Meine Mutter liebt Reis, der Hauself ißt dankenswerterweise meistens das, was auf den Tisch kommt und ich finde, daß die meisten Dinge, die mit Reis gut schmecken, ohne Reis womöglich sogar noch besser wären. Da aber Frau Raether aus der "Zeit" diese Woche Risotto vorschlägt und der Hauself fleißig die hauseigenen Walnüsse aufsammelt*, ehe sie in die gierigen Schlünde unserer Waschbären wandern, dachte ich mir, das sei eine Art Gottesurteil und es würde schon nicht so schlimm werden.
Risotto mit Radicchio, Gorgonzola und Walnüssen
1 mittelgroße Zwiebel
1 große Knoblauchzehe
Olivenöl
Salz
170 g Risottoreis
1 Kopf Radicchio (ca. 150 g)
150 ml Weißwein
Pfeffer
400 ml Wasser (oder Brühe)
80 g Gorgonzola, gewürfelt
30 g Butter
30 g Parmesan, gerieben
30 g Walnüsse, trocken in einer Pfanne angeröstet
Zwiebel fein hacken, Knoblauch dito, beides mit Olivenöl in einem viel größeren Topf anschwitzen als Sie für nötig halten. Reis dazuschütten, ebenfalls anschwitzen. Radicchio-Kopf vierteln, Strunk herausschneiden, in feine Streifen schneiden. In den Topf geben (sehen Sie jetzt, wie wichtig der große Topf war?) und rühren, bis er ein bißchen welk wird. Mit Weißwein ablöschen, mit Brühe (oder Wasser) aufgießen. Aufpassen wie ein Schießhund, damit es nicht anbrennt. Salzen. Pfeffern. Butter und Käse unterrühren, Walnüsse darüberstreuen. Nicht von der seltsam dunkel-rotbraunen Farbe abschrecken lassen. Servieren.
Ich hatte die Mengenangaben allesamt großzügig nach oben abgerundet. Dann reicht die Menge für drei Leute, die wirklich von Herzen gern Risotto essen.
Übrigens hatte ich befürchtet, der Radicchio würde sich - da er ja von Anfang an mitgekocht wird - in eine Art Schleim verwandeln. Dem war durchaus nicht so. Gelegentlich ist sogar noch ein knurpsliges Stückchen im Risotto.
Irgendwo las ich mal den wirklich uneleganten Ausdruck "schlotzig". Es schmerzt mich sagen zu müssen, daß ich das für das einzig passende Wort für diese seltsame Pampe halte: würzig, einen Hauch bitter, cremig... schlotzig eben.
*Außerdem knackt er sie auch gleich. Im Akkord. Es klingt, als hätte man ein Eichhörnchen auf Speed im Haus.
Sonntag, 16. Oktober 2016
Dienstag, 4. Oktober 2016
Kla - was? Clafoutis?! Na klar!
Es ist eine so betrübliche wie universell wahre Tatsache, daß der Garten einen grundsätzlich mit solchen Gaben überschwemmt, die man lieber nicht gehabt hätte. Mit doofen Augustäpfeln beispielsweise, lästigen Johannisbeeren und Giersch. Der Sauerkirschbaum hingegen ist alljährlich höchst sparsam behängt. Das macht aber nichts, denn ein Glas Schattenmorellen kostet im Supermarkt schier weniger als ich an Strom verbraucht hätte, wenn ich es selber hätte einmachen wollen.
Und gleich in zweierlei Hinsicht ist glücklicherweise Quatsch, was wikipedia behauptet - daß nämlich entsteinte Kirschen den Teig zu flüssig machen. So kann man diesen wunderbaren... Flatschen* erstens das ganze Jahr über herstellen und zweitens ohne dabei unablässig Kirschkerne zu spucken wie ein inkontinentes Lama.
Clafoutis
1 Glas Sauerkirschen, abgetropft
Für den Teig:
3 Eier
60 Gramm Zucker
1 Vanillezucker
1 Prise Salz
100 Gramm Mehl
60 Gramm flüssige, aber abgekühlte Butter
300 ml Milch
Aus den Zutaten einen Teig rühren. Nicht über die extrem flüssige Pampe wundern. Das muß so. Falls man sich für die Optik interessiert: Schneebesen benutzen. Der Elektroquirl erzeugt nämlich schaumige Blasen, die am Ende die Oberfläche verunzieren. Doch, das stimmt, denn selbstverständlich habe ich es mir leicht gemacht. Aber ich wollte das Ergebnis ja auch essen und nicht primär in seinem Anblick schwelgen.
Springform entweder buttern und mit Mehl, bzw. Semmelbröseln bestäuben oder einfach mit Backpapier auslegen. Abgetropfte Kirschen in der Form verteilen. Teig darübergießen. Eine gute halbe Stunde im mittelheißen Ofen backen, bzw. 40 Minuten bei 180° Umluft (laut Rezept aus der Zeit).
Ich nahm ein Stück zu Freunden mit und erntete den Kommentar "Obst und Pudding - what's not to like?" Dem schließe ich mich an.
*Wenn das Ding ein Kuchen ist, dann bin ich Herta Müller.
Und gleich in zweierlei Hinsicht ist glücklicherweise Quatsch, was wikipedia behauptet - daß nämlich entsteinte Kirschen den Teig zu flüssig machen. So kann man diesen wunderbaren... Flatschen* erstens das ganze Jahr über herstellen und zweitens ohne dabei unablässig Kirschkerne zu spucken wie ein inkontinentes Lama.
Clafoutis
1 Glas Sauerkirschen, abgetropft
Für den Teig:
3 Eier
60 Gramm Zucker
1 Vanillezucker
1 Prise Salz
100 Gramm Mehl
60 Gramm flüssige, aber abgekühlte Butter
300 ml Milch
Aus den Zutaten einen Teig rühren. Nicht über die extrem flüssige Pampe wundern. Das muß so. Falls man sich für die Optik interessiert: Schneebesen benutzen. Der Elektroquirl erzeugt nämlich schaumige Blasen, die am Ende die Oberfläche verunzieren. Doch, das stimmt, denn selbstverständlich habe ich es mir leicht gemacht. Aber ich wollte das Ergebnis ja auch essen und nicht primär in seinem Anblick schwelgen.
Springform entweder buttern und mit Mehl, bzw. Semmelbröseln bestäuben oder einfach mit Backpapier auslegen. Abgetropfte Kirschen in der Form verteilen. Teig darübergießen. Eine gute halbe Stunde im mittelheißen Ofen backen, bzw. 40 Minuten bei 180° Umluft (laut Rezept aus der Zeit).
Ich nahm ein Stück zu Freunden mit und erntete den Kommentar "Obst und Pudding - what's not to like?" Dem schließe ich mich an.
*Wenn das Ding ein Kuchen ist, dann bin ich Herta Müller.
Freitag, 24. Juni 2016
Wer A sagt muß auch Caponata sagen
Nein, selbst ich bin nicht derart vergeßlich, daß ich mich nach der Blumenkohlkatastrophe mit unbefangener Freude auf Felicity Cloakes nächstes Rezept gestürzt hätte.
Es ist aber in der brandenburgischen Wüste gar nicht so einfach, Auberginen mit Staudensellerie und Zucchini in einen Topf zu werfen. Um das zu tun, muß ich sie in unserem Supermärktlein bestellen. Da ich dies bereits vor dem Aloo Gobi-Desaster getan hatte, war ich zur Caponata verdammt.
1 große Aubergine, etwa 500 g, in 2 cm große Würfel geschnitten
1 große Zucchini, in 2 cm große Würfel geschnitten
Salz
Speiseöl zum Frittieren
3 Eßl Olivenöl
1 große rote Zwiebel, geschnitten
2 Selleriestangen, in Scheibchen geschnitten
1½ Teel Chiliflocken (optional)150g reife Tomaten, gewürfelt
40g Kapern
40g grüne Oliven, entsteint und geviertelt
40g Rosinen oder Sultaninen
1 Eßl Zucker
150ml Tomatenpüree100ml Rotweinessig
1 Eßl geriebene dunkle Schokolade
40g geröstete Mandeln oder Pinienkerne
1 kl. Bund frische Minze, nur die Blätter
Auberginen- und Zucchiniwürfel leicht salzen, in ein Sieb geben und mindestens 30 min lang abtropfen lassen, dann trockentupfen.
In einem Topf mit Öl oder einer Fritteuse Auberginen- und Zucchiniwürfel bei 190° frittieren, bis sie goldbraun sind. Nicht zuviel Gemüse auf einmal ins Öl werfen, damit das Fett nicht zu sehr abkühlt. Zwischendurch immer wieder auf 190° bringen. Auf Küchenpapier abtropfen lassen.
Olivenöl in einem weiten Topf (für den es einen passenden Decke gibt) erhitzen. Zwiebel und Selleriescheibchen mit einer Prise Salz darin andünsten, bis sie weich sind und Farbe anzunehmen beginnen, dann Tomatenwürfel hinzufügen und noch ein paar Minuten sautieren.
Kapern, Oliven, Rosinen, Zucker, Tomatenpüree, Essig und Schokolade einrühren und zum Kochen bringen, dann die frittierten Gemüsewürfel hinzufügen. Abschmecken, Herde auf kleinste Stufe schalten, zudecken und eine Stunde lang sanft köcheln lassen. Gegen Ende der Kochzeit nachsehen und vom Herd nehmen, falls nicht mehr genug Flüssigkeit im Topf ist.
Auf Raumtemperatur abkühlen lassen, dann nochmals abschmecken. Inzwischen Mandeln in einer trockenen Pfanne rösten und unmittelbar vor dem Servieren zusammen mit der Minze darüberstreuen.
Um es ausnahmsweise einigermaßen kurz zu machen: das Zeug schmeckt nicht schlecht, egal ob zu Pasta oder auf Brot. In der Tat ist es nach dem Abkühlen noch deutlich besser. Wenn auch keineswegs derart köstlich, wie die lyrischen Beschreibungen vermuten lassen.
Meines Erachtens schwafelt die Autorin nur deshalb von göttlicher Komposition, weil bei Tisch nicht mehr auszumachen ist, daß man gerade eine einigermaßen wunderliche Kombination aus Knoblauch, Essig, Rosinen und Schokolade verzehrt.
Dennoch könnte es das umständliche, stundenlange Gemache wert sein, wenn das fertige Gericht nicht dank der frittierten Auberginen und Zucchini derart ölhaltig wäre, daß ein Verdauungsschnaps als lebenserhaltende Maßnahme gewertet werden muß.
Im übrigen darf man der Anweisung, das Ragout abschließend noch eine Stunde lang simmern zu lassen, unter keinen Umständen Folge leisten wollen - es sei denn im Wasserbad. Ich jedenfalls kratzte bereits nach 10 Minuten leisen Köchelns schwarze Batzen vom Topfboden. Merke: Schokolade setzt an! Eine weitere kochtechnische Tatsache, die mir vorübergehend entfallen war.
Es ist aber in der brandenburgischen Wüste gar nicht so einfach, Auberginen mit Staudensellerie und Zucchini in einen Topf zu werfen. Um das zu tun, muß ich sie in unserem Supermärktlein bestellen. Da ich dies bereits vor dem Aloo Gobi-Desaster getan hatte, war ich zur Caponata verdammt.
Felicity Cloake’s perfect caponata
(für 6 - 8 Personen)1 große Aubergine, etwa 500 g, in 2 cm große Würfel geschnitten
1 große Zucchini, in 2 cm große Würfel geschnitten
Salz
Speiseöl zum Frittieren
3 Eßl Olivenöl
1 große rote Zwiebel, geschnitten
2 Selleriestangen, in Scheibchen geschnitten
1½ Teel Chiliflocken (optional)150g reife Tomaten, gewürfelt
40g Kapern
40g grüne Oliven, entsteint und geviertelt
40g Rosinen oder Sultaninen
1 Eßl Zucker
150ml Tomatenpüree100ml Rotweinessig
1 Eßl geriebene dunkle Schokolade
40g geröstete Mandeln oder Pinienkerne
1 kl. Bund frische Minze, nur die Blätter
Auberginen- und Zucchiniwürfel leicht salzen, in ein Sieb geben und mindestens 30 min lang abtropfen lassen, dann trockentupfen.
In einem Topf mit Öl oder einer Fritteuse Auberginen- und Zucchiniwürfel bei 190° frittieren, bis sie goldbraun sind. Nicht zuviel Gemüse auf einmal ins Öl werfen, damit das Fett nicht zu sehr abkühlt. Zwischendurch immer wieder auf 190° bringen. Auf Küchenpapier abtropfen lassen.
Olivenöl in einem weiten Topf (für den es einen passenden Decke gibt) erhitzen. Zwiebel und Selleriescheibchen mit einer Prise Salz darin andünsten, bis sie weich sind und Farbe anzunehmen beginnen, dann Tomatenwürfel hinzufügen und noch ein paar Minuten sautieren.
Kapern, Oliven, Rosinen, Zucker, Tomatenpüree, Essig und Schokolade einrühren und zum Kochen bringen, dann die frittierten Gemüsewürfel hinzufügen. Abschmecken, Herde auf kleinste Stufe schalten, zudecken und eine Stunde lang sanft köcheln lassen. Gegen Ende der Kochzeit nachsehen und vom Herd nehmen, falls nicht mehr genug Flüssigkeit im Topf ist.
Auf Raumtemperatur abkühlen lassen, dann nochmals abschmecken. Inzwischen Mandeln in einer trockenen Pfanne rösten und unmittelbar vor dem Servieren zusammen mit der Minze darüberstreuen.
Um es ausnahmsweise einigermaßen kurz zu machen: das Zeug schmeckt nicht schlecht, egal ob zu Pasta oder auf Brot. In der Tat ist es nach dem Abkühlen noch deutlich besser. Wenn auch keineswegs derart köstlich, wie die lyrischen Beschreibungen vermuten lassen.
Meines Erachtens schwafelt die Autorin nur deshalb von göttlicher Komposition, weil bei Tisch nicht mehr auszumachen ist, daß man gerade eine einigermaßen wunderliche Kombination aus Knoblauch, Essig, Rosinen und Schokolade verzehrt.
Dennoch könnte es das umständliche, stundenlange Gemache wert sein, wenn das fertige Gericht nicht dank der frittierten Auberginen und Zucchini derart ölhaltig wäre, daß ein Verdauungsschnaps als lebenserhaltende Maßnahme gewertet werden muß.
Im übrigen darf man der Anweisung, das Ragout abschließend noch eine Stunde lang simmern zu lassen, unter keinen Umständen Folge leisten wollen - es sei denn im Wasserbad. Ich jedenfalls kratzte bereits nach 10 Minuten leisen Köchelns schwarze Batzen vom Topfboden. Merke: Schokolade setzt an! Eine weitere kochtechnische Tatsache, die mir vorübergehend entfallen war.
Aloo Gobi Oder Was Tomaten mit der Relativitätstheorie zu tun haben
Per Zufall entdeckte ich eine Rezeptserie im britischen Guardian, übertitelt mit "How to make the perfect..."
Was mir daran so besonders gefällt ist die Tatsache, daß Felicity Cloake zunächst ausführlich über diversen Varianten mehr oder weniger berühmter Köche brütet, ehe sie daraus ein eigenes, ihrer Meinung nach perfektes Rezept destilliert. Das erspart einem einiges Grübeln darüber, welche Zutaten unumgänglich sind und welche optional, durch was man die eine ersetzen kann und weshalb die andere nicht - kurzum: in welcher Weise die Köchin variieren kann, ohne das Endergebnis unter ständigem Rühren zum Komposthaufen tragen zu müssen.
Ich war entzückt.
Unglücklichweise hat großer Enthusiasmus bei mir völlige Gehirnerweichung zur Folge. Eine Tatsache, die ich mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder vergesse. Und zwar überraschend schnell.
Bei Rezepten bedeutet das, daß mich während des Lesens flüchtig der Gedanke streift 'Hmmm, das wird schwierig' oder 'Meiner Erfahrung nach funktioniert das so nicht'. Unmittelbar darauf erstickt eine rosig-goldene Begeisterungswolke jegliche Synapsentätigkeit und ich gehe nachsehen, welche Zutaten ich für das betreffende Gericht benötigen werde.
Zunächst geschah das beim angeblich perfekten
Aloo Gobi
(für 4 Personen)
4 Eßl Speiseöl
1 Teel Kreuzkümmel, ganz
½ Teel Nigellasamen
350g festkochende Kartoffeln, grob in 2.5cm Würfel geschnitten
1 mittelgroßer Blumenkohl, geschnitten. Die Röschen und Strunkstücke sollten etwas größer sein als die Kartoffelstücke.
1 weiße Zwiebel, fein geschnitten
4 Knoblauchzehen, zerdrückt
1 Eßl geriebener Ingwer
1 Dose Datteltomaten, grob gehackt, oder 5 gehackte frische Tomaten
1 Eßl Tomatenpüree
2 Teel Koriandersamen, in einer trockenen Pfanne angeröstet und zermörsert
½-1 Teel mittelscharfes Chilipulver
½ Teel Gelbwurz/Kumin
2-4 kleine grüne Chilischoten, aufgeschlitzt
1 Teel Salz
1 Eßl Methi (getrocknete Bockshornkleeblätter) - WTF?
1 Teel Garam Masala
Saft ½ Limette
1 kleiner Bund frischer Koriander, gehackt
Erhitzen Sie das Öl in einem weiten Topf. Wenn es heiß ist, werfen Sie den Kreuzkümmel und die Nigella-Samen hinein und erhitzen Sie sie ein paar Sekunden lang, bis sie springen. Fügen Sie die Kartoffeln hinzu und sautieren Sie sie, bis sie golden sind. Mithilfe eines Schaumlöffels herausnehmen und die Prozedur mit dem Blumenkohl wiederholen. Diesen in eine weitere Schüssel schöpfen.
Hitze reduzieren, falls nötig noch etwas Öl in den Topf gießen und die Zwiebel anschwitzen, bis sie weich und golden ist, aber nicht gebräunt. Dann den Knoblauch und Ingwer hinzufügen und ein paar Minuten lang mit anschwitzen. Die Tomaten, den zermörserten Koriander, Chili und Gelbwurz hinzufügen und unter ständigem Rühren erhitzen, bis das Öl an den Seiten des Topfes aufzusteigen beginnt.
Frische Chilischoten, Salz und Kartoffeln in den Topf geben, zum Köcheln bringen, Hitze herunterschalten, zudecken unf fünf Minuten lang kochen lassen. Blumenkohl und einen guten Schuß Wasser hinzufügen, zudecken und kochen lassen, bis beides gar ist. Dabei gelegentlich umrühren, damit es nicht ansetzt und falls nötig noch mehr Wasser hinzufügen.
Vom Herd nehmen, Methi und Garam Masala unterrühren, 10 Min stehen lassen. Dann den Limettensaft und den frischen Koriander hinzufügen.
Usmani empfiehlt dazu "gekochten Basmati-Reis, Naan, Paratha oder Brioche, außerdem Pickles oder Chutney".
Immerhin war ich noch soweit bei Verstand, daß mich die Idee, 350 Gramm Kartoffeln würden auch nur für 3 Personen reichen - wofern eine davon der Hauself ist - in lautes Gelächter ausbrechen ließ. Wir verdoppeln also das Rezept, richtig?
Als nächstes brachte mich die Anweisung, den Blumenkohl - genauer gesagt: die zwei kleineren Blumenkohlköpfe - in "etwas größere Röschen zu teilen als die Kartoffelstücke" ins Grübeln. Vielleicht ist englischer Cauliflower anders strukturiert? Ich stehe nämlich immer vor dem Problem, daß sich unten, kurz über den Blättern, kinderfaustgroße Rosen befinden, die nach oben hin immer kleiner werden, bis zum Schluß ein einziges großes Mittelstück übrigbleibt, das entweder als Ganzes in den Topf muß, oder sich beim Auseinanderpflücken in Bonsairöschen und somit beim Kochen in Matsch verwandelt. Alternativ kann man kann das Gemüse natürlich auch brutal mit dem Messer zerteilen, ja.
Ansonsten alles paletti. Oder?
Vorausschauend nahm ich meinen allergrößten Topf zum Sautieren der Kartoffeln, die dank der Nigellasamen wundervoll dufteten und mit der Zeit artig goldbraun wurden. Womit ich Frittenwürfel hatte. Gare Frittenwürfel. Was ein Glück war, wie sich später herausstellte.
Immerhin kann ich an dieser Stelle bindend versichern, daß meine Nigellasamen ganz und gar unsportlich sind und keineswegs "poppen", hüpfen oder springen. Jedenfalls nicht bis das Öl zu rauchen begann und ich das Warten aufgab.
Die Blumenkohlstückchen hingegen saugten blitzartig das restliche Öl in ihre kleinen Zwischenräume. Und dann das Öl, das ich nachgoß. Und noch mehr Öl. Sie machten keinerlei Anstalten auch nur ein bißchen weich zu werden. Dafür begannen die winzigen Gemüsekrümel, die sich auf dem Topfboden sammelten, beunruhigend zu bräunen.
Ich entfernte also den rohen, fettgetränkten Kohl, goß neues Öl - "falls nötig", ha! - hinzu und briet Zwiebeln, Ingwer und Knoblauch an. "Wird am Ende mithilfe der Tomatenflüssigkeit schon alles gar werden", dachte ich mir.
Das stellte sich als weiterer Fall von geistiger Umnachtung heraus. Seit ich vor vielen Jahren versucht habe, einen tomatenlastigen Eintopf herzustellen, weiß ich nämlich (jedenfalls im Prinzip), daß die in Tomaten enthaltene Säure den interessanten Effekt hat, das Raum-Zeit-Kontinuum insofern außer Kraft zu setzen als man Gemüsestückchen buchstäblich stundenlang in roter Sauce kochen kann, ohne daß sie ihre Konsistenz auch nur im mindesten verändern. Suspended in time, gewissermaßen.
Für Blumenkohl gilt - Surprise! - dasselbe.
Dank der Tatsache, daß das Mittagessen erst am späten Nachmittag auf dem Tisch stand und weiterhin erstaunlich bißfesten Blumenkohl enthielt, reichte das Curry übrigens für mehrere Mahlzeiten. Auch ohne weitere Beilage. Denn Kartoffeln mögen ja in Indien (und Großbritannien) als Gemüse gelten, bei uns nicht. Daher weise ich darauf hin, daß es am nächsten und übernächsten Tag deutlich besser, weil würziger schmeckt. Auch ohne Chutney.
Und nein, ich habe nicht die leiseste Ahnung, was für eine Wirkung getrocknete Bockshornkleeblätter - Methi - entfalten, weil ich rein zufällig keine im Haus hatte.
Was mir daran so besonders gefällt ist die Tatsache, daß Felicity Cloake zunächst ausführlich über diversen Varianten mehr oder weniger berühmter Köche brütet, ehe sie daraus ein eigenes, ihrer Meinung nach perfektes Rezept destilliert. Das erspart einem einiges Grübeln darüber, welche Zutaten unumgänglich sind und welche optional, durch was man die eine ersetzen kann und weshalb die andere nicht - kurzum: in welcher Weise die Köchin variieren kann, ohne das Endergebnis unter ständigem Rühren zum Komposthaufen tragen zu müssen.
Ich war entzückt.
Unglücklichweise hat großer Enthusiasmus bei mir völlige Gehirnerweichung zur Folge. Eine Tatsache, die ich mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder vergesse. Und zwar überraschend schnell.
Bei Rezepten bedeutet das, daß mich während des Lesens flüchtig der Gedanke streift 'Hmmm, das wird schwierig' oder 'Meiner Erfahrung nach funktioniert das so nicht'. Unmittelbar darauf erstickt eine rosig-goldene Begeisterungswolke jegliche Synapsentätigkeit und ich gehe nachsehen, welche Zutaten ich für das betreffende Gericht benötigen werde.
Zunächst geschah das beim angeblich perfekten
Aloo Gobi
(für 4 Personen)
4 Eßl Speiseöl
1 Teel Kreuzkümmel, ganz
½ Teel Nigellasamen
350g festkochende Kartoffeln, grob in 2.5cm Würfel geschnitten
1 mittelgroßer Blumenkohl, geschnitten. Die Röschen und Strunkstücke sollten etwas größer sein als die Kartoffelstücke.
1 weiße Zwiebel, fein geschnitten
4 Knoblauchzehen, zerdrückt
1 Eßl geriebener Ingwer
1 Dose Datteltomaten, grob gehackt, oder 5 gehackte frische Tomaten
1 Eßl Tomatenpüree
2 Teel Koriandersamen, in einer trockenen Pfanne angeröstet und zermörsert
½-1 Teel mittelscharfes Chilipulver
½ Teel Gelbwurz/Kumin
2-4 kleine grüne Chilischoten, aufgeschlitzt
1 Teel Salz
1 Eßl Methi (getrocknete Bockshornkleeblätter) - WTF?
1 Teel Garam Masala
Saft ½ Limette
1 kleiner Bund frischer Koriander, gehackt
Erhitzen Sie das Öl in einem weiten Topf. Wenn es heiß ist, werfen Sie den Kreuzkümmel und die Nigella-Samen hinein und erhitzen Sie sie ein paar Sekunden lang, bis sie springen. Fügen Sie die Kartoffeln hinzu und sautieren Sie sie, bis sie golden sind. Mithilfe eines Schaumlöffels herausnehmen und die Prozedur mit dem Blumenkohl wiederholen. Diesen in eine weitere Schüssel schöpfen.
Hitze reduzieren, falls nötig noch etwas Öl in den Topf gießen und die Zwiebel anschwitzen, bis sie weich und golden ist, aber nicht gebräunt. Dann den Knoblauch und Ingwer hinzufügen und ein paar Minuten lang mit anschwitzen. Die Tomaten, den zermörserten Koriander, Chili und Gelbwurz hinzufügen und unter ständigem Rühren erhitzen, bis das Öl an den Seiten des Topfes aufzusteigen beginnt.
Frische Chilischoten, Salz und Kartoffeln in den Topf geben, zum Köcheln bringen, Hitze herunterschalten, zudecken unf fünf Minuten lang kochen lassen. Blumenkohl und einen guten Schuß Wasser hinzufügen, zudecken und kochen lassen, bis beides gar ist. Dabei gelegentlich umrühren, damit es nicht ansetzt und falls nötig noch mehr Wasser hinzufügen.
Vom Herd nehmen, Methi und Garam Masala unterrühren, 10 Min stehen lassen. Dann den Limettensaft und den frischen Koriander hinzufügen.
Usmani empfiehlt dazu "gekochten Basmati-Reis, Naan, Paratha oder Brioche, außerdem Pickles oder Chutney".
Immerhin war ich noch soweit bei Verstand, daß mich die Idee, 350 Gramm Kartoffeln würden auch nur für 3 Personen reichen - wofern eine davon der Hauself ist - in lautes Gelächter ausbrechen ließ. Wir verdoppeln also das Rezept, richtig?
Als nächstes brachte mich die Anweisung, den Blumenkohl - genauer gesagt: die zwei kleineren Blumenkohlköpfe - in "etwas größere Röschen zu teilen als die Kartoffelstücke" ins Grübeln. Vielleicht ist englischer Cauliflower anders strukturiert? Ich stehe nämlich immer vor dem Problem, daß sich unten, kurz über den Blättern, kinderfaustgroße Rosen befinden, die nach oben hin immer kleiner werden, bis zum Schluß ein einziges großes Mittelstück übrigbleibt, das entweder als Ganzes in den Topf muß, oder sich beim Auseinanderpflücken in Bonsairöschen und somit beim Kochen in Matsch verwandelt. Alternativ kann man kann das Gemüse natürlich auch brutal mit dem Messer zerteilen, ja.
Ansonsten alles paletti. Oder?
Vorausschauend nahm ich meinen allergrößten Topf zum Sautieren der Kartoffeln, die dank der Nigellasamen wundervoll dufteten und mit der Zeit artig goldbraun wurden. Womit ich Frittenwürfel hatte. Gare Frittenwürfel. Was ein Glück war, wie sich später herausstellte.
Immerhin kann ich an dieser Stelle bindend versichern, daß meine Nigellasamen ganz und gar unsportlich sind und keineswegs "poppen", hüpfen oder springen. Jedenfalls nicht bis das Öl zu rauchen begann und ich das Warten aufgab.
Die Blumenkohlstückchen hingegen saugten blitzartig das restliche Öl in ihre kleinen Zwischenräume. Und dann das Öl, das ich nachgoß. Und noch mehr Öl. Sie machten keinerlei Anstalten auch nur ein bißchen weich zu werden. Dafür begannen die winzigen Gemüsekrümel, die sich auf dem Topfboden sammelten, beunruhigend zu bräunen.
Ich entfernte also den rohen, fettgetränkten Kohl, goß neues Öl - "falls nötig", ha! - hinzu und briet Zwiebeln, Ingwer und Knoblauch an. "Wird am Ende mithilfe der Tomatenflüssigkeit schon alles gar werden", dachte ich mir.
Das stellte sich als weiterer Fall von geistiger Umnachtung heraus. Seit ich vor vielen Jahren versucht habe, einen tomatenlastigen Eintopf herzustellen, weiß ich nämlich (jedenfalls im Prinzip), daß die in Tomaten enthaltene Säure den interessanten Effekt hat, das Raum-Zeit-Kontinuum insofern außer Kraft zu setzen als man Gemüsestückchen buchstäblich stundenlang in roter Sauce kochen kann, ohne daß sie ihre Konsistenz auch nur im mindesten verändern. Suspended in time, gewissermaßen.
Für Blumenkohl gilt - Surprise! - dasselbe.
Dank der Tatsache, daß das Mittagessen erst am späten Nachmittag auf dem Tisch stand und weiterhin erstaunlich bißfesten Blumenkohl enthielt, reichte das Curry übrigens für mehrere Mahlzeiten. Auch ohne weitere Beilage. Denn Kartoffeln mögen ja in Indien (und Großbritannien) als Gemüse gelten, bei uns nicht. Daher weise ich darauf hin, daß es am nächsten und übernächsten Tag deutlich besser, weil würziger schmeckt. Auch ohne Chutney.
Und nein, ich habe nicht die leiseste Ahnung, was für eine Wirkung getrocknete Bockshornkleeblätter - Methi - entfalten, weil ich rein zufällig keine im Haus hatte.
Freitag, 3. Juni 2016
Bazar
In irgendeinem Küchenblog stieß ich auf die Adresse von Madavanilla. Der Autor rühmte insbesondere die Qualität und Frische der von dort bezogenen Vanilleschoten. Und da mir sowieso gerade Pfeffer, Muskat und Macis ausgegangen waren, stattete ich der Site einen Besuch ab.
Tatsächlich sind die meisten Dinge dort deutlich preiswerter als im Supermarkt, wo die winzige Portion Muskatblüte beim Öffnen der Packung oft schon völlig eingetrocknet ist und in dem ich überdies weder Safran noch Szechuanpfeffer bekomme. Daher leistete ich mir eine Mini-Shopping-Spree.
Vorhin traf das Päckchen ein. Obwohl alles sorgfältig in kleinen Ziploc-Tütchen verstaut war, schlug mir beim Öffnen eine solche Duftwolke entgegen, daß ich auf der Stelle fliegende Teppiche, Spezereikarawanen und Sherazade halluzinierte.
Ja, und das Mittelalter fiel mir ein. Denn Größe und Gewicht der Sendung standen - trotz moderater Preise - in verblüffendem Unverhältnis zur innenliegenden Rechnung.
Manche Dinge ändern sich nämlich nie. Beispielsweise die Tatsache, daß gute Gewürze (fast) mit Gold aufgewogen werden.
Montag, 16. Mai 2016
Chicken & Co.
Im Bioladen gab es mal wieder Hühner, was nur dann passiert, wenn der 12. auf einen Donnerstag fällt. Oder so ähnlich. Jedenfalls ist die Methodik undurchschaubar. Und es darf einem mitnichten einfallen, seine Bestellung etwa erst 3 Tage vorher aufzugeben, obwohl die Hühner angeblich gaaaanz frisch geschlachtet werden. Also bat ich wider besseren Wissens um zwei halbe Hühner. Denn erstens könnte man für denselben Preis ungefähr eine (konventionelle) Schweinehälfte erwerben. Und wie der Ökobetrieb es schafft, die Tiere angeblich ohne Quälerei derart groß und fett zu kriegen, darüber will ich lieber nicht nachdenken. Denn die Viecher sind so enorm, daß eine Hälfte meistens problemlos für drei Tage, also 3 x 3 Portionen reicht. Da ich aber dank exzentrischer Verkaufstaktik nicht weiß, ob mir dieses Jahr nochmal eines zuteil werden wird, stellte ich mich seelisch & küchentechnisch auf eine Geflügelorgie ein.
Hälfte Nr. 1 warf ich nach diesem Rezept in einen Topf. Das mit den angekokelten Zwiebelhälften funktioniert übrigens tatsächlich: die Brühe wies, im Gegensatz zu meiner üblichen, bleichsüchtigen hausgemachten Bouillon, eine geradezu bilderbuchmäßig goldene Farbe auf.
Auch mit dem Risi-Pisi hat der gute Tim offensichtlich recht. Denn ich streute die Tiefkühlerbsen einfach zu dem anderen Kram ins Frikassee, was ihnen überhaupt nicht bekam. Sie waren am Ende grau-verkocht, statt knackig-grün. Und das mit dem Weißwein und dem Estragon war schlichtweg genial - noch nie ist mir ein besseres Hühnerfrikassee gelungen.
Das aßen wir also am Freitag und Samstag. Den Rest fror ich ein.
Heute, am Sonntag sollte es Chicken Tikka geben. Ebenfalls à la Tim. Ja, ich weiß. Da steht "Tandoori". Ich hatte aber keins. Stattdessen langweilt sich seit einer Ewigkeit ein angebrochenes Glas Tikka-Paste im Kühlschrank.
Um es vorwegzunehmen: es ist tatsächlich völlig schnurz, wie das Zeugs heißt, denn es hat hervorragend geschmeckt.
Allerdings streute ich drei gehackte Knoblauchzehen und dieselbe Menge zerkleinerten Ingwer ins Joghurt, dessen Menge ich verdreifachte, denn niemand außer einem Fernsehkoch hat stets & immerdar eine Schüssel parat, in die das zu Marinierende millimetergenau reinpaßt.
Außerdem muß es in diesem Hause Sauce geben, sonst sind meine Mitesser not amused. Und darüber schweigt sich Herr Mälzer aus.
Also bettete ich das Huhn heute Mittag aus seiner rosa Suppe in eine feuerfeste Form um, die ich für ein knappes Stündchen in den heißen Ofen stellte.
Derweil hackte ich eine Zwiebel, schwitzte sie an, rührte ein paar Eßlöffel Tomatenmark drunter, den Großteil der vom Hähnchen abgetropften Marinade (ja, ich weiß - das geht nur bei frischem Fleisch. Bei Tiefkühlware wäre dieselbe Prozedur ekelerregend), ungefähr eine Kaffeetasse Kokosmilch, etwas Zitronensaft und noch einen Löffel Honig.
Et voilà, eine Sauce wie vom zumindest mittelmäßig guten Inder.
Bloß mit der Beilage hatte ich ein Problem. Denn zu Hühnerfrikassee paßt nun mal nichts als Reis. Und für den schwärmen Alex und ich nicht so, daß wir ihn gern noch ein drittes Mal hätten essen wollen.
Also befragte ich das Internet-Orakel. Das spie dieses Rezept für Naan aus.
Weshalb ich ausgerechnet das Rezept den schätzungsweise siebenundvierzigtausend anderen vorgezogen habe? Wahrscheinlich, weil darin Schwarzkümmelsamen erwähnt werden, für die ich nicht nur eine Vorliebe habe, sondern von denen sich seit mindestens einem, wenn nicht mehr Jahren eine unangebrochene Packung in meiner Speisekammer rumtreibt.
Das Ergebnis war eßbar, wenn auch sehr zu meiner Enttäuschung völlig blasenfrei. Der Herstellungsprozeß allerdings war eine Strafe und das Ganze insgesamt eine exzellente Methode, um die Küche großflächig einzusauen.
Denn der Teig ist ein derart zähklebriger Schleim, daß sämtliche Schritte zwischen Gehenlassen und In-die-Pfanne-schmeißen im Grunde entfallen und durch "auf Teufel komm raus versuchen, einen kleineren Teil Teig abzutrennen, ihn irgendwie flachkriegen, ohne dabei Brüsseler Spitze herzustellen und das Gebilde halbwegs unfallfrei zum Herd bugsieren" ersetzt werden mußten.
Erschwerend kommt hinzu, daß die Fladen heiß serviert werden sollten. Das bedeutet, daß man im Prinzip einen küchenkompetenten Helfer bräuchte. Andernfalls sitzt einem beim Kampf mit der Hefe-Hydra auch noch ein rapide abkühlendes Hauptgericht im Nacken.
Fazit: in meinem nächsten Leben wohne ich an einem Ort, wo Bio-Hühnerfleisch nicht so rar ist, daß ich mich aufführen muß als sei es der Heilige Gral höchstpersönlich. Dann - und nur dann - backe ich vielleicht auch nochmal Naan.
Zum Nachtisch gab es Panna Cotta und Rhabarberkompott. Wenn ich früher gewußt hätte, wie außerordentlich einfach der
Sahneglibber herzustellen ist, hätte ich ihn schon öfter gemacht:
400 ml Sahne mit 50 Gramm Zucker und dem Mark einer Vanilleschote aufkochen. Ein Päckchen Gelatine drunterrühren. Fertig.
Nun muß ich bloß noch rausfinden, wie man verhindert, daß sich diese doofe Puddinghaut oben drauf bildet. Und das nächste Mal dran denken, das Kompott pünktlich vom Herd zu nehmen. Merke: Rhabarber schmeckt zwar nicht schlechter, wenn er verkocht ist, aber bräunlich-graue Suppe mit Fädchen drin sieht wenig anheimelnd aus.
Montag, 9. Mai 2016
Traumata
Eines meiner Geburtstagsbücher war "Wann wird es endlich so, wie es nie war" von Joachim Meyerhoff.
Es ist nicht schlecht geschrieben, finde ich, aber insgesamt doch eher ein Armutszeugnis für die zeitgenössische deutsche Literatur und/oder die Lektürevorlieben der deutschen Leserschaft, daß dies ein Spiegel-Bestseller geworden sein soll. Ich zumindest klappte es nach der letzten Seite wieder zu und dachte mir 'Nix als Dönekens. Umfassend pointless. Und insofern: welche Zeitverschwendung.'
Für einen weiteren schwerwiegenden Einwand, den ich gegen dieses Buch habe, kann der Autor allerdings gar nichts. Er schildert nur in viel zu vielen Anekdoten, wie es war, als jüngster Sohn des Direktors einer psychiatrischen Anstalt auf deren Gelände aufzuwachsen. Und wenngleich ich meine eigene Kindheit damit nicht im geringsten vergleichen will, beschwor das Buch bei mir doch haufenweise Erinnerungen herauf.
Daran, wie mein Bruder seinen Freunden demonstrierte, daß ich - obzwar noch nicht in der Lage, einen vollständigen Satz zu bilden - bereits fehlerfrei "Butazolidinspritze" sagen konnte.
Daran, daß ich, statt Häuser, Sonnen und Strichmännchen zu malen, meinen Puppen Krankenscheine ausstellte.
Daran, wie ich - in relativ zartem Alter eines Abends für ein Stündchen alleingelassen - auf energisches Klingeln hin die Haustür einem Unbekannten öffnete, der sich eine Waschschüssel unter's Kinn hielt, in die er ausgiebig hineinblutete. (Übrigens bat ich den Patienten in aller Seelenruhe ins Wartezimmer, ehe ich zum Telefon schritt um meinen Vater zu alarmieren.)
Heute traf ein weiteres Geburtstagspäckchen ein. Ich will mich keineswegs über die paar Tage Verspätung beschweren, denn Geschenke kann ich einfach nie genug kriegen, daher ist mir wirklich ganz egal, wann sie eintreffen.
Also packte ich aus und freute mich. Dann hielt ich das Präsent meiner Mutter unter die Nase.
"Sieh mal! Gleich zwei von der Sorte hab' ich gekriegt - das andere ist hellgrün. Ist das nicht praktisch?"
Begeistert quetschte ich zu Demonstrationszwecken den Behälter zusammen.
"Aha", stellte meine Mutter interessiert fest, "Du hast also ein... Klistier bekommen. Von wem ist das denn?"
Mitnichten. Die Fläschchen sind die moderne Version der Spritztüte. Um beispielsweise Weihnachtsplätzchen zu dekorieren. Aber nun wird mein Blick darauf nie wieder derselbe sein.
Es ist nicht schlecht geschrieben, finde ich, aber insgesamt doch eher ein Armutszeugnis für die zeitgenössische deutsche Literatur und/oder die Lektürevorlieben der deutschen Leserschaft, daß dies ein Spiegel-Bestseller geworden sein soll. Ich zumindest klappte es nach der letzten Seite wieder zu und dachte mir 'Nix als Dönekens. Umfassend pointless. Und insofern: welche Zeitverschwendung.'
Für einen weiteren schwerwiegenden Einwand, den ich gegen dieses Buch habe, kann der Autor allerdings gar nichts. Er schildert nur in viel zu vielen Anekdoten, wie es war, als jüngster Sohn des Direktors einer psychiatrischen Anstalt auf deren Gelände aufzuwachsen. Und wenngleich ich meine eigene Kindheit damit nicht im geringsten vergleichen will, beschwor das Buch bei mir doch haufenweise Erinnerungen herauf.
Daran, wie mein Bruder seinen Freunden demonstrierte, daß ich - obzwar noch nicht in der Lage, einen vollständigen Satz zu bilden - bereits fehlerfrei "Butazolidinspritze" sagen konnte.
Daran, daß ich, statt Häuser, Sonnen und Strichmännchen zu malen, meinen Puppen Krankenscheine ausstellte.
Daran, wie ich - in relativ zartem Alter eines Abends für ein Stündchen alleingelassen - auf energisches Klingeln hin die Haustür einem Unbekannten öffnete, der sich eine Waschschüssel unter's Kinn hielt, in die er ausgiebig hineinblutete. (Übrigens bat ich den Patienten in aller Seelenruhe ins Wartezimmer, ehe ich zum Telefon schritt um meinen Vater zu alarmieren.)
Heute traf ein weiteres Geburtstagspäckchen ein. Ich will mich keineswegs über die paar Tage Verspätung beschweren, denn Geschenke kann ich einfach nie genug kriegen, daher ist mir wirklich ganz egal, wann sie eintreffen.
Also packte ich aus und freute mich. Dann hielt ich das Präsent meiner Mutter unter die Nase.
"Sieh mal! Gleich zwei von der Sorte hab' ich gekriegt - das andere ist hellgrün. Ist das nicht praktisch?"
Begeistert quetschte ich zu Demonstrationszwecken den Behälter zusammen.
"Aha", stellte meine Mutter interessiert fest, "Du hast also ein... Klistier bekommen. Von wem ist das denn?"
Mitnichten. Die Fläschchen sind die moderne Version der Spritztüte. Um beispielsweise Weihnachtsplätzchen zu dekorieren. Aber nun wird mein Blick darauf nie wieder derselbe sein.
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