Montag, 29. Februar 2016

Nachtisch für Charakterschwache - Flan

Ich kann übrigens nicht kochen. Jedenfalls nicht so, wie es eine gute Hausfrau kann. Das macht sich in der Küche bemerkbar. Sogenannte einfache Gerichte wie Kalbsleber mit Zwiebeln, Äpfeln und Kartoffelbrei wecken blankes Entsetzen in meinen Augen. 
Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, daß außer der Göttin Kali - das ist doch die mit den drei oder vier Paar Händen, nicht? -  irgendwer imstande ist, eine derartige Mahlzeit zuzubereiten, ohne am Ende schweißgebadet am Eßtisch zusammenzubrechen. 

Fängt man mit den Äpfeln an, dann zerfallen sie am Ende. Die Kalbsleber wird hart, wenn sie auch nur eine Minute zu lange in der Pfanne bleibt. Bei den frittierten Zwiebelringen gilt es, exakt den Moment der Knusprigkeit zu erwischen, ehe sie schwarz werden. Und nichts schmeckt scheußlicher als abgestandenes Kartoffelpüree. Weshalb die Köchin in den letzten zehn Minuten wie eine Irre abwechselnd in vier Behältnissen Heißes rührt, fischt, wendet und zerdrückt, ohne deshalb am Ende etwas zustande gebracht zu haben was irgendwer erwähnenswert fände. 
Nicht mit mir. Nicht, wenn es sich vermeiden läßt.

Ein ideales Gericht besteht für mich darin, möglichst schon am Vortag die Zutaten zusammenzurühren, in den Ofen zu schieben oder auf kleiner Flamme aufzusetzen, um sie alsdann fröhlich zu vergessen. Damit ich Terry Pratchett lesen gehen kann. Oder Spider Solitaire spielen. 
Vegetatives Kochen, gewissermaßen.
Falls Sie daraus schließen, daß ich in Punkto Faulheit Garfield Konkurrenz mache, dann liegen Sie leider völlig richtig.

Als Dessert für ganz Faule eignet sich nichts besser als Flan. (Wenn Sie außerdem verfressen sind und edlen Pudding mögen - umso besser.) Flan war das Pièce de resistance eines der Hausmädchen meiner Eltern und wurde nur zu sehr hohen Festtagen zubereitet. Er machte nämlich entsetzlich viel Arbeit. Fasziniert sah ich als Kind zu, wie Resi sich abmühte, die Jenaer Glasform gleichmäßig mit sekündlich härter werdendem Karamell auszukleiden.

Beim Abkühlen entwickelt diese braune Schicht übrigens unter  hörbarem Knistern und Knacken eine Art Craquelée aus Sprüngen. Lassen Sie sich davon nicht beunruhigen. Das gehört sich so.

Viele Jahre später ging ich nach Spanien und sah einer routinierten galicischen Hausfrau bei der Herstellung zu. 
Sie warf zunächst eine großzügige Handvoll Zucker in eine Pfanne. Die beobachtete sie aus den Augenwinkeln, während sie in einer Schüssel Milch, Eier und weiteren Zucker zusammenrührte und nachlässig Zitronenschale in die Mischung rieb. Das dauerte ungefähr so lange, bis der Zucker zu schmelzen begann. Daraufhin rüttelte sie ein wenig an der Pfanne, bis die Karamellpfütze sich fast über den ganzen Pfannenboden ausgebreitet hatte. Dann goß sie sie umstandslos in eine feuerfeste Form, rührte noch einmal in der Eiermilch, schüttete sie über den Bodensatz von geschmolzenem Zucker, goß heißes Wasser in ein tiefes Backblech, stellte die Form hinein, schaltete den Ofen ein und vergaß das Ganze für ein knappes Stündchen. 
Das war's. Weniger aufregend als die Zubereitung von Oetker-Schokoladenpudding, dabei ungleich effektvoller.

Um den Zuckerkleb aus der Pfanne zu entfernen reicht es übrigens, sie mit heißem Wasser zu füllen und abzuwarten. Im Geschirrspüler wird sie auch sauber. (Vegetatives Putzen®)

Flan
150 g Zucker für den Karamell
5 Eier
3/4 l Milch
5-6 Eßl Zucker
das Abgeriebene von einer Zitrone

Zubereitung: siehe oben. Am folgenden Tag mit der Messerspitze den Rand sorgfältig von der Form lösen und den Inhalt auf eine tiefe Platte oder in eine flache Schüssel stürzen. Das ist deshalb geboten, weil der nunmehr flüssig gewordene Karamell dekorativ an den Seiten des Puddings herunterrinnt. 

Ich weiß, 5 Eier, das klingt nach ungeheuer viel. Aber man kriegt, je nach Eßfreudigkeit der Gäste, 8 bis 10 vornehme Portionen raus. So schlimm ist es also am Ende gar nicht.

In spanischen Restaurants bekommt man häufig Schlagsahne dazu angeboten, oder die Oberseite des Puddings wird mit einer Mischung aus gehackten Pistazien, Mandeln und etwas festem Honig dekoriert. Aber das sind in meinen Augen gänzlich überflüssige Verschönerungen. 

Allerdings gibt es eine noch wesentlich köstlichere Variante, bei der man zwei bis drei Äpfel schält, achtelt und in sehr wenig Wasser mit etwas Zucker ein paar Minuten lang dünstet. Die Apfelspalten schüttet man zum Schluß in die gefüllte Flan-Form, ehe sie ins Wasserbad kommt. Das Problem dabei ist, daß sich dafür eigentlich nur Renetten eignen. Jedenfalls behauptete das Doña Digna, die es wissen muß. Und diese Apfelsorte gibt es hier meines Wissens selten oder nie zu kaufen. Aber im Vorgarten hätte vielleicht noch ein Bäumchen Platz. Lohnen würde es sich.

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