Montag, 21. März 2016

Die etwas andere Linsensuppe

 
Ich gestehe, es kostet mich gewisse Überwindung, länger Kochblogs zu durchforsten. Dieser Superlativ-Tsunami von weltallerbesten Rezepten - notfalls sogar für hartgekochte Eier - erzeugt bei mir in ähnlicher Geschwindigkeit an Ekel grenzenden Überdruß wie der Anblick des Kätzchens, das aus der Hölle kam. Vielleicht wäre es nicht schlecht, wenn google einen Farbcode einführte? 
Kränkliches Schweinchenrosa: Bloggerin hält es für sinnvoll, die Mikrowelle mit handgestencillten Fröschen zu dekorieren und leidet an einer speziellen Form von Sehnenscheidenentzündung, die sie zwingt die Ausrufezeichentaste gedrückt zu halten.
Rettungswagenrot: Orthographiealarm! Es ist bekannt, daß manglende Rechtschreibkenntnisse sich ähnlich beunruhigend vermehren wie Kleiderläuse. Beides möchte niemand unentwegt bildhaft vor Augen geführt kriegen. 
Vogue-Schwarz: Blog aspiriert auf einen Design-Award. Berauscht von hinreißend komponierten Photographien und makellosem Layout klickt man sich zwanghaft durch Rezepte für "Low-carb Vanillesülze mit Ras-El-Hanout an Chia-Samen unter Lavendelöl-Schoko-Vinaigrette", die vielleicht nicht der Kalorien, wohl aber jeden praktischen Nährwertes entbehren.

Mitten im schönsten Schreiben wurde ich von Selbstzweifeln überfallen. Sollte ich anstandshalber erwähnen, aus welchen Blogs ich die Rezepte für die oben sträflich unprofessionell abgebildeten Suppen habe? So von wegen Urheberschaft? Obwohl ich zumindest das eine in puncto Mengen und Zutaten deutlich verändert habe? Eine kurze Google-Suche befreite mich von jeglichem Schuldgefühl. In Foodblogs wird allerorten schamlos abgekupfert und zwar notorisch ohne irgendeinen Quellenvermerk. 

Daher präsentiere ich Ihnen kurzerhand ganz schamlos als Eigenkreation zwei Suppen, die - überflüssig, dies hinzuzufügen - selbstverständlich zu den allerbesten dieser Erde gehören, super-yummy, mega-lecker, hyper-köstlich, könnte-ich-mich-von-ernähren, möchte-ich-am-liebsten-jeden-Tag-essen, bla-bla-bla, et cetera, ad nauseam.
Vegan, oder zumindest vegetarisch sind sie außerdem. Aber das ist nun wirklich reiner Zufall. Ehrenwort.

Maissuppe (Foto rechts)
600 g Mais, TK oder aus der Dose. Oder frisch. Wenn Sie Arbeit brauchen.
1 großzügige Handvoll Zwiebeln
1 gelbe oder rote Paprika, auch beides (s.u.)
3 Knoblauchzehen (mindestens)
800 ml Gemüsebrühe
Sahne, Milch, oder - ganz vegan! - Kokosmilch nach Belieben
1 daumennagelgroßes Stück Ingwer, fein zerkleinert
1 Teelöffel Kurkuma (für die Farbe, kann man auch weglassen)
1 Hauch Chili
Olivenöl zum Anschwitzen
Salz
Pfeffer
evtl. eine kleingewürfelte rote Paprikaschote als Einlage nach dem Pürieren, daher separat in etwas Öl angebraten. Für's Foto im Blog. Oder für Gäste, die behaupten, das Auge äße mit.

Gehackte Zwiebeln und Knoblauch gründlich (!) anschwitzen, Paprika und Ingwer hinzufügen. Weiter schmurgeln. Kurkuma und Chili drüberstreuen. Mais dazukippen. Umrühren. Mit Brühe aufgießen, 5 bis 15 Minuten kochen lassen, pürieren, abschmecken. Fertig. 

Die Suppe schmeckt erstaunlich gut - und zwar nicht nur angesichts des niederschmetternd banalen Rezepts. Allerdings habe ich mir die angeblich dazugehörenden Käsescones (brr!) geschenkt. Die würden natürlich an Arbeit das wieder wettmachen, was man bei der Suppe eingespart hat. 
Und mich haben die pürierstabresistenten Maishäutchen so gestört, daß ich es für nötig halte, die Suppe durch die Flotte Lotte zu gießen. Oder mir doch mal ein potenteres Gerät zuzulegen.

Das Ausgangsrezept gibt außerdem Zitronensaft vor, was im Verein mit der Sahne wieder mal zu vorhersehbaren Ergebnissen führen wird. Ich fand ihn aber auch nicht nötig.
Und ein Schuß Sahne reichte mir ausnahmsweise völlig.

Die Zutatenliste für die Suppe aus roten Linsen mit Tomaten und Kokosmilch ist etwas länger. Zufällig hatte ich fast alles im Haus - bis auf die Möhren, die ich daher fröhlich wegließ. Was aber nur gut war. Denn die getreulich nach Rezept hergestellte Pampe war sowieso viel zu linsenbreiig. 800 ml Gemüsebrühe für 300 g Linsen und dieses ganze Gemüse? Ha! Erst am nächsten Tag und nach gehöriger Orangensaftdosis fand ich das Ergebnis wirklich genießbar. Hier das modifizierte Rezept:

Linsen-Kokos-Suppe
1 gehackte Zwiebel
2 bis 3 gehackte Knoblauchzehen
1 Fenchelknolle, gehobelt oder fein geschnitten
1 daumengroßes Stück Ingwer, feingehackt
evtl. ein paar Möhren, gehackt. Falls Sie welche dahaben. Und sie mögen.
2 - 3 Teel Kurkuma
2 Teel Currypulver
200 g rote Linsen*
ca. 500 bis 800 ml Gemüsebrühe
2 Dosen Datteltomaten (Edeka) oder 1 große Dose geschälte Tomaten
1 Dose Kokosmilch
Saft von 2 oder mehr Orangen
evtl. etwas Chili, kommt auf Ihr Currypulver an
Salz
Pfeffer

Zwiebel und Knoblauch in reichlich Olivenöl anschwitzen. Fenchel dazu, Ingwer dito. Ggf. Möhren. Ebenfalls anschmoren. Kurkuma und Currypulver darüberstreuen und umrühren.
Linsen dazuschütten, mit Gemüsebrühe aufgießen, zehn Minuten köcheln lassen. Tomaten hinzufügen, weitere 10 Minuten köcheln lassen. Schlußendlich mit dem Pürierstab durchmixen und die Kokosmilch unterrühren. Orangensaft dito. Abschmecken mit Salz, Pfeffer und etwas Zitronensaft.

Statt der vorgeschriebenen Dose Kokosmilch hatte ich übrigens nur noch einen dieser Tetrapacks im Haus, deren Inhalt so fetthaltig ist, daß selbst ich mich davor graule. Der ist am Ende trotzdem bis zum letzten Tropfen und Krümel in der Suppe gelandet.
Gnade Ihnen also der Küchengott, wenn Sie Kalorien sparen und daher keine ordentliche Kokosmilch verwenden möchten. Dann wird sie nämlich nur mehlig schmecken.
Es hat ja seinen guten Grund, daß normalerweise reichlich Speck in eine Linsensuppe gehört.

*Rote Linsen geben erstens eine hübschere Farbe und sind zweitens ruck-zuck gar. Aber wenn Ihnen Optik und Kochzeit egal sind, können Sie natürlich auch andersfarbige verwenden.

Nach einhelliger Meinung der Testesser schmeckt die Suppe nicht schlecht, würde aber durch eine Einlage noch gewinnen. Mangowürfel beispielsweise. Kroß gebratene Speckscheibchen. Irgendwas nicht-stärkehaltiges, un-gemüsiges.
PS: 24 Stunden und eine großzügige Dosis Orangensaft später lautete das Verdikt trotz immer noch fehlender Einlage deutlich begeisterter.

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