In mancher Hinsicht finde ich Spanien deutlich zivilisierter als Deutschland.
Erstens bekommt man dort problemlos ordentlichen Kabeljau. Zweitens sind intelligente Gemüsehändler verbreitet, die sich höflich erkundigen, wann man ihre Avocados oder Mangos zu essen gedenkt und einem die Früchte daraufhin tatsächlich im entsprechenden Reifezustand verkaufen.
Drittens wird zum Dessert häufig Kuchen serviert. Das erspart einem nicht nur eine zusätzliche Mahlzeit, weil Kaffee & Kuchen in Spanien schlicht unbekannt ist, man gerät auch nicht in Gefahr, auf einem Haufen fiddelig herzustellender Bayerischer Creme sitzenzubleiben, die überdies nicht lange hält.
Entsprechend bevorzuge ich Rezepte, die am Ende keinen sättigenden Blechkuchen ergeben. (Wir wollen hier bitte nicht davon sprechen, daß mein Hefeteig waffenscheinpflichtig ist. Mit dem letzten hätte man Löcher in Panzerglasscheiben werfen können.)
Der Name meines absoluten Lieblingskuchens rührt daher, daß meine Großmutter über ein fortschrittliches Elektrogerät verfügte, das aussah wie ein überdimensionierter Eierkocher ohne Einsatz, dafür mit Glasscheibe im Deckel. Es hieß "Küchenwunder" und in ihm konnte Kuchen gebacken werden, ohne daß der gemauerte Herd angeheizt werden mußte, was in der warmen Jahreszeit von entscheidendem Vorteil war.
Haselnußkuchen (Küchenwunder, Werder)
100 g Butter (zimmerwarm)
1/2 Pfund Zucker
6 Eier
Zitrone und Vanille nach Geschmack
50 g Mehl
1/2 Backpulver (auch weniger)
1/2 Pfund Haselnußkerne, gemahlen
Ich reibe die Schale einer Zitrone in den Teig und nehme viel selbstgemachten Vanillezucker, der weniger intensiv schmeckt als die Tütchen. Ein halber Teelöffel Backpulver reicht auch, wie ich festgestellt habe. Wahrscheinlich kann man es sogar ganz weglassen, weil die Eier als Treibmittel genügen.
Die Zutaten in der angegebenen Reihenfolge miteinander verrühren, in eine lange Kastenform füllen und ungefähr eine knappe Dreiviertelstunde im mittelheißen Ofen backen - eben genau so lange, bis nur noch Krümel am berühmten Holzstäbchen kleben.
Anschließend wird der Kuchen gestürzt und mit Zuckerglasur überzogen, in die ich noch etwas Zitronensaft rühre.
Der Kuchen ist sehr saftig und delikat, ohne klitschig zu sein. Eben mehr Konfekt als Kuchen. Machen Sie sich darauf gefaßt, daß Sie nach dem Rezept gefragt werden, wenn Sie ihn jemandem anbieten.
Wie lange er haltbar ist weiß ich nicht, weil er in meinem Haushalt immer blitzartig verdunstet.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen