Montag, 9. Mai 2016

Traumata

Eines meiner Geburtstagsbücher war "Wann wird es endlich so, wie es nie war" von Joachim Meyerhoff.
Es ist nicht schlecht geschrieben, finde ich, aber insgesamt doch eher ein Armutszeugnis für die zeitgenössische deutsche Literatur und/oder die Lektürevorlieben der deutschen Leserschaft, daß dies ein Spiegel-Bestseller geworden sein soll. Ich zumindest klappte es nach der letzten Seite wieder zu und dachte mir 'Nix als Dönekens. Umfassend pointless. Und insofern: welche Zeitverschwendung.'

Für einen weiteren schwerwiegenden Einwand, den ich gegen dieses Buch habe, kann der Autor allerdings gar nichts. Er schildert nur in viel zu vielen Anekdoten, wie es war, als jüngster Sohn des Direktors einer psychiatrischen Anstalt auf deren Gelände aufzuwachsen. Und wenngleich ich meine eigene Kindheit damit nicht im geringsten vergleichen will, beschwor das Buch bei mir doch haufenweise Erinnerungen herauf. 
Daran, wie mein Bruder seinen Freunden demonstrierte, daß ich - obzwar noch nicht in der Lage, einen vollständigen Satz zu bilden - bereits fehlerfrei "Butazolidinspritze" sagen konnte. 
Daran, daß ich, statt Häuser, Sonnen und Strichmännchen zu malen, meinen Puppen Krankenscheine ausstellte.
Daran, wie ich - in relativ zartem Alter eines Abends für ein Stündchen alleingelassen - auf energisches Klingeln hin die Haustür einem Unbekannten öffnete, der sich eine Waschschüssel unter's Kinn hielt, in die er ausgiebig hineinblutete. (Übrigens bat ich den Patienten in aller Seelenruhe ins Wartezimmer, ehe ich zum Telefon schritt um meinen Vater zu alarmieren.)

Heute traf ein weiteres Geburtstagspäckchen ein. Ich will mich keineswegs über die paar Tage Verspätung beschweren, denn Geschenke kann ich einfach nie genug kriegen, daher ist mir wirklich ganz egal, wann sie eintreffen. 
Also packte ich aus und freute mich. Dann hielt ich das Präsent meiner Mutter unter die Nase.


"Sieh mal! Gleich zwei von der Sorte hab' ich gekriegt - das andere ist hellgrün. Ist das nicht praktisch?"
Begeistert quetschte ich zu Demonstrationszwecken den Behälter zusammen.
"Aha", stellte meine Mutter interessiert fest, "Du hast also ein...  Klistier bekommen. Von wem ist das denn?"

Mitnichten. Die Fläschchen sind die moderne Version der Spritztüte. Um beispielsweise Weihnachtsplätzchen zu dekorieren. Aber nun wird mein Blick darauf nie wieder derselbe sein.

1 Kommentar:

  1. sorry, aber ich hatte die gleiche Assoziation wie Deine Mutter.... :-D

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