Dort, wo ich herkomme, heißen Reibekuchen "Dootsch". Oder allenfalls "Reibadatschi". Und ich mochte sie nie. Fettig, undefinierbar, da weder süß noch salzig. Geschmack und Konsistenz wie aufgewärmter Kartoffelbrei. Dazu noch labbrig. Jedenfalls meiner Erinnerung nach. Weil bei uns daheim um Punkt 12 zu Mittag gegessen wurde und mein Vater so ein albernes, langwieriges Gefiddel und Gerenne nicht geduldet hätte wie es nötig gewesen wäre, um diese Flatschen frisch gebacken zu servieren. Stattdessen kamen sie - genau wie Pfannekuchen - fix & fertig in ordentlichen Stapeln auf einem großen Teller aus der Küche. So daß sie in der Mitte schön durchweichten, während die Ränder vor sich hintrockneten.
Von mir aus wäre ich also nicht auf die Idee gekommen, Reibekuchen herzustellen. Nur daß meine Mutter und der Hauself unisono glänzende Augen bekamen, als eines Tages die Rede darauf kam.
Also ließ ich mir von meiner Nana das Rezept geben.
(Keine) Reibekuchen
4 wirklich große Kartoffeln, fein (oder grob) gerieben
1 Ei
2 bis 3 Eßlöffel Haferflocken
1 großzügige Prise Salz. Oder 2.
Viel Butter zum Backen
Man schält und reibt die Kartoffeln, sagte meine Nana. Dann drückt man die Masse mit der Hand am Schüsselrand aus und befördert sie in ein zweite Schüssel. Den abgelaufenen Saft stehenlassen. In der zweiten Schüssel verrührt man die Kartoffelpampe mit Ei, Haferflocken und Salz. Dann gießt man das überstehende Wasser aus der Saftschüssel vorsichtig ab, bis nur noch der Satz von Kartoffelmehl übrig ist. Den schüttet man ebenfalls zur Kartoffelmasse. Dann erhitzt man in einer Pfanne ein Stück Butter, gibt eßlöffelweise Masse hinein und brät die Reibekuchen von beiden Seiten schön goldbraun. Selbstverständlich muß man sie frisch servieren, während die Esser schon am Tisch sitzen und ungeduldig das (nächste) Ergebnis erwarten.
Anschließend betrachtete ich mißmutig meine diversen Reiben und noch unversehrten Fingerknöchel. Daraufhin holte ich die Küchenmaschine aus dem Schrank. Die ist nicht mehr ganz vollständig und verfügt nur noch über die etwas gröbere Reibe. Beim Entnehmen der Kartoffelfitzel wunderte ich mich über nichtvorhandenen Saft. Ließ also das Getüddel mit dem Kartoffelmehl mangels Masse weg, verfuhr aber sonst wie vorgeschrieben. Nur muß man die Kartoffelmasse in der Pfanne ordentlich flachdrücken, wie ich feststellte, denn sie zerläuft nicht. Aber wundervoll golden werden diese Reibekuchen. Und knusprig! Soferne man an der Butter nicht spart.
Als ich neugierig ein Stückchen abpflückte und probierte, gingen mir die Augen auf. Die Dinger schmecken tatsächlich. Genaugenommen sind sie sogar verflixt gut.
Daß meine üblichen Mit-Esser nicht mal mehr Apfelmus oder Salat dazu wünschen, weil sie behaupten, Beilagen würden nur von der Hauptsache ablenken, spricht vermutlich für sich.
Beim nächsten Besuch bei meiner Nana hatte ich das Aha-Erlebnis. Sie verwendtete nämlich die ganz feine Reibe. Die, mithilfe derer ich Zitronenschale abreibe, die ich anschließend mühsam aus den Ritzen polken muß. Dabei tritt sehr wohl ein Haufen Saft aus. Und das Ergebnis schmeckte vorschriftsmäßig. Undefinierbar. Wie aufgewärmter Kartoffelbrei.
Nun, Sie haben sicher eine vollständige Küchenmaschine und somit die Wahl.
mmhhh...., darauf hätte ich auch mal wieder Lust! Ist nur niemand da, um mich, mit Besteck armiert am Tisch sitzend, mit diesen Knusperplätzchen zu verwöhnen....
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