Hier finden Sie den bislang amüsantesten Teil meiner heutigen Ernte aus dem Stöbern in
Kochblogs.
Traun fürwahr! Gleich nachher gehe ich giraffenartig die sich entfaltende Vegetation abgrasen. Wer weiß, vielleicht schmeckt ja irgendwas davon tatsächlich gut?
Wie die Bloggerin schreibt, mag sie speziell süße "upside-down Kuchen, weil man in ihnen so schön viel Gemüse verstecken kann, und kein Mensch merkt's".
Die Frage ist: warum in allen drei Henkersnamen sollte das einer wollen? Es ist ja nicht so, als ob hierzulande je jemand darüber nachgrübeln muß, was er bloß mit der diesjährigen Rekord-Süßkartoffelernte anfangen soll.
Übrigens eine Viktualie, die ich nachgerade für ähnliche Platzverschwendung im Universum halte wie Quark.
À
pro pos Scheußlichkeiten: in einem weiterem Blog stieß ich auf
Chlorella-Presslinge (= Pillen), die man ins Essen/Smoothies tun soll. Diese Alge kannte ich schon, aus dem Roman "Wild Swans". In China aß man sie verzweiflungshalber zur Zeit der ganz großen Mao-Hungersnot. Was übrigens
keine gute Idee war. Das Zeugs (der grüne Algenschleim, der sich im Handumdrehen in jedem Wasser entwickelt, das nicht bei Drei
verdunstet ist, beispielsweise in Aquarien) enthält nämlich zwar erstaunlich viele Nährstoffe,
aber der menschliche Körper ist nicht imstande, die Zellwände
aufzubrechen.
Allmählich sehe ich ein, daß ich bei dem Versuch, den nächsten Food-Fad vorauszusagen (eine meiner unschuldigeren Freizeitbeschäftigungen) zwangsläufig scheitern werde, weil Essen an sich zum Fad mutiert ist.
Weshalb ich soeben beschlossen habe, den Ernährungs-Retro-Trend
einzuleiten. Mandeln statt Chili in die Schokolade! Vanille in den Pudding
statt auf den Fisch! Ooh yeah!
Eine meiner Tanten ging ziemlich bald nach dem zweiten Weltkrieg als Au-pair nach England. Erst heute frage ich mich, wie sie das wohl gemacht hat und wie es ihr dort ergangen sein mag. Nicht zuletzt finde ich es verwunderlich, daß sie von dort das Rezept für etwas mitbrachte, was in unserer Familie "Englischer Kuchen" heißt. Schließlich waren Nahrungsmittel in England bis 1954 rationiert, und für diesen Kuchen wäre die gesamte Fettration einer Woche draufgegangen.
Englischer Kuchen
280 g Butter, zimmerwarm
280 g Zucker
4 ganze Eier
3 Eßl Arrak
150 g Sultaninen, 1 bis 5 Stunden lang in heißem Wasser eingeweicht, dann gut abgetropft, bzw. trockengetupft
abgeriebene Schale einer Zitrone
evtl. 2 Eßlöffel feingehacktes Zitronat
280 g Mehl
Die Zutaten in der angegebenen Reihenfolge miteinander verrühren. Eine Kastenform mit Backpapier auslegen, die Masse einfüllen und eine gute Stunde im mittelheißen Ofen backen. Stäbchentest machen.
Nach Belieben dekorieren oder es bleiben lassen. Zur Aufbewahrung am besten nach dem Auskühlen in Alufolie einschlagen.
Bitte tun Sie sich einen Gefallen und murksen Sie nicht am Butter-Mehl-Verhältnis rum. Das ist bereits ideal. Bei all den anderen im Net kursierenden Rezepten für Teekuchen, Englischen Kuchen etc., die doppelt so viel Mehl wie Butter enthalten, wird am Ende etwas rauskommen womit Sie bestenfalls Schweißfüße trockenlegen können.
Aus den Backrezepten meiner Mutter und Großmutter schließe ich, daß Arrak das Kürbiskernöl der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewesen sein muß. Ich habe noch nie irgendwo welchen gesehen, bekam allerdings mal ein winziges Fläschchen als Urlaubsmitbringsel. Seitdem weiß ich, daß er ein ziemlich durchdringendes Anisaroma hat und ersetze ihn durch Pernod oder Ouzo, falls ich wissen möchte wie etwas schmeckt, das nach dem Originalrezept gebacken wurde. Sie können ihn natürlich entweder ganz weglassen oder nach Belieben anderen Schnaps nehmen.
Als Kind habe ich ihn gehaßt, weil er so viele Rosinen enthält. Seit ich entdeckt habe, daß die scheußlichen schwarzen Klümpchen sich durch längeres Ziehen in heißem Wasser in Eßbares zurückverwandeln, finde ich diesen äußerst altmodischen Teekuchen aber sehr empfehlenswert.
Er hat nämlich diverse Vorzüge. Erstens ist er kein bißchen fiddelig herzustellen. Zweitens kann man ihn nicht nur gut im Voraus backen, man sollte es sogar. Er wird nämlich erst richtig saftig, wenn er zwei, drei Tage Zeit zum Durchziehen hatte. Überdies ist er einigermaßen stabil, daher transportfähig und als Mitbringsel geeignet.
Last not least könnten Sie rein theoretisch auf jede nur denkbare Weise mit ihm rumspielen. Nur zu, tun Sie sich keinen Zwang an und kandierte Krokodilleber, karamellisierte Eichensprossen oder Chiasamen in den Teig, und würzen Sie ihn mit Vadouvan oder tasmanischem Pfeffer. Oder mit Chlorella-Tabletten.

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