Seit einigen Jahren enthält jedes Zeit-Magazin auch ein Kochrezept.
Manche sind so hervorragend, daß ich - wenn ich es denn nur gleich wüßte! - die Seiten sofort laminieren würde, damit sie nicht binnen kürzester Zeit fettfleckenbedingt unleserlich werden.
Manche sind schlicht seltsam (Paste aus Roten Beten?).
Und neulich gab es
Selleriesuppe mit Safran
1 kg Sellerieknollen
1 große Zwiebel
30 g Butter
Salz
1 l Wasser
1/2 Teel. Safranfäden
1 Becher Schlagsahne
etwas Saft einer Zitrone
evtl. 1 Eigelb (Zusatz von mir)
Finden Sie den Fehler? Ja? Ich nicht. Oder sagen wir: erst als in der wunderschön cremig gelben Suppe die ersten Klumpen auftauchten. Das taten sie unmittelbar vor dem Auftragen.
Es ist nämlich ziemlich viel Suppe. Das heißt: laut Rezept reicht sie für 6 bis 8 Portionen, was bedeutet, daß sie für uns drei als Hauptgericht geeignet ist. War. Gewesen wäre.
Jedenfalls braucht man ziemlich viel Zitronensaft, um schätzungsweise zweieinhalb Liter Suppe abzuschmecken. Und was passiert infolgedessen mit der Sahne? Richtig.
Keine Ahnung, mithilfe welcher Zaubertricks ich das hätte verhüten können. Etwas Mondamin in die Sahne? Warum zum Kuckuck schreiben die das dann nicht dazu?
Und natürlich ist mir recht geschehen, ich weiß. Ich kann bloß nichts dagegen tun, daß in meinem Hirn blinder Glaube an Gedrucktes herrscht. Ich lese "Zitronensaft und Sahne", ich denke "Gerinnt". Alsdann schaltet sich - bedingt durch irgendwelche Chemikalien in der Druckerschwärze, vermute ich -
ein Korrektiv ein, das mir zuflüstert "Ach was. Die wissen doch, was sie schreiben. Wahrscheinlich enthält der Sellerie eine gerinnungsverhindernde Substanz. Salicylsäure. Stärke. Irgendsowas. Und deswegen geht es bestimmt gut." Und das funktioniert dann wie eine zerebrale Erase-Taste. Genau so lange, bis unheilverkündende Konsistenzveränderungen auftreten.
Aber im Prinzip ist sie tatsächlich lecker. Wäre sie. Gewesen. Auch wenn ich immer noch nicht weiß, was von folgendem Absatz zu halten ist:
"Geschälten Sellerie würfeln, Zwiebel hacken und mit Butter in einem großen Topf anschwitzen. Salzen und ungefähr 5 Minuten lang unter Rühren dünsten. Dann Sellerie dazugeben und mit Wasser ablöschen. Eine großzügige Prise Salz hinzufügen. 15 bis 20 Minuten lang bei geschlossenem Deckel köcheln lassen, bis die Selleriestücke weich sind. Das Gemüse abgießen, den Fond auffangen. Die Safranfäden im Mörser zerstoßen und zum Sellerie geben. Sellerie pürieren, die Sahne und so viel von dem Fond dazugeben, daß eine Suppe entsteht. (Meistens ist das der gesamte Fond.)"
Warum nämlich soll ich den Sellerie erst abgießen, wenn ich am Ende doch wieder das gesamte Kochwasser dazugieße, hm? Und mein Zauberstab mag zugegebenermaßen ein bißchen an Altersschwäche leiden, aber er funktioniert umso besser, je mehr Flüssigkeit sich zwischen den zu pürierenden Stückchen befindet.
Außerdem passiert mit dem Safran* im Mörser exakt das, was zu erwarten war: das meiste bleibt an den Seitenwänden und dem Stößel kleben. Wenn man also anschließend nicht mehrere goldgelbe Euro in den Ausguß fließen sehen will, empfehle ich, den Safran stattdessen in ein paar Eßlöffeln heißen Selleriewassers aufzulösen. Oder es zumindest zu versuchen. Denn diese feinen Härchen sind verflixt widerspenstig.
Und da ich eine große Freundin des Suppenabbindens mit einem Eigelb bin, werde ich auch das nächste Mal ein Eigelb mit einem halben Täßchen Suppe verquirlen und in die heiße Suppe (vorher vom Herd ziehen!) rühren. Ohne Sahneklütern. Hoffentlich.
*Nein, selbstverständlich bekommt man im tiefsten Brandenburg keinen zu kaufen. Wenn die Leute hier mal so richtig Geld ausgeben wollen, dann kaufen sie sich ein Scheibchen Trüffelleberwurst. Weshalb man sie hier bloß in der Woche vor Weihnachten kriegt. Nein, den Safran hatte ich aus Spanien importiert. Nur so. Für alle Fälle. Weil es ihn dort eben gibt. Weshalb ich zum Geschmack nichts sagen kann, denn meine letzte Reise ist schon eine Weile her.
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