht habe. Wahrscheinlich hat es sich mit meiner vom Teufel besessenen Speisekammer verbündet, die den Puderzucker in Granit verwandelt, mysteriöserweise das Mehl verschlingt und Ñoras in die Dose füllt, in der eigentlich Linsen sein sollten.
"Das Grosse Buch der Vegetarischen Küche" ließ mich endlich fündig werden. Dachte ich. Ich rate aber dringend davon ab, das nachstehende Rezept unverändert zu verwenden.
Kichererbsencurry
2 Zwiebeln
4 Knoblauchzehen
1 Eßl geklärte Butter oder Öl
1 Teel Chilipulver
1 Teel Salz
1 Teel Kurkuma
1 Teel Paprikapulver
1 Eßl gemahlener Kreuzkümmel
1 Eßl gemahlener Koriander
880 g Kichererbsen aus der Dose, abgetropft
440 g gehackte Tomaten aus der Dose, mit Saft
1 Teel Garam Masala
Zwiebeln in Ringe schneiden, Knoblauch hacken, beides anschwitzen, dann Gewürze dazu (außer dem Curry), dann Kichererbsen und Tomaten zufügen, ein Weilchen schmurgeln lassen, zum Schluß das Garam Masala unterrühren.
Wieder mal frage ich mich, ob die Kochbuchschreiber jemals dieses Rezept nachgekocht haben. Ich nahm 250 g getrocknete Kichererbsen, weichte sie ein, kochte sie und hatte am Ende garantiert keine 880 Gramm. Trotzdem reichte nicht mal das Doppelte der Tomatenmenge. Überdies habe ich zwei etwas überalterte, aber noch saftige Orangen hineinfiletiert und mußte zwischendurch immer mal hektisch rühren, weil ständig Anbrennalarm herrschte.
Ein Eßlöffel Kreuzkümmel ist entschieden zuviel, der Teelöffel Curry viel zu wenig - anderthalb Eßlöffel träfe es eher. Dazu noch ein Eßlöffel brauner Zucker (der mag durch die Orangen erforderlich geworden sein) und jede Menge Öl zusätzlich.
Das Ergebnis war eßbar. In Maßen.
Meine Mutter aß genau eine Gabel voll und rührte anschließend verzweifelt im Teller, weshalb ich ihr stattdessen Weetabix servierte. Die Überdosis Kreuzkümmel hatte offensichtlich selbst ihre ziemlich alterstauben Geschmacksnerven unangenehm getroffen.
Der Hauself bezeichnete das Essen als "langweilig". Eine wahrhaft bemerkenswerte Feststellung aus dem Munde eines Mannes, der imstande ist, von Pellkartoffeln mit Quark zu leben. Auf Nachfrage stellte sich raus, daß er lieber noch eine weitere Zutat - Fleisch oder Gemüse - im Topf gesehen hätte.
Ich selber fand auch, daß dem Gericht das gewisse Etwas fehlte. Der Kick. Trotz Schärfe und Curry.
Vielleicht sollte ich mich einfach in Bausch & Bogen von meinen Kochbüchern verabschieden?
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