"Was kocht die Frau an den Tagen, über die sie nicht bloggt?", höre ich meine nichtvorhandene Leserschaft fragen.
"Und wieso gibt es so selten Fleisch bei ihr? Obwohl sie doch ganz offensichtlich keine Vegetarierin ist?"
Tja. Nun. Meine Mutter verabscheut Wild, Lamm, Geflügel, sämtliche Innereien aller Tiere und Braten jeglicher Art. Allerdings mag sie fast sämtliche Gemüsesorten, liebt Seefisch, Reis, Königsberger Klopse (die süddeutsche Variante, nämlich ohne Sardellen), Rouladen, Tafelspitz mit Meerettichsauce, Frikadellen/Fleischpflanzerln und Pasta mit Sahne-, Käse- oder Tomatensauce. Kartoffeln müssen manchmal - Reibekuchen! -, dürfen aber nicht zu oft auf den Tisch kommen, genau wie Gulasch oder Osso Buco.
All das kann ich inzwischen praktisch im Schlaf. Falls Sie für eines oder mehrere dieser Gerichte gern mein Rezept hätten, sagen Sie einfach Bescheid, ja?
Der Hauself hingegen ist als echter Preuße auf Kartoffeln geeicht. Dafür schleudert er Bannflüche gegen alles, was von Konservierungsmitteln begleitet die Küche betritt. Und er hätte am liebsten Fleisch von ihm möglichst persönlich bekannten Tieren im Topf. Da bin ich ganz seiner Ansicht. Vorausgesetzt, es handelt sich nicht gerade um den alten Schafbock unserer Mini-Herde.
Es gibt aber in der Umgebung unseres Wohnorts keinen Anbieter von Bio-Fleisch.
Also schummle ich mich so durch. Mit etwas konventionellem Hackfleisch hie und da - das im örtlichen Edeka zumindest frisch durch die Maschine gelassen wird. Man lernt hier rasch, auch für Kleinigkeiten dankbar zu sein -, mit Speck aus dem Bio-Laden (falls sie welchen dahaben), Eiern und Gemüse. Und weil mir nach vier Jahren der Wirsing zu den Ohren rauswächst, der neben Reibekuchen zu den wenigen Gerichten gehört, von denen meine beiden Mitbewohner gleichermaßen begeistert sind, versuche ich das küchentechnische Alltagseinerlei zumindest durch neue Rezepte - wenn auch mit meist altbekannten Zutaten - aufzulockern.
Meinen persönlichen Zu- und Abneigungen gebe ich dabei wenig Raum. Ich mache sogar Möhrengemüse, obwohl mir schon allein von seinem Geruch übel wird. Aber wie ich bereits sagte: Kochen ist etwas, was ich für andere Leute tue.
Trotzdem war ich recht dankbar, als ich in der Zeit endlich ein akzeptabel klingendes Rezept für Kohlrouladen fand. Gegen die habe ich nämlich was: sie machen Arbeit, und das bei einem in meinen Augen völlig unbefriedigenden Endergebnis. Denn diesen gedämpften Hackklops im Inneren der Kohlblätter gäbe ich am liebsten dem Hund. Wenn wir einen hätten. (Haustiere gehören, im Verein mit auch nur minimal exotischen Haartrachten und jeder Form von Körperschmuck, ebenfalls zu den zahlreichen Dingen, die meine Mutter restlos überflüssig findet.)
Außerdem stellt die Sauce erfahrungsgemäß ein unlösbares Problem dar. Entweder ist es zuviel, weil sie nach nichts schmeckt. Oder sie ist gut, dann ist viel zu wenig von ihr da.
Nahöstliche Kohlrouladen
8 Blätter vom Spitzkohl (nächstes Mal nehme ich mehr und wickle sie doppelt)
Öl
2 kleine Zwiebeln
1 Knoblauchzehe
1 Teel gemahlener Kreuzkümmel
1 kleine rote Chilischote (ohne Kerne, gehackt) - bei mir ersetzt durch einen Hauch Chilipulver
Salz
400 g Lammhack - ha! Als ob man sowas hier bekommen könnte! Bei mir daher ersetzt durch gemischtes Hackfleisch
Schale und Saft von 1 unbehandelten Zitrone
150 ml Wasser - bei mir ersetzt durch mindestens 300 ml Blutorangensaft
Holzzahnstocher
Die Herstellung funktioniert zunächst genauso wie bei gewöhnlichen Kohlrouladen. Also Kohl blanchieren, Blätter abpellen, dicke Strünke rausschneiden, ausbreiten. Das Besondere ist, daß das Hack in Öl mit Zwiebeln, Knoblauch, Gewürzen und Zitronenschale gründlich angebraten und mit dem Saft einer halben Zitrone abgelöscht wird - einkochen lassen! -, ehe man es einwickelt und zusammensteckt.
Anmerkung: Nie und nimmer werde ich verstehen, wie professionelle Köche angeblich zuerst Zwiebeln und Knoblauch anschwitzen, ehe sie das Hackfleisch dazugeben und anbraten. Bei mir geht das prinzipiell umgekehrt. Denn Hackfleisch braucht bei mir a) hohe Temperatur und b) ewig, bis es auch nur ein bißchen braun wird. Natürlich ist es möglich, daß diese Brater an Orten leben, an denen sie Fleisch bekommen, das nicht beim ersten Topfkontakt mehr Wasser absondert als ein Sumoringer in der Sauna.
Die Päckchen in einen Topf setzen, noch ein wenig anschmoren (das steht nicht im Rezept, aber stellenweise gebräunter Kohl schmeckt einfach besser, finden wir), mit der Flüssigkeit aufgießen und im geschlossenen Topf bei mittlerer Hitze 30 Minuten lang garschmurgeln.
Das mit dem Saft war eine geniale Augenblicksinspiration (sagte sie und klopfte sich selber wohlgefällig auf die Schulter).
Angesichts
dessen, daß man sich das Hackfleischgemansche in der Schüssel spart,
ist es zumindest auch nicht mühsamer als konventionelle Krautwickel.
Und ich fand jedenfalls das Ergebnis ziemlich delikat. Obwohl ich zugebe, daß diesmal die Menge nur für 4 Personen berechnet war und ich auch nicht mehr genommen habe. Vielleicht lag es also nur daran, daß nichts übriggeblieben ist.
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