Falls Sie - wie ich und überhaupt die Mehrzahl aller normalen Menschen - insofern felsenfest an Magie glauben, als Sie jahrelang die Mitgliedschaft in einem Fitnessclub bezahlen, weil Sie sicher sind, dadurch mühelos schlank und durchtrainiert zu werden, obwohl Sie das tatsächliche Betreten der Folterkammer stets auf nächste Woche verschieben, dann ist Crumble genau das Richtige für Sie.
Weil Sie dann nämlich auch immer tütenweise Obst vom Markt nach Hause tragen. Wegen dieser gesunden Lebensweise, mit der Sie nun endlich anfangen wollen. Die Viktualien entwickeln bei mir nach vorübergehender Dekorationswirkung in der Obstschale unvermittelt Eigenleben. Oder doch zumindest dringenden Bedarf an einer guten Anti-Faltencreme.
Ganz zu schweigen vom Pflaumenregen und Apfelsegen, mit dem mich der Garten gnadenlos beglückt - ganz in der Manier einer liebenden Tante, die die Familie alljährlich mit riesigen, staubtrockenen Stollen versorgt. Was mit denen anzufangen ist, weiß ich immer noch nicht.
Aber für zu saures, leise vor sich hinrottendes oder anderweitig überflüssiges Obst gibt es die geniale Lösung, die das quengelnde protestantische Ethos besänftigt: Crumble. Nur Obst und Streusel, ohne blöden Kuchenboden. What's not to like?
Ein weiterer Vorzug des Crumble besteht darin, daß es keine Rolle spielt, ob die Gäste im Stau steckenbleiben, oder ob es rücksichtslos zu früh kommende Eltern sind. Er schmeckt nämlich heiß so gut wie lauwarm oder kalt. Je nachdem können Sie zur Abkühlung Vanilleeis, kalte Vanillesauce (s.u.) oder Schlagsahne dazu servieren. Oder zur Herzerwärmung heiße Vanillesauce.
Das folgende Rezept reicht allerdings nur dann für die angegebenen 4 Personen, wenn Sie viel zu wenig Zucker genommen oder magersüchtige Mitesser haben.
Crumble
mehr oder weniger 1 kg Obst
Für die Streusel:
100 g Mehl
75 g Butter
100 g Zucker
1 Prise Salz
1 großzügige Prise Zimt (wenn Sie den überhaupt nicht mögen, nehmen Sie Vanillezucker oder Bittermandelaroma oder Muskatnuss. Oder lassen Sie das Gewürz einfach ganz weg)
optional: 50 g Haferflocken
Falls die Butter aus dem Kühlschrank kommt, dann müssen Sie sie in Flöckchen ins Mehl schnippeln. Sonst nicht.
Wiegen Sie die Haferflocken vorher ab und stellen Sie sie daneben, damit Sie nachher nicht mit teigverklebten Händen an Packung und Waage rumfummeln müssen.
Spülen Sie mindestens eine Hand unter kaltem Wasser ab (hilft gegen Kleben, jedenfalls manchmal) und versuchen Sie die Zutaten in einer großen Schüssel zu verkneten. Sobald sich mehr oder weniger große Teigbatzen in Ihrer Schüssel befinden und möglichst kein Mehl mehr lose auf dem Schüsselboden herumfliegt, fügen Sie gegebenenfalls die Haferflocken hinzu und kneten nochmal. Stellen Sie die Schüssel kühl, wenn Sie grade Platz im Kühlschrank haben.
Als nächstes buttern Sie eine Auflaufform mit möglichst hohem Rand großzügig aus. Wenn Sie eine dieser eleganten Pie- oder Quicheformen nehmen, müssen Sie hinterher mühsam zähen Obstsaft-Zuckerkleb vom Boden des Backofens scharren, wohin er während des Backvorgangs über den Rand der Form getropft ist. Das ist die gerechte Strafe für ästhetische Ansprüche.
Probieren Sie das Obst, das Sie loswerden wollen. Falls es sauer ist, streuen Sie eine Handvoll Zucker auf den Boden der Auflaufform, und zuckern Sie gelegentlich weiter, während Sie das geputzte Obst in die Form schnippeln. Wenn nicht, dann nicht. Ob Sie die Äpfel schälen ist Geschmackssache, Sauerkirschen, Pflaumen oder Zwetschgen müssen Sie allerdings schon entsteinen. Es geht sogar mit Rharbarber, allerdings nur mithilfe einer diabeteserzeugenden Menge Zucker.
Verkünsteln Sie sich nicht beim Einschichten in die Form. Das sieht man hinterher sowieso nicht mehr.
Ofen auf 200°C vorheizen.
Teig einigermaßen gleichmäßig über das Obst bröseln. Form in den Ofen schieben. Ungefähr eine halbe Stunde backen - so lange, bis die Streusel goldgelb geworden sind. Fertig.
PS: Das Rezept von Frau Raether aus dem Zeit-Magazin, das mir als Grundlage für meine Crumbles dient, schreibt vor die Apfelspalten zu kochen. Wenn Sie irgendeine Ahnung haben, wozu das gut sein soll, dann sagen Sie mir bitte unbedingt Bescheid, ja?
Vanillesauce
Milch
Zucker + Vanilleschote
oder
Vanillezucker
Speisestärke
1 Eigelb
Verrühren Sie ein bis zwei Teelöffel Stärke mit einem halben Eßlöffel kalter Milch, je nach dem, wie flüssig oder cremig Sie die Sauce haben wollen. Keine Sorge: falls die Sauce zu flüssig bleibt, können Sie die Prozedur mit der Stärke wiederholen.
Trennen Sie ein Ei, stellen Sie das Eigelb in einer Tasse neben den Herd. Eiweiß wegwerfen oder einfrieren.
Erhitzen Sie einen halben Liter Milch (oder mehr), zuckern Sie mit Vanillezucker, oder schmeißen Sie eine Vanilleschote rein und süßen Sie mit normalem Zucker. Aufkochen.
Rühren Sie hektisch mit dem Schneebeesen, während Sie die Stärkelösung hineinträufeln. Ggf. Stärkeprozedur wiederholen. Aber Achtung: das Eigelb läßt die Sauce nachher noch zusätzlich etwas andicken.
Topf vom Herd ziehen. Ggf. Vanilleschote herausfischen. 2 bis 3 Esslöffel Sauce nacheinander (!) in die Tasse zu dem Eigelb träufeln. Dabei hektisch mit einem Löffelchen drin rumrühren. Nun den Inhalt der Tasse in die noch heiße Sauce quirlen. Fertig.
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