Sonntag, 6. März 2016

Über Kochbücher im allgemeinen und Kichererbsencurry im besonderen

Auf der Suche nach Anti-Langeweile-Rezepten stelle ich mich ganz altmodisch vor das Regal mit meinen Kochbüchern. Siebeck! Der kochte doch gut? 
Aha - Cassoulet. Bohneneintopf. Ich lese und spüre schon bei der Aufzählung der Zutaten erste Symptome einer Gallenkolik.
Für 6 Personen nehme man auf 500 g getrocknete weiße Bohnen:
1500 g Gänsefleisch
300 g Lammschulter ohne Knochen
300 g Schweinekoteletts ohne Knochen
300 g Knoblauch-Kochwurst
250 g geräucherten, durchwachsenen Bauchspeck
Ein paar Tomaten kommen auch noch rein, aber egal - ich überschlage und komme auf ein knappes Pfund Fleisch. Pro Person.

Bei aller Liebe zu Kalorien - das ist zuviel des Guten. Mal ganz davon zu schweigen, daß an der Fleischtheke des hiesigen Edeka bereits der Wunsch nach schlichtem Kalbfleisch als exotisch gilt und daher leider unerfüllbar ist.

Nudelteig wollte ich schon längst mal wieder machen. Mal Ravioli spielen, das wäre doch sicher unterhaltsam? Sieh an, ich besitze sogar ein ganzes Buch mit dem Titel "Gefüllte Nudeln". Schwarzwurzel-Tomaten-Lasagne? Och, nee. Avocado-Ravioli mit Mohnsauce? Wie bitte? Tatsächlich. Die Ravioli werden mit Avocadopüree gefüllt. Und mit Quark! Schaudernd blättere ich weiter durch die kulinarische Geisterbahn. Tortellini mit frischen Tomaten? Das klingt doch annehmbar. Und was befindet sich in den Tortellini? Nun, denaturiertes Eiweiß, wenn es nach dem Kochbuchschreiber geht. Denn die Hauptzutat sind "400 g Tortellini (Fertigprodukt)". 
Na bitte! Ein bißchen Platz im Regal. Denn dieses Buch gehört entschieden in den Müll. Nur habe ich immer noch kein Rezept für morgen. 

Mein Blick fällt auf ein Buch über Thailändische Küche, das dicker ist als hoch und mit dem mich eine entschiedene Haßliebe verbindet. Erstens sind die Rezepte derart kleingedruckt, daß dafür selbst ein Maulwurf eine Lupe bräuchte. Zweitens spielt es nicht die geringste Rolle, wie lang die Einkaufszettel sind, die ich dem Hauself für seine Fahrten nach Berlin mitgebe. Kaffirlimettenblätter, Worcestersauce, Fischsauce, Reisessig, sogar Hoisinsauce und Tamarinde habe ich inzwischen erfolgreich importiert. Trotzdem stellt sich bei nochmaligem Durchlesen des Rezepts jedes Mal raus, daß doch irgendeine, sehr wahrscheinlich entscheidende Zutat fehlt. Getrocknete Krabben, beispielsweise. Ein Bund Koriander (Mist, schon wieder die Einsaat vergessen). Frische Mungobohnensprossen.
Allmählich bin ich sicher, daß das Buch klammheimlich die Ingredienzien immer gerade um das erweitert, was ich nicht habe. Wahrscheinlich hat es sich mit meiner vom Teufel besessenen Speisekammer verbündet, die den Puderzucker in Granit verwandelt, mysteriöserweise das Mehl verschlingt und Ñoras in die Dose füllt, in der eigentlich Linsen sein sollten.

"Das Grosse Buch der Vegetarischen Küche" ließ mich endlich fündig werden. Dachte ich. Ich rate aber dringend davon ab, das nachstehende Rezept unverändert zu verwenden.

Kichererbsencurry
2 Zwiebeln
4 Knoblauchzehen
1 Eßl geklärte Butter oder Öl
1 Teel Chilipulver
1 Teel Salz
1 Teel Kurkuma
1 Teel Paprikapulver
1 Eßl gemahlener Kreuzkümmel
1 Eßl gemahlener Koriander
880 g Kichererbsen aus der Dose, abgetropft
440 g gehackte Tomaten aus der Dose, mit Saft
1 Teel Garam Masala

Zwiebeln in Ringe schneiden, Knoblauch hacken, beides anschwitzen, dann Gewürze dazu (außer dem Curry), dann Kichererbsen und Tomaten zufügen, ein Weilchen schmurgeln lassen, zum Schluß das Garam Masala unterrühren.

Wieder mal frage ich mich, ob die Kochbuchschreiber jemals dieses Rezept nachgekocht haben. Ich nahm 250 g getrocknete Kichererbsen, weichte sie ein, kochte sie und hatte am Ende garantiert keine 880 Gramm. Trotzdem reichte nicht mal das Doppelte der Tomatenmenge. Überdies habe ich zwei etwas überalterte, aber noch saftige Orangen hineinfiletiert und mußte zwischendurch immer mal hektisch rühren, weil ständig Anbrennalarm herrschte.

Ein Eßlöffel Kreuzkümmel ist entschieden zuviel, der Teelöffel Curry viel zu wenig - anderthalb Eßlöffel träfe es eher. Dazu noch ein Eßlöffel brauner Zucker (der mag durch die Orangen erforderlich geworden sein) und jede Menge Öl zusätzlich.

  Das Ergebnis war eßbar. In Maßen.
Meine Mutter aß genau eine Gabel voll und rührte anschließend verzweifelt im Teller, weshalb ich ihr stattdessen Weetabix servierte. Die Überdosis Kreuzkümmel hatte offensichtlich selbst ihre ziemlich alterstauben Geschmacksnerven unangenehm getroffen. 
Der Hauself bezeichnete das Essen als "langweilig". Eine wahrhaft bemerkenswerte Feststellung aus dem Munde eines Mannes, der imstande ist, von Pellkartoffeln mit Quark zu leben. Auf Nachfrage stellte sich raus, daß er lieber noch eine weitere Zutat - Fleisch oder Gemüse - im Topf gesehen hätte.
Ich selber fand auch, daß dem Gericht das gewisse Etwas fehlte. Der Kick. Trotz Schärfe und Curry. 

Vielleicht sollte ich mich einfach in Bausch & Bogen von meinen Kochbüchern verabschieden?

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